Jahrestag

Kahns Kung-Fu-Tritt, Federers Wende, Ronaldos Geniestreich – ein Blick zurück

Von Luca Betschart

3.4.2020

Sorgten in den vergangenen Jahren für diverse Highlights am 3. April: Cristiano Ronaldo, Oliver Kahn und Roger Federer.
Bild: Getty

Die Sportwelt ist seit Wochen lahmgelegt, auch sämtliche Highlights im April sind gestrichen. Grund genug, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen.

Die Viertelfinals der Champions League, der Playoff-Final der National League oder die heisse Phase in der Super League – eigentlich wäre im April für Sportfans so richtig die Post abgegangen. In diesem Jahr herrscht aber Flaute, sportliche Highlights im Kalender sind Fehlanzeige. Ausgerechnet jetzt. Denn ein Blick zurück zeigt: Besonders der 3. April hatte es in Vergangenheit in sich.

3. April 1971: Der Pfostenbruch vom Bökelberg

Am 27. Spieltag der Bundesliga-Saison 1970/71 empfängt Tabellenführer Borussia Mönchengladbach auf dem Weg zur Titelverteidigung Werder Bremen. Der Vorsprung der «Fohlen» auf den punktgleichen FC Bayern München beträgt aber nur vier Tore, eine dementsprechend hohe Bedeutung geniesst das Heimspiel am 3. April. Die Partie nimmt dann aber nicht den erhofften Verlauf.

Beim Stand von 1:1 versucht Gladbach-Stürmer Herbert Laumen in der zweiten Halbzeit, eine Flanke von Günter Netzer zu erreichen. Statt der Kugel landet allerdings Laumen im Netz und verheddert sich darin. Um wieder aufzustehen, versucht der Deutsche, sich am Netz hochzuziehen. Eine schlechte Idee. Plötzlich bricht der linke Pfosten auseinander, das gesamte Torgehäuse fällt in sich zusammen. «Ich sah, wie das Tor brach, bin dann in Deckung gegangen und lag schliesslich wie ein Fisch im Netz. In der Nordkurve gab es daraufhin ein Riesengelächter», schildert Laumen.

Nach dem Pfostenbruch vom Bökelberg endet die Ära der Holztore.
Bild: Keystone

Weil Spieler und Helfer im Anschluss ohne Erfolg versuchen, das Tor wieder aufzustellen oder Ersatz zu finden, muss Schiedsrichter Gert Meuser die Partie abbrechen. Später wertet das Sportgericht das Spiel mit einem 2:0-Auswärtssieg für Bremen – für Gladbach reicht es schlussendlich dennoch zur Titelverteidigung. Ab sofort setzen sie aber nicht mehr auf Holztore, sondern auf solche aus Aluminium.

3. April 1999: Oliver Kahns Kung-Fu-Einlage

Auf den Tag 28 Jahre später sorgt erneut ein Spiel der Bundesliga für Schlagzeilen. In der Hauptrolle: Oliver Kahn. Der impulsive Bayern-Keeper ist an diesem Tag in Hochform und lässt sich vom frühen 0:2-Rückstand gegen Dortmund zusätzlich anstacheln. Obwohl die Münchner in der Tabelle komfortable 14 Punkte Vorsprung aufweisen, der Torwart-Vulkan droht gleich mehrfach auszubrechen.

Nach einem Rencontre mit Dortmunds Heiko Herrlich deutet Kahn an, seinem Gegenspieler in den Hals zu beissen. Und gegen Stéphane Chapuisat klärt er in Kung-Fu-Manier mit ausgestrecktem Bein auf Kopfhöhe – ohne Rücksicht auf Verluste. Kahn verfehlt den Schweizer Stürmer knapp, sagt Jahre später aber: «Das war der Höhepunkt meiner Aggressionen, die sich je in mir entladen haben.» Wirkungslos bleiben Kahns Aktionen nicht. Bayern holt den Rückstand noch auf und wird wenig später deutscher Meister.

Was macht Oliver Kahn da mit dem heutigen Augsburg-Trainer Heiko Herrlich?
Bild: Getty

3. April 2005: Federers grosse Wende gegen Nadal

Gleich im allerersten Duell mit dem aufstrebenden Rafael Nadal zieht Roger Federer in Miami 2004 den Kürzeren. Ein Jahr später kriegt die amtierende Weltnummer 1 am gleichen Ort im Endspiel die Chance auf Revanche. Doch der Start missglückt gründlich, Federer verliert die ersten beiden Sätze 2:6 und 6:7. Mit dem Rücken zur Wand erkämpft sich der Schweizer dann aber Satz Nummer drei im Tiebreak und dominiert Nadal in der Folge nach Belieben. Nach mehr als dreieinhalb Stunden gewinnt Federer das erste von 24 Endspielen gegen Nadal mit 2:6, 6:7, 7:6, 6:3 und 6:1 – sein 27. ATP-Titel ist Tatsache.

3. April 2018: Ronaldo zaubert gegen Juve

Vor zwei Jahren gelingt Cristiano Ronaldo, damals noch bei Real Madrid, in der Champions League ein absolutes Traumtor. Im Viertelfinal-Hinspiel treffen die Königlichen in Turin auf Juventus. Beim souveränen 3:0-Sieg ist aber allein die Aktion des Portugiesen in der 64. Minute das Eintrittsgeld wert. Nach einer Flanke von Aussenverteidiger Dani Carvajal setzt Ronaldo in 2,23 Metern Höhe zum Fallrückzieher an – und lässt Gianluigi Buffon im Juve-Kasten staunen. Genau wie zahlreiche Fans der alten Dame, die sich zahlreich von ihren Sitzen erheben und applaudieren. Ein magischer Moment, der mit ein Grund sein soll, wieso Ronaldo im Sommer 2018 nach Turin wechselte.

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