Seit 2010 querschnittgelähmt Warum Dave Mzee wieder vom freihändigen Laufen träumen darf

Sandro Zappella

11.5.2026

David Mzee: «So kann ich heute wieder ohne Elektrode gehen»

David Mzee: «So kann ich heute wieder ohne Elektrode gehen»

Seit einem Trainingsunfall ist David Mzee Tetraplegiker. Doch mit innovativer Forschung, eisernem Willen und neuen Orthesen kämpft er sich Schritt für Schritt zurück – und träumt davon, eines Tages freihändig zu laufen.

11.05.2026

Seit einem Trainingsunfall ist David Mzee Tetraplegiker. Doch mit innovativer Forschung, eisernem Willen und neuen Orthesen kämpft er sich Schritt für Schritt zurück – und träumt davon, eines Tages freihändig zu laufen.

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Sandro Zappella, Andreas Aeschbach

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  • David Mzee sitzt seit einem Trainingsunfall 2010 als Tetraplegiker im Rollstuhl. Mit implantierten Elektroden und intensivem Training konnte er Jahre später erste Schritte machen.
  • Mit neuen Karbon-Orthesen verbessert Mzee seine Stabilität und kann inzwischen sogar ohne Elektroden laufen. Langfristig möchte er beide Technologien kombinieren, um seinem Ziel des freihändigen Laufens näherzukommen.
  • Der Wings for Life World Run begeistert Mzee, weil dort Spitzensportler und Menschen mit Einschränkungen gemeinsam antreten. 

Seit einem Unfall im Jahr 2010 sitzt Dave Mzee im Rollstuhl. Während seiner Ausbildung zum Sportlehrer sprang er in eine Schnitzelgrube. «Statt weich auf den Schaumstoff-Schnitzeln zu landen, bin ich nach einem Mehrfachsalto wohl bis auf den Boden durchgeschlagen», erzählt der heute 37-Jährige. Dabei verletzte er sich den sechsten und siebten Halswirbel und ist seither Tetraplegiker – eine schwere Form der Querschnittlähmung, bei der Arme, Hände und Beine betroffen sind.

2016 konnte Mzee erstmals wieder laufen – zumindest einige Schritte und mit Unterstützung. Möglich machte das eine im unteren Rücken implantierte Elektrode, die vereinfacht gesagt die Nervenverbindung zu den Beinen ersetzt. «Wenn man dort Stromimpulse setzt, lassen sich gewisse Funktionen in den Beinen wieder aktivieren.» Nach intensivem Training machte er so grosse Fortschritte, dass er 2019 erstmals am Wings for Life World Run teilnehmen konnte.

Mädchen «zaubert» den Rollstuhl weg

In den vergangenen Jahren trainierte Mzee kontinuierlich weiter. Anfangs seien die Fortschritte noch gross gewesen, später immer kleiner. Irgendwann habe er erkannt, dass er durch eine bessere Biomechanik nochmals zulegen könne: «Ich musste den Fuss, auf dem ich auf den Zehenspitzen stand, in eine bessere Position bringen.» Deshalb begann er, selbst mit Skischuhen zu experimentieren.

Dave Mzee (rechts) beim Wings for Life World Run in Zug.
Dave Mzee (rechts) beim Wings for Life World Run in Zug.
ZvG

Für den diesjährigen Wings for Life World Run nutzt er erstmals Orthesen aus Karbon. «Sie bringen den Fuss in einen 90-Grad-Winkel, dadurch habe ich viel mehr Stabilität.» Deshalb könne er mittlerweile sogar ohne Elektroden laufen – «muss ich aber auch, denn sie sind kaputt», sagt Mzee lachend. Langfristig wolle er Orthesen und Elektroden kombinieren, um weitere Fortschritte zu erzielen.

Als Mzee über seine Zukunftsträume spricht, erinnert er sich an eine bewegende Begegnung: «Ein Mädchen aus unserem Quartier hat mit einem Stock meinen Rollstuhl ‹weggezaubert›.» Als er darauf scherzhaft gesagt habe: «Jetzt sitze ich aber am Boden», habe das Mädchen geantwortet: «Nein, du kannst jetzt wieder laufen.»

Die Szene brachte ihn zum Nachdenken: «Ich habe mir danach tatsächlich überlegt, was es dafür eigentlich bräuchte.» Viele unterschätzten jedoch, wie komplex das Ganze sei: «Selbst wenn die Beine wieder ansteuerbar sind – wenn der Rumpf nicht stabil ist, bleibt freihändiges Laufen extrem schwierig.» Genau das sei aber sein grosses Ziel. Noch liege es in weiter Ferne, sagt Mzee – bleibt jedoch optimistisch: «Sag niemals nie.»

Generell gehe es ihm darum, das Maximum herauszuholen – nicht nur für sich selbst: «Ich hoffe, dass auch andere Menschen irgendwann von dieser Forschung profitieren können.»

Im gleichen Rennen wie ein Ultramarathon-Läufer

Der Wings for Life World Run sei für ihn jedes Jahr etwas Besonderes. «Es ist schön, hier zu sein, den Leuten in die Augen zu schauen und den Vibe zu spüren.» Faszinierend finde er vor allem das Konzept des Rennens: «Da startet ein Ultramarathonläufer, der 60 Kilometer laufen will – und gleichzeitig jemand wie ich, der vielleicht 200 oder 300 Meter schafft. Trotzdem nehmen wir am gleichen Rennen teil. Das ist einfach cool.»

Dass auch Stars wie Marco Odermatt oder Simon Ehammer am Start seien, sei ein tolles Zeichen: «Es ist schön, dass so grosse Athleten hier sind, für den guten Zweck laufen und helfen zu mobilisieren.» Genauso wichtig seien aber all die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die den Event zu einem riesigen Happening machten.

Dave Mzee (rechts im Rollstuhl) jubelt mit Marco Odermatt, Daniela Ryf, Simon Ehammer und Co.
Dave Mzee (rechts im Rollstuhl) jubelt mit Marco Odermatt, Daniela Ryf, Simon Ehammer und Co.
ZvG

In seiner Karriere habe er viele Sportlerinnen und Sportler kennengelernt – beeindruckt hätten ihn letztlich alle. «Ich schätze an Menschen generell, wenn sie Biss haben und sich Ziele setzen.» Deshalb sei er auch stolz auf seine Mutter: «Sie hat nie gross Sport gemacht, sich aber immer viel bewegt. Als sie hörte, dass ich hier mitmache, sagte sie sofort: ‹Ich will auch.›»

Für Mzee ist klar: «Zu sehen, mit welchem Biss sie Gas gibt, beeindruckt mich genauso wie ein Marco Odermatt, der auf Ski Höchstleistungen erbringt.»

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11.05.2026