Auf dem Weg Richtung Weltspitze Die rasante Entwicklung im Schweizer Handball

Jan Arnet

14.1.2026

Die Schweizer Handball-Nati mit Trrainer Andy Schmid (vorne) will an der EM für Furore sorgen.
Die Schweizer Handball-Nati mit Trrainer Andy Schmid (vorne) will an der EM für Furore sorgen.
Keystone

Die Schweizer Handball-Nati startet am kommenden Freitag in die EM. Die Ambitionen sind so gross wie wohl noch nie zuvor. Doch nicht nur die Männer-Nati befindet sich in einer rasanten Entwicklung.

Jan Arnet

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die Schweizer Männer-Nationalmannschaft startet mit hohen Ambitionen in die Handball-EM 2026 und will erstmals die Hauptrunde erreichen.
  • Sowohl Männer- als auch Frauen-Nationalteam profitieren von konsequenter Professionalisierung, Nachwuchsförderung und strukturellem Aufbau, unter anderem durch Akademien im OYM.
  • Der Schweizer Handballverband investiert gleichwertig in beide Geschlechter und visiert langfristig internationale Erfolge an – etwa eine Medaille bei Olympia 2032 für die Frauen und der Vorstoss in die Top 8 bei den Männern.

Am Donnerstag startet die Handball-Europameisterschaft 2026 in Norwegen, Dänemark und Schweden – und die Rolle der Schweiz hat sich spürbar verändert. Die Nati reist nicht mehr wie bei früheren Turnieren als Underdog an, sondern als Mannschaft, die sich ihren Platz im internationalen Handball über mehrere Jahre konsequent erarbeitet hat.

Ein Blick auf die jüngere Vergangenheit zeigt, warum. An der EM 2024 setzte die Schweiz mit dem überraschenden Remis gegen Olympiasieger Frankreich ein starkes Ausrufezeichen und sorgte für einen der bewegendsten Momente im Schweizer Handball der letzten Jahre. Auch wenn der Sprung in die nächste Runde damals verwehrt blieb, war die Botschaft klar: Dieses Team kann mit der europäischen Spitze mithalten.

Diese Leistung blieb kein Einzelfall. Bei der Weltmeisterschaft 2025 – zugleich dem ersten grossen Turnier unter Nationaltrainer Andy Schmid – bestätigte die Schweiz ihren Aufwärtstrend. Der Einzug in die Hauptrunde und der 11. Schlussrang bedeuteten das beste WM-Ergebnis seit 30 Jahren. Auffällig war zudem das Durchschnittsalter: Mit rund 24 Jahren stellte die Schweiz das jüngste Team des gesamten Turniers.

Grosse Investitionen – auch in die Frauen

Der Aufwärtstrend ist kein Zufall. Im Schweizer Handball hat sich in den letzten Jahren viel getan. Nicht nur bei den Männern. Kürzlich sorgte die Frauen-Nati an der WM in den Niederlanden für Furore, nachdem sie schon letztes Jahr bei der Heim-EM die Massen begeistern konnte.

Vor sechs Jahren wurde im Leistungszentrum OYM in Cham die Frauen-Akademie gegründet. Ein Grossteil der Spielerinnen im aktuellen Frauen-Nati-Kader hat die Ausbildung dort absolviert, professionell trainiert und sich professionell ernährt.

«In den Köpfen hat ein Umdenken stattgefunden. Die Spielerinnen haben gemerkt, dass man auch in der Schweiz Profi werden, ins Ausland gehen und mit Handball Geld verdienen kann», sagt Verbandspräsident Pascal Jenny im Gespräch mit blue Sport. «Die Spielerinnen kommen nicht mehr nur zur Nati, um für die Schweiz zu spielen. Sie wollen gewinnen.»

Die Frauen-Nati verfolgt im Handball grosse Ziele.
Die Frauen-Nati verfolgt im Handball grosse Ziele.
Keystone

Diese Professionalisierung sei die Basis dafür, dass der Sport heute da ist, wo er ist. Und die Entwicklung ist längst nicht abgeschlossen. «Wir haben immer mehr junge Mädchen, die zum Handball kommen. Und die Frauen-Nati ist mittlerweile zum zweiten Aushängeschild unseres Sports geworden», sagt Jenny, der neu auch dem Vorstand des Internationalen Handball-Verbandes IHF angehört. «Wir investieren heute im Verband gleich viel Geld in die Frauen wie in die Männer.»

Im Schweizerischen Handball-Verband sind die Hoffnungen gross, dass gerade die Frauen-Nati in den kommenden Jahren einen grossen Schritt machen kann. «Weltweit sind viele Frauen-Nationalteams erst im Aufbau dieser Professionalisierung. So kannst du, wenn du gute Arbeit leistest, schneller an die Weltspitze kommen als in anderen Sportarten», erklärt Jenny. «Unser klares Ziel ist es, 2032 bei den Olympischen Spielen in Brisbane um die Medaillen zu spielen – dann sind viele unserer Nationalspielerinnen im besten Handball-Alter.»

Die Schweiz will eine Top-8-Nation werden

Auf dem aufsteigenden Ast ist auch die Schweizer Männer-Auswahl. Die erfolgreiche Qualifikation für die EM 2026 steht sinnbildlich für eine neue Konstanz. Die Nati ist zurück auf der europäischen Handball-Landkarte – nicht dank einzelner Exploits, sondern durch kontinuierliche Leistungen gegen etablierte Gegner.

«Wir haben mit Andy Schmid einen umworbenen ehemaligen Weltstar als Trainer», sagt Jenny. «Und unterdessen haben wir im Kader eine Breite an Spielern, dass wir sagen können: Wir können an die Weltspitze vorstossen.»

SHV-Präsident Pascal Jenny (links) im Gesptäch mit Andy Schmid.
SHV-Präsident Pascal Jenny (links) im Gesptäch mit Andy Schmid.
Keystone

Um nachhaltig erfolgreich zu bleiben, wird auch bei den Männern im kommenden Sommer eine Akademie gestartet – ebenfalls im OYM. Unter hochprofessionellen Strukturen soll der nächsten Generation der «Beruf Handball-Profi» noch attraktiver dargestellt werden. Auch das zeigt, dass der Weg mit aller Konsequenz in die Top 8 der Welt führen soll.

Bereit für die EM

Zuletzt gab es für die Schweiz am Yellow-Cup, dem Vorbereitungsturnier für die EM, mit zwei Siegen (gegen die Ukraine und Bahrain) und einem Remis (gegen Nordmazedonien) den Turniersieg. So geht Schmids Team mit breiter Brust in die Europameisterschaft.

Der Turnierauftakt erfolgt für die Schweizer am Freitagabend in Oslo gegen die Färöer. Am Sonntag folgt die zweite Partie gegen Slowenien, am Dienstag dann der Vorrundenabschluss gegen Montenegro. Das Ziel ist klar: Die Schweizer wollen mindestens Platz 2 in der Gruppe holen und damit erstmals den Einzug in die Hauptrunde einer EM schaffen.

Heim-EM 2028 als grosses Highlight

Im Blick hat Pascal Jenny auch schon die EM 2028 im eigenen Land. «Das wird wohl das grösste Highlight, das der Schweizer Handball-Sport in den letzten zehn und den nächsten zehn Jahren haben wird», sagt der Verbandsboss. «Das ist Big Business. Die Hallen werden ausverkauft sein, das Interesse riesig.»

Der Schweizer Handball blickt hoffnungsvoll in die Zukunft. Mit einer erfolgreichen EM könnte nun der nächste Schritt Richtung Weltspitze gemacht werden.

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