Vendée Globe

Herrmann verpasst nach Kollision mit Fischerboot das Podest: «Der schlimmste Albtraum»

dpa

28.1.2021

Boris Herrmann hatte bei der Regatta Vendée Globe das Podest vor Augen.
Bild: Keystone

Weltumsegler Boris Herrmann hat bei der Regatta Vendée Globe nach seiner Kollision mit einem Fischerboot keine Chance mehr auf das Podium. Nach dem Schock kämpft der Hamburger bei seiner Premiere noch um Platz vier. Der Gewinner steht schon fest.

Den Schreck über den Zusammenstoss mit dem Fischerboot hatte Boris Herrmann nach einigen Stunden überwunden. Doch war dem Solo-Weltumsegler am Donnerstagmorgen bewusst, dass die Chancen bei der Vendée Globe auf einen Podiumsplatz oder sogar den Sieg dahin waren. «Das war der schlimmste Albtraum», erzählte der Hamburger über die Kollision mit dem Trawler am Mittwochabend.

Statt bei seiner Vendée-Globe-Premiere gleich Historisches zu schaffen und bei der neunten Auflage des Rennens als Erster in die Sieg-Phalanx der Franzosen einzubrechen, segelte der 39-Jährige am Donnerstagmorgen mit seiner Yacht «Seaexplorer – Yacht Club de Monaco» nur noch um Platz vier. «Ich habe in den Tagen zuvor wie ein Löwe gekämpft. Vielleicht komme ich nie wieder so dicht an einem Podiumsplatz heran?», sagte er.

Mit reduzierter Geschwindigkeit wegen der Schäden an seinem Boot kam Herrmann dem Ziel in Les Sables-d'Olonne näher. Als Ankunftszeit wurde der Vormittag errechnet. «Es ist ziemlich herzzerreissend, aber wir werden es schaffen», sagte Herrmann.

Charlie Dalin als Erster im Ziel, zum Sieg reicht es aber nicht

Als er noch auf dem Wasser war, wurde der Franzose Yannick Bestaven zum Sieger erklärt. Zwar hatte der 48 Jahre alte Skipper der «Maître Coq IV» in der Nacht 7:43 Stunden nach seinem Landsmann Charlie Dalin («Apivia») das Ziel erreicht. Doch reichte ihm eine Zeitgutschrift von 10:15 Stunden auf die Gesamtsegelzeit zum Erfolg.

Dalin hatte am Mittwochabend die Ziellinie gekreuzt. Der 36-Jährige beendete das Rennen über 28'267,88 Seemeilen nach 80 Tagen, 6 Stunden, 15 Minuten und 47 Sekunden. Als Zweiter kam Louis Burton («Bureau Vallee 2») an.



Herrmann schildert die bangen Momente 

Herrmanns unheilvolle Begegnung mit dem Fischerboot geschah etwa 90 Seemeilen vor dem französischen Küstenort. «Ich habe an einer riesigen Wand hochgeschaut», schilderte Herrmann die bangen Momente später. Unter anderen verfing sich ein Vorsegel in den Kränen des Trawlers, eines seiner Foils (Tragflügel) brach. Dazu hörte er seinen Ausleger mehrfach in die Bordwand des anderen Bootes hämmern. «Es waren echte Schockmomente», erzählte er.

Zu seinem Glück schob sich die Rennyacht am anderen Boot vorbei, der Mast blieb stehen. Herrmann und die Besatzung des Trawlers blieben bei dem Unfall unverletzt. Zu dem Zeitpunkt des Vorfalls war er Dritter und hatte ebenfalls wegen einer Zeitgutschrift von sechs Stunden sogar noch Chancen auf den Sieg. Herrmann und Bestaven hatten die Gutschriften von der Wettfahrtleitung wegen ihrer Beteiligung an der Rettungsmission für den schiffbrüchigen Kevin Escoffier in der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember erhalten.

Warum Herrmanns bis zum Mittwochabend gut funktionierende Alarmsysteme versagten und ihn nicht rechtzeitig aus dem Schlaf rissen, wusste er sich zunächst nicht zu erklären. Nach ersten schnellen Reparaturen erklärte er einigermassen gefasst, er segle dem Ziel nun langsamer entgegen. Dort warteten schon seine Frau Birte Lorenzen-Herrmann, die sieben Monate alte Tochter Malou und Familienhund Lilli.

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