«Entscheid ist mir nicht leichtgefallen» Schwingerkönig Joel Wicki gibt seinen Rücktritt bekannt

SDA

25.1.2026 - 18:11

Joel Wicki verabschiedet sich vom Schwingsport.
Joel Wicki verabschiedet sich vom Schwingsport.
Keystone

Joel Wicki beendet seine Karriere. Der Schwingerkönig von 2022 verlässt den Sägemehlsport mit erst 28 Jahren und widmet sich neuen Projekten.

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«Der Entscheid ist gefallen, ich werde per sofort vom aktiven Schwingsport zurücktreten», sagte Joel Wicki am Sonntagabend in der SRF-Sendung Sportpanorama. In einer Medienmitteilung liess er sich folgendermassen zitieren: «Der Entscheid ist mir nach einer so langen und schönen Zeit im Schwingsport nicht leichtgefallen. Das Schwingen hat mir vieles abverlangt, aber es hat mir auch sehr vieles gegeben.» Jetzt aber freue er sich auf einen neuen und hoffentlich ebenso spannenden Lebensabschnitt, «in dem ich auch bereit sein werde, mich in der Jugendförderung zu engagieren. Ich selber habe unendlich viel profitiert, deshalb gebe ich gerne auch etwas zurück.»

Gerüchte bewahrheiten sich

Schon seit längerem war über Wickis Zukunft spekuliert worden. Hartnäckig hielten sich die Gerüchte, dass der erst 28-Jährige nach der Saison seine sportlichen Ambitionen hintanstellen und seinem Privatleben mehr Raum einordnen könnte. Zu gross seien seine Passion für die Arbeit auf dem eigenen Betrieb, für die Jagd und das Fischen, sein Bestreben, dereinst eine Familie zu gründen, als dass sich alles unter einen Hut packen liesse, so die Meinung vieler, die ihm nahestehen.

Wicki liess sich jedoch nicht in die Karten schauen. «Ich habe noch keinen Entscheid getroffen, kann noch nicht sagen, wie es weitergeht», sagte er vor dem Saisonhöhepunkt in Mollis zu den Spekulationen. Keine Bestätigung, kein Dementi. Nur so viel: «Manchmal überlegt man sich schon, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Ich will nicht aufhören, wenn ich körperlich angeschlagen bin. Denn für mich gibt es ein Leben nach dem Schwingen. Den Körper braucht es auch dort.»

Nun hat Wicki den Zeitpunkt bestimmt. Statt auf der grossen Bühne anlässlich des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests abzutreten, geht er auf vergleichsweise leisen Sohlen. Nicht vor über 56'000 Fans in der Arena in Mollis, sondern im SRF-Studio in Leutschenbach vor ein paar Dutzend Zuschauern. Sein Karriereende verkündet er nicht weit im voraus, sondern überrascht mit selbigem im «Sportpanorama». Primetime am Sonntagabend, das dann schon. Alles andere wäre eines Königs auch unwürdig gewesen. Ein letztes Mal in jenem Rampenlicht, das Wicki nie gesucht, in dem er sich aber aufgrund seines Schwingstils und seiner Erfolge stets bewegt hat.

König und Erstgekrönter

Seinen grössten Erfolg feierte Wicki 2022 in Pratteln, als er sich mit seinem Sieg im Schlussgang gegen Matthias Aeschbacher zum Schwingerkönig machte. Er war erst der zweite König aus der Innerschweiz nach Heinrich Knüsel im Jahr 1986 und beendete damit nicht nur eine lange Durststrecke des grössten Teilverbandes, sondern wetzte auch eine eigene Scharte aus. 2019 in Zug war dem Sörenberger der ganz grosse Wurf noch verwehrt geblieben, als er sich in der Endausmarchung Christian Stucki geschlagen geben musste und sich punktgleich mit dem Berner König als Erstgekrönter im Rang 1b wiederfand.

Die letzten beiden Feste mit eidgenössischem Charakter verliefen für Wicki enttäuschend. Als amtierender König belegte er im vergangenen Jahr beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Mollis nach einem starken ersten Wettkampftag am Ende nur Rang 9b - auch, weil ihm ein Fehlentscheid der Kampfrichter zu Beginn des Sonntags den Wind aus den Segeln nahm. Im Vorjahr beim Eidgenössischen Jubiläumsschwingfest in Appenzell hatte er sich nur unwesentlich besser im Rang 7c eingereiht. Es waren Klassierungen, die eines Joel Wicki unwürdig waren und die nicht zuletzt an ihm selbst sehr genagt haben.

Herber Schlag für die Innerschweiz

In seiner Karriere gewann Wicki 76 Kränze und 28 Kranzfeste, das letzte Mitte September beim Tessiner Kantonalen in Biasca. Er triumphierte viermal bei einem Teilverbandsfest und gewann acht der prestigeträchtigen Bergfeste. In der vergangenen Saison reüssierte er auf dem Brünig. Zuvor hatte er sich schon am Innerschweizerischen in Seedorf keine Blösse gegeben und bei seinem Comeback nach rund einmonatiger Verletzungspause trotz namhafter Konkurrenz aus der Nordostschweiz (Samuel Giger, Werner Schlegel) triumphiert.

Der explosive Schwingstil Wickis forderte immer wieder seinen Tribut. Aufgrund eines Unterschenkelbruchs verpasste er das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2016 in Estavayer. 2021 brach der Sörenberger wegen einer Ellbogenverletzung die Saison vorzeitig ab, 2023 musste er das Unspunnenfest aufgrund einer erneuten Verletzung am Ellbogen auslassen. Immer wieder zwangen ihn kleinere Blessuren zu Wettkampfpausen.

Für den Innerschweizer Verband ist der Rücktritt von Wicki ein herber Verlust. Mit dem 28-Jährigen verliert der grösste Teilverband sein Aushängeschild und - nach Pirmin Reichmuth, der anlässlich des Saisonhöhepunktes in Mollis einen Schlussstrich unter seine Karriere zog - auch den letzten verbliebenen Spitzenschwinger.

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