Schwing-Star Lüscher litt als Kind «Ich war der Aussenseiter und hatte keine Vaterfigur»

Linus Hämmerli

8.5.2026

Schwing-Star Lüscher lässt tief blicken

Schwing-Star Lüscher lässt tief blicken

Sinisha Lüscher zählt zur neuen Generation an der Spitze des Schwingsports. Sein Weg dorthin war kein gradeliniger – er führte über Ausgrenzungen und einen unerschütterlichen Willen.

28.04.2026

Der Weg von Sinisha Lüscher an die Spitze des Schwingsports war kein einfacher – er führte über Ausgrenzungen und einen unerschütterlichen Willen. blue News besuchte den Spitzenschwinger zuhause in Muhen AG. 

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Linus Hämmerli, Jüri Christen

Keine Zeit? blue Sport fasst für dich zusammen

  • Sinisha Lüscher (20) zählt zu den besten Schwingern des Landes. Beim ESAF in Mollis holte er sich als 19-jähriger seinen ersten eidgenössischen Kranz. Zuletzt brillierte er am Solothurner Kantonalen und liess seiner Konkurrenz keine Chance.
  • Als Jungschwinger reihte er sich mit dem Sieg beim Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag in die Sphären von Samuel Giger und Fabian Staudenmann ein – und schuftet nun hart dafür, um eines Tages den Königstitel zu holen.
  • Treibende Kraft in seiner Kindheit war Mama Petra. Die alleinerziehende Mutter begleitete ihn durch schwierige Zeiten, als seine Hautfarbe bei gewissen Jungschwingern über seiner Leistungen stand.
  • Lüscher schaffte es, aus den Beleidigungen Motivation zu ziehen. Auch sein älterer Bruder Noah (24), der eine Profi-Karriere im Fussball sehr nahe stand, wurde zu einem Antreiber.

Sinisha Lüscher hat mit 19 Jahren das erreicht, wovon andere Schwinger ein Leben lang träumen: In Mollis ergatterte er sich im vergangenen August den eidgenössischen Kranz. «Es ist unglaublich. Es ist mega schön, dass das letztes Jahr schon geklappt hat.»

Erstmals zeigte Lüscher seine Fähigkeiten im August 2021. Als Teenager gewann er den Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag überlegen und reihte sich so in einen illustren Kreis ein: Auch Samuel Giger und Fabian Staudenmann gewannen den Anlass einst ebenfalls.

Beleidigungen in Motivation umgewandelt

Nun ist auch Lüscher bei den grossen Bösen angekommen. Diese Saison schwingt er erstmals mit drei Sternen (symbolisch für «Eidgenosse») hinter seinem Namen. Sein Aufstieg war aber alles andere als selbstverständlich. In seiner Kindheit war er wegen seiner Hautfarbe mit rassistischen Beleidigungen konfrontiert. Andere Jungschwinger machten dem kleinen Sinisha das Leben schwer, doch dieser biss auf die Zähne. «Es war nicht einfach», erinnert er sich zurück.

Lüscher blieb trotz schwieriger Phasen in seiner Kindheit seiner Leidenschaft, dem Schwingen, treu.
Lüscher blieb trotz schwieriger Phasen in seiner Kindheit seiner Leidenschaft, dem Schwingen, treu.
z.Vg.

Er nahm die Anfeindungen als Motivationsgroschen an: «Sie machten mich traurig, aber sie haben mich auch motiviert. Ich wollte allen beweisen, dass ich ebenso gut schwingen kann, wenn nicht sogar besser. Das hat mich beflügelt. Ich war der Aussenseiter. Aber ich lernte: Auch als Aussenseiter kann man voll angreifen.»

«Meine Mutter war Mama und Papa gleichzeitig»

Die starke Person an seiner Seite: Mama Petra. «Sie hat mir mitgegeben, niemals aufzugeben und an mich selbst zu glauben.» Den Grossteil seiner Kindheit hat Lüscher ohne Vater erlebt. Als er vier Jahre alt war, ging sein Papa zurück in sein Heimatland Ghana. Nach anfänglichen Telefonaten brach der Kontakt später ab. «Ich hatte keine Vaterfigur. Meine Mutter war Mama und Papa gleichzeitig und regelte alles.»

Mittlerweile ist eine Vaterfigur in Lüschers Leben gekommen: in Form seines Trainers Jürg «Jürgli» Monhart. «Ich habe eine sehr enge Verbindung zu ihm. Wir stehen täglich im Kontakt und er unterstützt mich auf und neben dem Platz wie er es während meiner KV-Lehre beispielsweise bei schulischen Themen tat. Ich bin sehr dankbar für ihn.»

Bruder Noah als Antreiber: «Ich wollte besser sein als er»

Auch von seiner Mama schwärmt er in den allerhöchsten Tönen: «Sie ist die wichtigste Person in meinem Leben. Ich liebe sie.» Mit Sinisha und Bruder Noah hat sie zwei Jungs grossgezogen. Beide griffen im Sport nach den Sternen. Sinisha im Sägemehl, der viereinhalb Jahre ältere Noah auf dem Fussballplatz. «Unsere Mama hat uns träumen lassen. Sie hat uns alles ermöglicht. Am Samstag war sie beim Fussball bei meinem Bruder, am Sonntag war sie beim Schwingfest bei mir.»

Das Team Lüscher: Mama Petra, Sinisha und Bruder Noah (v.l.n.r.).
Das Team Lüscher: Mama Petra, Sinisha und Bruder Noah (v.l.n.r.).
z.Vg.

Dass sein Bruder seine Karten auf eine Fussballer-Karriere setzte, stachelte Sinisha an. «Mein Bruder preschte immer voraus, ich zog nach. Mein Ziel war immer, besser zu sein und das gab mir Kraft.»

Sein Bruder Noah schaffte zwischenzeitlich den Sprung zu den Profis und debütierte 2018 als 16-Jähriger in der Challenge League für den FC Aarau. Den Durchbruch schaffte er dann jedoch nicht. Der kleine Bruder Sinisha im Gegensatz ist im Kreis der Topschwinger angekommen.

Das grosse Ziel vor Augen

Auf den Lorbeeren ruht er sich deshalb aber nicht aus. Der Erfolg beim ESAF in Mollis ist für ihn nur ein Zwischenschritt. Er träumt gross: «Ich habe mein ganzes Leben um das Schwingen gebaut. Ich will ganz nach oben.»

In der laufenden Saison hat Lüscher schon ein erstes dickes Ausrufezeichen gesetzt. Zum Auftakt der Kranzfestsaison agierte der Aargauer beim Solothurner Kantonalen in einer anderen Liga, marschierte mit fünf Siegen in den Schlussgang und holte sich mit dem Gestellten gegen Nick Alpiger seinen zweiten Kranzfestsieg.

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