11.10.2017 - 22:15, wer

«Warum zum Teufel schlägst du mich denn überhaupt?»

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Larry Holmes bei seinem Kampf gegen Muhammad Ali (rechts) im Oktober 1980.
Bild: Getty Images

 

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Larry Holmes trainierte einst an der Seite des grossen Muhammad Ali. 1980 stand er ihm im Ring gegenüber. Es war einer der bittersten Boxkämpfe der Geschichte: Ali konnte nicht, Holmes wollte nicht. Jetzt spricht der bald 68-Jährige über den Fight und seinen Freund und damaligen Rivalen.



Bei seinem Comeback-Versuch und dem damit einhergehenden Traum, zum vierten Mal Weltmeister zu werden, setzt Muhammad Ali am 2. Oktober 1980 seine Gesundheit aufs Spiel. Gegen den amtierenden Weltmeister Larry Holmes ist Ali nur vor dem Kampf besser: Als Grossmaul und Provokateur heizt er die Stimmung in den Tagen vor dem Rencontre in Las Vegas an. Auch unmittelbar vor dem Kampf macht Ali seine bekannten Faxen (s. Video unten).

Doch die Masche zieht diesmal nur bedingt: Sie treibt die Börse in die Höhe, mehr aber nicht. Rückblickend halten Boxexperten rund um den Globus fest, dass Ali diesen Kampf nie hätte bestreiten dürfen. Ebenso wie seinen letzten Kampf, dem «Drama in Bahama», gegen Travor Berbick. Ali war zu dieser Zeit bestenfalls ein Schatten seiner selbst, nahm Medikamente und spürte wohl auch bereits erste Anzeichen der Parkinson-Krankheit, die letztlich 1984 diagnostiziert wurde.

Das Geld, das der Olympiasieger von 1960 mit diesem Kampf verdiente, war sicher willkommen, aber nicht ausschlaggebend. Dem 1999 vom IOC zum «Athleten des Jahrhunderts» gewählten Boxer ging es um mehr: Er wollte noch einmal die volle Aufmerksamkeit und zum vierten Mal den WM-Gürtel. Er sollte grandios scheitern.

Holmes: «Ali wollte nicht aufgeben, er hätte es auch in den folgenden Runden nicht getan»

Der Kampf endete im persönlichen Desaster für «The Greatest»: Vor der 11. Runde bricht der Ringrichter ab, nachdem Alis Trainer lange zuschaut, wie sein Schützling von Larry Holmes vorgeführt wird, ehe er dem Geschehen endlich ein Ende setzt. Ali bringt die Arme nicht mehr hoch, je länger der Kampf dauert, desto mehr zögert Holmes, zuzuschlagen. Es hätte viel schlimmer enden können, hätte Holmes nicht Mitleid mit seinem Freund gehabt: «Ich wollte eigentlich nicht gegen ihn kämpfen», sagt Holmes am Rande eines Pressetermins in London rückblickend. «Ali wollte nicht aufgeben, er hätte es auch in den folgenden Runden nicht getan.» 

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«Es war viel Geld im Spiel und Ali wollte den Fight. Ich konnte nicht nein sagen. Er hat mir alles gegeben, als ich ein junger Boxer war. Er hat mir Handschuhe gekauft und mich in sein Team aufgenommen, er hat mit mir trainiert und mich zu einem besseren Kämpfer gemacht. Vieles, was ich erreicht habe, habe ich ihm zu verdanken», so Holmes, der als bester Jabber aller Zeiten gilt und 69 seiner 75 Kämpfe, davon 44 durch K.o. gewonnen hat.

Die Niederlagen im Spätherbst seiner Karriere gegen Holmes und Berbick tun dem Mythos Ali indessen bis heute keinen Abbruch. So wird Holmes auch bald 40 Jahre nach dem Duell immer noch auf seine Freundschaft und den Kampf gegen Ali konfrontiert. «Mein Duell mit Ken Norton (1978, Anm. d. Red) war sicher viel härter und Kenny war der vielleicht stärkste Kämpfer der Geschichte. Aber keiner bewegte sich so geschmeidig wie Ali. Keiner war so schnell wie er. Und keiner konnte so gut sprechen und die Leute unterhalten oder sie zum Nachdenken bewegen. Ali begegnete letztlich allen gleich und er war selbst nach dem verlorenen Kampf gegen mich zu Sprüchen aufgelegt, als er meine Entschuldigung, ihn bezwungen zu haben, mit den Worten konterte: «Warum zum Teufel schlägst du mich denn überhaupt?» 

Was dem Boxsport von heute fehlt

Dem Boxsport ist Holmes, übrigens auch heute noch eine imposante Erscheinung, immer noch verbunden, wenngleich er die Kämpfe nicht mehr so intensiv verfolge wie früher. Dies nicht nur, weil es einfach keine Kämpfer wie Ali, Tyson oder Hollyfield mehr gebe, gegen die er allesamt boxte, sondern weil sich auch neben dem Ring viel verändert habe. Dem «Money-Fight» zwischen Floyd Mayweahter und Conor McGregor konnte Holmes, wie so viele andere Boxer auch, nicht viel abgewinnen. Der Respekt für McGregor ist zwar da, aber um einen so grossen Kampf zu erhalten, habe man sich früher hochboxen müssen, sagt der Amerikaner. In der Tat fehlt dem Boxsport von heute so etwas wie eine Seele. Etwas, das in den 70er und frühen 80er Jahren die halbe Welt dazu bewegte, mitten in der Nacht aufzustehen und dabei zuzusehen, wie sich zwei Kontrahenten prügelten.



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Das Gespräch mit dem ehemaligen Schwergewichtsweltmeister Larry Holmes über Muhammad Ali fand am Rande einer Veranstaltung von TAG Heuer in London statt. Der Schweizer Uhrenhersteller präsentierte eine Uhr der Muhammad-Ali-Serie und versteigerte signierte Boxhandschuhe des am 3. Juni 2016 verstorbenen Sportlers. Der Erlös kommt der Muhammad-Ali-Stiftung zu Gute.

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Larry Holmes und Geri Horner (ehemals Halliwell) bei der Präsentation der TAG Heuer Muhammad Ali Limited Edition Timepieces im BXR Gym in London.
Bild: Getty Images

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