Jan Ullrich lässt drei Jahre nach Total-Absturz tief blicken: «Ich war fast tot»

DPA

27.9.2021

Jan Ullrich fühlt sich wieder gut: «Jetzt ist mein Hirn wieder klar, mein Körper ist fit.»
Bild: Keystone

Jan Ullrich geht es wieder gut. Der einstige Tour-Sieger radelt auf Mallorca mit seinem früheren Rivalen Lance Armstrong und redet offen über die schwerste Phase seines Lebens.

Bestens gelaunt und gesundheitlich in der wohl besten Verfassung seit Jahren hat Jan Ullrich so offen wie nie über die dunkelste Zeit seines Lebens geredet. «Vor drei Jahren ging es mir richtig schlecht», sagte Deutschlands einstiger Rad-Held im Podcast seines früheren Dauerrivalen Lance Armstrong. «Du hast mich besucht und ich war auf demselben Weg wie Marco Pantani – fast tot.» Der italienische Radstar Pantani war 2004 an einer Überdosis Kokain gestorben, die genauen Todesumstände sind bis heute nicht geklärt.

Auf der Ferieninsel Mallorca sassen Ullrich, Armstrong sowie dessen einstiger Teamkollege George Hincapie und Teamchef Johan Bruyneel nun auf einem weissen Sofa und plauderten bester Laune auf einer Terrasse am Wasser über alte Zeiten. Vor allem Ullrich merkte man nach den Alkohol- und Drogeneskapaden der Vergangenheit an, dass es ihm besser geht. «Ich habe drei Jahre geschlafen und brauchte die Zeit für mich. Aber jetzt ist mein Hirn wieder klar, mein Körper ist fit. Ich habe einige Ideen und kann beim nächsten Mal mehr erzählen», sagte Deutschlands einziger Sieger der Tour de France.

Er habe gute Freunde um sich herum, trinke nur noch Wasser, seine Freundin koche gesundes Essen. «Gute Freunde haben mich ins Leben zurückgeholt und ich bin wieder glücklich», sagte der 47-Jährige. Der drei Jahre ältere Armstrong meinte: «Wir sind alle durch beschissene Zeiten gegangen, alle auf unterschiedliche Art und Weise. Aber das Wichtigste ist: Wir sind hier.»

«Ich habe vergessen, was gut für mich ist»

Armstrong und Ullrich hatten sich Anfang der 2000er Jahre legendäre Duelle bei der Tour de France geliefert, aus denen stets Armstrong als Sieger hervorging. Nur im Jahr 2003 hatte Ullrich eine reelle Chance, den Texaner zu besiegen, stürzte allerdings im verregneten letzten Zeitfahren. Armstrong wurden wegen Dopings später alle sieben Tour-Siege aberkannt und nicht neu vergeben, Ullrich steht noch immer in den Ergebnislisten.

Race leader American Lance Armstrong (L) of Discovery Channel Team holds hands with German Jan Ullrich (R) of T-Mobile Team during the start of the 21st stage of the 2005 Tour de France cycling race, Sunday 24 July 2005 in Corbeil-Essonnes. The 144.5km 21st and last stage of the 92nd Tour de France leads the cyclists from Corbeil-Essonnes to the finish on the Champs-Elysees in Paris. (KEYSTONE/EPA/GERO BRELOER)
Waren in den Nullerjahren grosse Rivalen: Lance Armstrong (links) und Jan Ullrich (rechts).
Bild: Keystone

Allerdings war Ullrich 2006 kurz vor dem Start der Tour aus dem Rennen genommen worden, weil er neben weiteren Topstars als Kunde des spanischen Dopingarztes Eufemiano Fuentes enttarnt worden war. Dann folgte der Absturz. «Ich habe nach all dem Scheiss vor 15 Jahren vergessen, was gut für mich ist», sagte Ullrich. «Radfahren ist gut und mit meinen Freunden, meinen Kindern und meiner Familie zusammen zu sein, das ist gut für mich. All das habe ich vergessen, und das war mein Problem.»



Im Herbst 2018 hatte Ullrich in einem Statement Drogenprobleme eingeräumt und unterzog sich nach eigenen Angaben einer Behandlung. Wenige Wochen zuvor war Ullrich nach einem Streit auf Mallorca mit seinem damaligen Nachbarn, dem Schauspieler und Regisseur Til Schweiger, vorübergehend in Gewahrsam genommen worden.

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27.9.2021