14.09.2017 - 12:34, pat

Ullrich erneut wegen Raser-Suff-Fahrt vor Gericht

SCHWEIZ PROZESS JAN ULLRICH

Ein Bild aus dem Jahr 2015: Jan Ullrich muss sich vor Gericht verantworten.
Bild: Keystone

 

0 Bewertungen


Jan Ullrich muss am Donnerstag noch einmal wegen seiner Promille-Fahrt vor Gericht erscheinen. Der ehemalige Radstar verursachte vor knapp dreieinhalb Jahren betrunken einen Unfall. Vor zwei Jahren lehnten die Richter ein abgekürztes Verfahren ab. Dank neuen Gutachten könnte Ullrich nun aber sogar besser wegkommen als damals.



Im Mai 2014 baut der 43-jährige Jan Ullrich einen Unfall. Mit Alkohol (1,85 Promille) und Valium im Blut rammt er zwei Autos, dabei werden Personen verletzt. Ullrich war viel zu schnell unterwegs. Doch wieviel zu schnell? Die Antwort auf diese Frage ist bei der Urteilsfindung von Bedeutung.

Heute kommt der Fall erneut vor das Bezirksgericht Weinfelden TG. Ullrichs Anwalt Markus Neff räumt Gerüchte aus dem Weg, wonach der inzwischen nach Mallorca ausgewanderte Ullrich dem Verfahren fernbleiben würde. «Ich muss klar betonen: Herr Ullrich wird teilnehmen, daran besteht kein Zweifel», wird Neff im «Blick» zitiert. Der einstige Tour-de-France-Sieger weilt seit Mittwoch Abend in der Schweiz.

Kommt Ullrich jetzt sogar besser weg?

Im Sommer 2015 hatte sich Ullrich mit der Staatsanwaltschaft auf ein abgekürztes Verfahren geeinigt. Die Richter legten allerdings ihr Veto ein. In der ersten Anklageschrift hiess es, dass der Deutsche mit 139 km/h statt der erlaubten 80 km/h (59 zu viel) unterwegs war. Wer in der Schweiz ausserorts mit 60 km/h zu schnell fährt, der kommt für mindestens ein Jahr in Haft. Ullrich war also einen Stundenkilometer zu langsam, um zwingend im Gefängnis zu landen. Damals wurde in den Medien darüber spekuliert, ob Ullrich einen Promi-Bonus geniessen würde. Sein Anwalt sagt, dass sein Mandant das «sehr getroffen» und «irritiert» habe: «Herr Ullrich möchte einfach ein Verfahren, wie jeder andere Schweizer es auch haben darf.»

Inzwischen sieht es für Ullrich sogar besser aus als vor über drei Jahren. Denn ein neues Gutachten kam zum Schluss, dass er «nur» 52 km/h zuviel auf dem Tacho hatte. Damit dürfte er einer Gefängnisstrafe entkommen. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von 17 Monaten (statt 18) auf Bewährung und 10’000 Franken Geldstrafe. Der Verteidiger hofft, dass sein Mandant eine faire Verhandlung erhält und «dass die Sache nun endlich zu einem Abschluss kommt». Das Urteil wird das Gericht vermutlich noch am Donnerstag bekannt geben.

Der Unfallhergang

Ullrich krachte in Mattwil mit stark überhöhter Geschwindigkeit, alkoholisiert und unter Medikamenteneinfluss, in ein auf einer Kreuzung haltendes Auto. Dieses überschlug sich und kam auf der gegenüberliegenden Wiese zu stehen. Mit rund 40 km/h setzte Ullrich seine Fahrt fort und kollidierte frontal mit einem korrekt entgegenkommenden Auto. Zwei Personen wurden dabei verletzt und es entstand ein Sachschaden von rund 70’000 Franken.

Kurz nach dem Unfall entschuldigte sich der Unfallverursacher via Facebook. Es sei ein «Riesenfehler» gewesen, dass er sich alkoholisiert ans Steuer gesetzt habe. Er bereue es zutiefst und wolle sich persönlich bei den Unfallbeteiligten entschuldigen.

Tags:

Weitere Artikel

Anzeige
Bitte aktivieren Sie Javascript für die beste Browserfunktionalität