20.03.2017 - 15:00

Federer ist der Boss und bleibt es auch

Von Martin Abgottspon
 

0 Bewertungen


Wie kann man mit 35 und nach einem halben Jahr Abwesenheit nur so fulminant in eine Saison starten? Indem man ein Phänomen ist, sich immer wieder neu erfindet und ganz einfach für eine Sache lebt. Durch und durch.

Woche für Woche, Turnier um Turnier stellten sich Journalisten in den letzten Jahren immer wieder die gleiche Frage: «Wann tritt Federer zurück?» Diese Frage interessiert niemanden mehr. Wieso auch? Wieso sollte jemand, der auch mit 35 noch Grand-Slam-Turniere gewinnt, Rekorde am Laufband bricht und die besten Spieler der Welt zum Verzweifeln bringt, ans Aufhören denken? 

Anzeige
In Sekunden überspringen
noch Sekunden
Überspringen

Mit seinem Sieg in Indian Wells lieferte Roger Federer die Bestätigung, dass Melbourne eben nicht bloss ein Zufallserfolg war. Denn diese These stellten einige Kritiker bereits wieder auf, als der «Maestro» in Dubai einen schlechten Tag hatte und in der zweiten Runde am Qualifikanten Jewgeni Donskoi scheiterte. Jetzt sind alle Zweifel ausgeräumt.

Die besten Bilder aus Indian Wells

  • USA TENNIS BNP PARIBAS OPEN
  • USA TENNIS BNP PARIBAS OPEN
  • USA TENNIS BNP PARIBAS OPEN
  • USA TENNIS BNP PARIBAS OPEN

Der Roger Federer 2.0

Federer strotzt vor Selbstvertrauen, wie selten zuvor. Zeitgleich hadern seine einst grössten Konkurrenten wie Andy Murray oder Novak Djokovic mit sich selbst und plagen sich mit Blessuren rum. Stan Wawrinka und Nick Kyrgios scheinen momentan die einzigen Spieler auf der Tour zu sein, die sich noch auf Augenhöhe mit Federer befinden. Doch auch Wawrinka sucht vergeblich nach dem entscheidenden Puzzle-Teilchen, um Federer derzeit ernsthaft in Bedrängnis bringen zu können.

Im Ansatz machte Wawrinka im Final von Indian Wells zwar vieles richtig. Er agierte noch aggressiver, suchte die Linien und demonstrierte eindrücklich, dass er auch einen Roger Federer vom Platz powern kann. Aber eben nicht immer. Federer beweist Defensiv-Qualitäten, wie man sie kaum von ihm kannte. Was «Federer 2.0» aber vor allem ausmacht, ist seine Rückhand.

Natürlich gehören seine Vorhand und auch sein präziser Aufschlag noch immer zu seinen stärksten Schlägen, doch das taten sie schon immer. Mit seiner Rückhand erzeugt Federer heute aber viel mehr Druck als früher. Im Final erzielte er acht Rückhand-Winner von der Grundlinie und sechs Volley-Winner mit der Rückhand. Und dies meist auch noch in den Schlüssel-Rallies, die über fünf bis neun Ballwechsel gingen.

Anzeige
In Sekunden überspringen
noch Sekunden
Überspringen

Weg vom Slice

Federer ist es ein weiteres Mal gelungen, sich neu zu erfinden. Nicht zuletzt dank seines Vaters Robert, der ihm immer wieder riet, seiner Rückhand mehr Vertrauen entgegenzubringen. Wo der 18-fache Grand-Slam-Champion in der Vergangenheit oft Slice auf der Rückhandseite spielte, versucht er jetzt viel öfter, den Ball schon im Anstieg mit Top-Spin zu spielen. Das gelingt ihm. Öfter als er es wahrscheinlich selbst für möglich hielt. 

Dafür waren jedoch noch einige andere Änderungen notwendig, beispielsweise die Beinarbeit aber auch die Positionierung im Generellen. Doch wer sich neu erfinden will, darf Veränderungen nicht scheuen.

Statt über seinen Rücktritt zu sprechen, rätselt man jetzt wieder, wie lange es noch geht, bis Federer wieder die Nummer 1 der Welt ist. Selber hat Federer seine neu überarbeiteten Ziele auch schon wieder in diese Richtung ausgelegt und es scheint durchaus realistisch, dass der Baselbieter das Kunststück tatsächlich noch einmal schaffen könnte. Allein ein Blick aufs Champions Race lässt praktisch keine Zweifel daran aufkommen. Hinzu kommt, dass Federer den Eindruck vermittelt, als befände er sich noch immer in der Warm-Up-Phase. Die entscheidende Frage ist wohl, ob er all dies auch auf den Sandplatz mitnehmen kann.

Bild zum Artikel


Bild: Twitter

Tags:

Weitere Artikel

Anzeige
Bitte aktivieren Sie Javascript für die beste Browserfunktionalität