Leichtathletik Wie Swiss Athletics Nachwuchstalente auf Weltklasseniveau bringt

SDA

10.3.2025 - 08:25

Swiss Athletics schafft etwas, das in Schweizer Sportverbänden keine Selbstverständlichkeit ist. Der Verband hievt talentierten Nachwuchs auf ein internationales Niveau. Auch dank Karin Schnüriger.

Keystone-SDA

Die fünf an der Hallen-EM in Apeldoorn gewonnenen Medaillen sind im Prinzip fünf Medaillen mit Ansage. Ditaji Kambundji, Angelica Moser, Annik Kälin, Simon Ehammer sind wie die durch Sturz ausgeschiedene Audrey Werro alles einstige Finalistinnen und Finalisten des UBS Kids Cups, des Visana Sprints oder Mille Gruyère, um die wichtigsten Nachwuchsprojekte zu nennen, die rund um den Leichtathletik-Boom der EM 2014 in Zürich entstanden respektive wieder belebt worden sind. Einzig Mujinga Kambundji musste noch selber viele Stolpersteine auf dem Weg ins Profitum beseitigen. Die Nachfolger-Generation hat schon wesentlich mehr von der Arbeit des Verbandes profitiert.

Nationalkader-Breite verdreifacht

Seit 2019 sitzt Karin Schnüriger als Chefin Nachwuchs und Ausbildung in der Geschäftsleitung von Swiss Athletics. Die ehemalige Mehrkämpferin sagt: «Wir schaffen es, viele Jugendliche nicht nur für die Leichtathletik zu begeistern, sondern sie später auch auf ein internationales Niveau zu bringen. Wir spüren, dass immer mehr Athletinnen und Athleten bereit sind, auf die Karte Spitzensport zu setzen.» In Zahlen ausgedrückt: Das Nachwuchsnationalkader (Swiss Starters Future) hat sich seit 2015 (55) sogar mehr als verdreifacht.

Höhere Leistungsdichte

Nicht nur die Elite, sondern auch die Basis ist breiter aufgestellt. «Wir haben immer mehr Kinder in unseren Nachwuchsprojekten», hält Karin Schnüriger fest, betont jedoch zugleich: «Die Anzahl Lizenzen bei den Jugendlichen hat sich aber nicht gross verändert und ist stabil. Vielmehr fällt uns auf, dass die Leistungsdichte höher ist. Dies wirkt sich positiv auf die Resultate aus.» Will heissen: Mit der Talentsichtung in all den Nachwuchsprojekten werden die Richtigen herausgepickt.

Die höhere Leistungsdichte stellt auch den Trainerinnen und Trainern, dem Know-how-Transfer zwischen all den Zellen und Leistungszentren, der sportwissenschaftlichen Arbeit und allen, die sich für die Leichtathletik engagieren, ein gutes Zeugnis aus. Swiss Athletics ist professionell unterwegs, auch wenn das Ehrenamt nicht wegzudenken ist.

Chancen kreieren

«Ein grosses Augenmerk haben wir in den letzten Jahren auf das 'Schaffen von Chancen' gelegt», erwähnt Karin Schnüriger einen zusätzlichen Punkt, der den Nachwuchs besonders motiviert. «Das bedeutet, dass wir die internationalen Selektionskriterien übernehmen, so möglichst vielen Athletinnen und Athleten die Teilnahme an Grossanlässen ermöglichen und diese dort wichtige Erfahrungen sammeln lassen. Das war nicht immer so und wird in vielen Ländern anders gehandhabt.»

Philipp Bandi, als Langstreckenläufer Olympia-Teilnehmer 2008 in Peking und jetzt Chef Leistungssport bei Swiss Athletics, erlebt im Umfeld der Nachwuchskräfte eine Eigendynamik, die seiner Generation gefehlt hat. «Die Jungen wachsen heute mit Medaillen auf. Das motiviert, das fördert den Nachahmer-Effekt, das hilft, professioneller zu werden», betont der Berner. «Die Dichte verstärkt den Boom.»

Von dieser Eigendynamik schwärmt in Apeldoorn stellvertretend Annik Kälin: «Wir sind alle noch jung, aber schon so lange zusammen unterwegs. Und jeder und jede steigert sich immer weiter. Das motiviert, das zieht einen mit.» Und die Entwicklung gehe immer weiter. «Jedes Mal, wenn man denkt, das Plateau ist erreicht, geht es noch eine Stufe nach oben.»