Yanic Niederhäuser Der «Big Man» aus der kleinen Schweiz – getragen von einem grossen Traum

Olivier Riethauser (Video), René Weder

26.2.2026

Dieser Berner lebt den Traum, den viele Schweizer Basketballer träumen

Dieser Berner lebt den Traum, den viele Schweizer Basketballer träumen

Yanic Niederhäuser spielt in Los Angeles seine erste Saison in der NBA. blue News hat den Clippers-Rookie in seinem neuen Zuhause getroffen.

25.02.2026

Als beim letzten NBA-Draft sein Name aufgerufen wird, hält die Familie von Yanic Niederhäuser den Atem an. Wenige Wochen später besucht blue Sport den Schweizer Rookie in Los Angeles – und trifft auf einen extrem fokussierten, leidenschaftlichen und bemerkenswert reifen Athleten. 

Olivier Riethauser (Video), René Weder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Trotz NBA-Rummel bleibt für Yanic Niederhäuser die Familie sein wichtigster Rückhalt.
  • Der 22-Jährige überzeugt bei den LA Clippers mit starken Quoten und sammelt zusätzlich Spielpraxis in der G League.
  • Nach Thabo Sefolosha und Clint Capela gehört Niederhäuser zur neuen Generation Schweizer NBA-Spieler – er lebt seinen Traum und hat hohe Ziele.

Los Angeles, Kalifornien. Zwischen Trainingseinheiten, Videoanalysen und dem NBA-Alltag nehmen sich Yanic Konan Niederhäuser und seine Mutter Nadège Zeit für blue Sport. Der 22-jährige Rookie der Los Angeles Clippers wirkt ruhig, reflektiert und bodenständig. Er spricht leise, denkt gross und geht seinen Weg in der NBA mit Geduld, Disziplin und klaren Zielen. Trotz des Haifischbeckens, in dem er sich behaupten muss. Hier, im Schatten der Stars, beginnt sein grösster Traum.

Der 25. Juni 2025 hat das Leben der Familie Niederhäuser für immer verändert. Im Barclays Center von Brooklyn (NY) ertönt sein Name – an 30. Stelle des NBA-Drafts von den Los Angeles Clippers ausgewählt. «Es ist nicht nur Yanics Traum, der wahr geworden ist, sondern auch unserer als Eltern», sagt seine Mutter Nadège im Gespräch. «Wir sind diesen Weg gemeinsam gegangen. Wir haben ihm vertraut, er hat uns vertraut – und jetzt stehen wir hier in Los Angeles. Es ist unglaublich.» Die Familie ist vor einigen Monaten in die USA gezogen, um diesen neuen Lebensabschnitt aus nächster Nähe mitzuerleben.

Mit 15 Jahren nach Deutschland

Gedanklich war die Familie ohnehin immer dabei. Seine Mutter war und ist sein Anker. Als Niederhäuser mit 15 Jahren den mutigen Schritt nach Deutschland wagte, um seine Ausbildung und die Basketballkarriere voranzutreiben, fehlte ihm dieses familiäre Netz besonders. «Das war nicht immer einfach», sagt er rückblickend. «Aber es hat mich selbstständiger gemacht.» Heute sind die Distanzen noch grösser – doch der Rückhalt ist derselbe geblieben. In einer Welt aus Leistungsdruck, globaler Aufmerksamkeit und Millionenverträgen bleibt die Familie sein Fundament.

Sportlich schreibt der 2,11 Meter grosse Center gerade sein erstes NBA-Kapitel. Seit dem Draft sammelte er seine ersten Minuten in der besten Liga der Welt, knackte in einem Spiel die Zehn-Punkte-Marke, später auch die Zehn-Rebounds-Marke. Niederhäuser nahm im Februar 2026 an der «Rising Stars Challenge» teil – einem Side-Event des legendären Allstar-Wochenendes. «Wenn mir vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass ich dieses Turnier spielen würde …», sagt Niederhäuser und schüttelt noch immer ungläubig den Kopf. Doch zufrieden zurücklehnen will er sich nicht.

Die NBA verzeiht keine Geduld – aber sie belohnt Entwicklung

In seiner Rookie-Saison kommt Niederhäuser bislang auf rund 3,8 Punkte und 2,5 Rebounds pro Spiel – bei einer starken Feldwurfquote von über 65 Prozent. Er zeigt Effizienz, Präsenz unter dem Korb und defensives Potenzial. Parallel sammelt er in der G League bei den San Diego Clippers wichtige Spielpraxis – ein typischer, aber entscheidender Entwicklungsschritt.

Niederhäuser reiht sich in die noch dünne Schweizer NBA-Geschichte ein. Nach Thabo Sefolosha und Clint Capela steht nun eine neue Generation bereit – mit Niederhäuser und Kyshawn George, der sich bei den Washington Wizards bereits zum Stammspieler mausert.

Während Niederhäusers Vorgänger früh wichtige Rollen übernahmen, wächst er Schritt für Schritt in seine Aufgabe hinein. Die NBA verzeiht keine Geduld – aber sie belohnt Entwicklung.

Für Yanic Niederhäuser heisst das: weiterarbeiten, lernen, Verantwortung übernehmen. Sein Weg ist noch lang. Doch dass sein Name im Barclays Center erklang, ist längst mehr als ein persönlicher Erfolg – es ist ein starkes Signal für den Schweizer Basketball. Und das nächste Kapitel hat gerade erst begonnen.