07.09.2017 - 12:50, René Weder

Hut ab vor dieser Wahnsinns-Saison

 

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Roger Federers Viertelfinal-Aus in New York ist bitter, aber womöglich die logische Konsequenz eines minimalen Fehlentscheids nach dem Sieg in Wimbledon.



Wer am Ende der letzten Saison auf zwei weitere Major-Siege von Roger Federer tippte, wurde für verrückt erklärt. Doch der beste Spieler der Geschichte legte in Melbourne und Wimbledon ein nicht für möglich gehaltenes Comeback aufs Parkett. Auch in Indian Wells, Miami und Halle triumphierte der Baselbieter. Bei den Kanada Masters stand er im Final.  

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Von Rang 16 auf Platz 2 – vorerst

Federer nahm die Saison nach seiner verletzungsbedingten Abwesenheit als 16. der Weltrangliste in Angriff. Ab kommendem Montag ist er wieder die Nr. 2 – und hat trotz des Scheiterns im US-Open-Viertelfinal gegen Juan Martin del Potro gute Aussichten, im Herbst wieder auf den Tennisthron zu steigen.  

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Schon jetzt ist klar: Die Saison in ihrer Gesamtheit ist eine weitere, die vielleicht grösste Meisterleistung Federers, auch wenn es mit der Nr. 1 vorerst nicht klappen wollte. Der 19-fache Grand-Slam-Titelhalter hat 99 Prozent richtig gemacht. Die Pause nach der Verletzung im letztjährigen Wimbeldon-Halbfinal gegen Milos Raonic war die Grundlage dafür, dem Körper Zeit zu geben, sich nicht nur körperlich, sondern auch mental zu erholen und den Aufbau gezielt zu absolvieren. 

Höchstens eine kleine Fehlentscheidung

Wenn es rückblickend einen kleinen Fehlentscheid in den letzten Monaten gab, dann ist das wohl die Teilnahme am Turnier in Montreal, wo Federer nach der Final-Niederlage gegen Alexander Zverev pausieren musste, da es an seiner Schwachstelle, dem Rücken, wieder zwickte. Die Teilnahme in Flushing Meadows stand deswegen am Ende gar in Gefahr, die Vorbereitung geriet aus dem Fahrplan.

Bei den US Open wurde man das Gefühl letztlich nicht los, dass Federer nicht bei 100 Prozent Leistungsfähigkeit angekommen ist. Das mochte gegen den unerfahrenen Tiafoe in der ersten Runde reichen. Die folgenden Gegner (Juschni, Lopez und Kohlschreiber) hatten bei kumulierten 39 Direktduellen gegen den Baselbieter noch nicht einmal gewonnen – und waren wohl auch damit überfordert. Doch gegen Del Potro waren Formrückstand und Müdigkeit dann nicht mehr zu übersehen.

Federers 19 Major-Siege in einer Bildstrecke

  • TENNIS WIMBLEDON 2003
  • TENNIS WIMBLEDON 2003
  • TENNIS AUSTRALIAN OPEN MELBOURNE 2004
  • TENNIS AUSTRALIAN OPEN MELBOURNE 2004

Federer nimmt das Aus sportlich, denn er weiss um die Wahnsinns-Saison, die selbst er nicht erwartete. «Die US Open auch noch zu gewinnen, wäre ein Witz», meinte er nach seinem Triumph in Wimbledon. Heute sagt er: «Es sollte schmerzen und das tut es auch. Aber mit einer solchen Saison habe ich auch nach Niederlagen Perspektiven. Ich werde damit umgehen können.» 

Was nach dem Laver Cup kommt, ist offen

Was können wir von Federer in dieser Saison noch erwarten? In rund zwei Wochen spielt er beim Laver Cup (22. bis 24. September) erstmals an der Seite von Rafael Nadal – in einem Format «Europa gegen den Rest der Welt». Die Teilnahme an den 1000er-Turnieren in Schanghai und Paris sind vorgesehen. Das Heimturnier in Basel dürfte gesetzt sein. Und auch die World Tour Finals in London Mitte November sollte man sich in der Tennis-Agenda markieren.

Entscheidend wird aber sein, wie sich Federer nun von den Strapazen der letzten Wochen erholt und dabei den anfälligen Rücken schont. Wenn wir etwas wissen: Der Rekordsieger wird gerade in diesem Stadium seiner Karriere auch nicht davor zurückschrecken, Turniere und lange Reisen im Herbst auszulassen und sich seinen ganz persönlichen Fahrplan zurechtlegen. Die Rückeroberung der Nr. 1 kann warten, aber sie bleibt das letzte ganz grosse Ziel des Schweizer Ausnahmekönners.

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