Dominic Thiem auf der Formsuche: «Es will 2021 einfach nicht laufen»

SB10

19.4.2021

Musste ohne seinen Coach nach Australien reisen: Vorjahresfinalist Dominic Thiem
Dominic Thiem erlebt sportlich schwierige Zeiten.
Bild: Keystone

Dominic Thiem will bald wieder in den Tennis-Zirkus zurückkehren und die dürftige Bilanz in jüngster Zeit aufpolieren. Der Österreicher hat eine schwierige Zeit hinter sich. 

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19.4.2021

Am 13. September 2020 gewann Dominic Thiem bei den US Open nach einem epischen Drama gegen Alexander Zverev sein erstes Grand-Slam-Turnier. «Danach war ich in einer Euphorie, die Ergebnisse passten noch, ich stand im Endspiel der ATP-Finals in London.»

Doch seither lief nicht mehr viel zusammen beim inzwischen 27-Jährigen, wie er im Interview mit dem «Standard» erläutert: «In der Vorbereitung auf diese Saison bin ich in ein Loch gefallen. Ob die Lockerheit kommt, wird man sehen, ich weiss es nicht, ich hoffe es.»

Der Österreicher hat in der neuen Saison erst neun Partien bestritten (fünf Siege, vier Niederlagen. «Es will 2021 einfach nicht laufen», so die aktuelle Nummer 4 der Welt. 

«Wie bei einem Atomunfall»

Momentan hat er eine kleine Zwangspause: «Es sind kleine Problemchen, jetzt ist es das linke Knie. Im Vorjahr, während des ersten Lockdowns, habe ich das Gleiche im rechten Knie gehabt. Es ist eine angeborene Falte in den Knien, die sich hin und wieder meldet.» Es dauere nun halt ein paar Wochen, um schmerzfrei zu werden, so Thiem. «Mich plagt das schon seit Australien, aber es ist nur ein Wehwehchen, das heilt wieder aus.»

Bei den Australian Open, wo er im Vorjahr noch das Finale erreichte und dort erst in fünf Sätzen an Novak Djokovic scheiterte, schied er im Februar bereits im Achtelfinale raus. «Es war sehr viel Aufwand für relativ wenig Ertrag. Da spiele ich gegen Lokalmatador Kyrgios eines der denkwürdigsten Matches in meinem Leben, hole einen 0:2-Rückstand auf. Die Atmosphäre in Melbourne war unglaublich, obwohl die Leute nicht zu mir gehalten haben. Und auf einmal war Lockdown. Ich kam spätabends verschwitzt in die Umkleide, und die Anlage wurde währenddessen evakuiert – wie bei einem Atomunfall. Am übernächsten Tag gegen Dimitrov herrschte extreme Mittagshitze in der Einsamkeit. Ich habe es nicht geschafft, das durchzudrücken, mit der Situation fertigzuwerden», hält Thiem fest.

In Paris wieder in alter Stärke?

Sein Fazit: «Corona hat die schönen Sachen genommen, vom Reisen angefangen, das freie Bewegen. Die schlechten Sachen bleiben. Es ist schwierig, Woche für Woche unter diesen Umständen durchzuspielen.»
Für ihn sind die fehlenden Zuschauer bei Sport-Events ein Graus: «Ich habe in der vergangenen Woche nicht einmal Champions League geschaut, sie ist einfach ein Trauerspiel. Das Tennisturnier in Monte Carlo habe ich auch kaum verfolgt.»

Doch Thiem will sich zu seinem alten Niveau zurückkämpfen. «Die French Open sind mein grosses Ziel. Natürlich habe ich einen grossen Trainingsrückstand aufgerissen. Ich hatte lange keine Matches gegen absolute Spitzenspieler, sie fehlen. Ich weiss nicht, wo ich stehe. Ich hoffe, das kommt in Madrid und in Rom. Ich will in Paris voll wettbewerbsfähig sein, das ist mein Anspruch. Eine Medaille bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio wäre ein absoluter Traum – sofern sie stattfinden. Ich wüsste es gerne, aber das entscheidet die Pandemie. Die Lust am Tennis lasse ich mir jedenfalls nicht nehmen. Denn irgendwann kommt die Normalität zurück.»