Mit 50 Jahren gestorben Snowboard-Pionier und Extremsportler – das war das Leben von Ueli Kestenholz

Lea Oetiker

13.1.2026

Der Snowboard-Pionier und Extremsportler Ueli Kestenholz ist tot. Der 50-Jährige kam am Sonntag bei einem Lawinenunglück ums Leben. Wer war er?

Lea Oetiker

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  • Der Thuner Snowboarder und Extremsportler Ueli Kestenholz ist am Sonntag bei einem Lawinenunglück tödlich verunglückt.
  • Der 1975 geborene Pionier prägte das Snowboarden in der Schweiz, gewann Olympia- und X-Games-Medaillen und feierte 14 Weltcupsiege.
  • Nach seiner aktiven Karriere widmete er sich dem Freeriden und Filmprojekten wie «Playgravity».
  • Zudem hat er zwei Kinder mit seiner Partnerin Petra Wolf.

Am Dienstagvormittag wurde bekannt: Der 50-jährige Snowboarder und Extremsportler Ueli Kestenholz ist am Sonntag bei einem Lawinenunglück verstorben. Mit dem Helikopter wurde er noch ins Spital geflogen, wo er an den Folgen schliesslich starb. 

Das Snowboarden in der Schweiz begann in den frühen 1980er-Jahren als rebellische Subkultur. Kestenholz gilt als einer der ersten Schweizer Profis.

Wer war der Snowboard-Pionier?

Mit 14 entdeckte er das Snowboard

Ueli Kestenholz wurde am 10. Mai 1975 geboren. Zusammen mit seinen beiden Brüdern wuchs er als Sohn einer Turnlehrerin und eines Turnlehrers am Thunersee auf.

Schon als Jugendlicher suchte er den Nervenkitzel auf Brettern jeder Art: Erst auf Skiern, später auf dem Skateboard und beim Windsurfen. Mit 14 entdeckte er schliesslich das Snowboard. «Anfangs hatte ich noch ein schlechtes Gewissen gegenüber meinen Eltern, die mir die Skiausrüstung gekauft hatten. Aber das Snowboarden hatte einen ungemeinen Sog», sagte er in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger».

Und das Snowboarden lief gut, sogar ziemlich gut: Im Winter 1992/93 nahm er an regionalen Wettkämpfen in den Disziplinen Freestyle und Alpin teil. Bereits am Ende seiner ersten Saison sicherte er sich mit dem Freestyleboard den Titel des Overall-Junioren-Schweizermeisters.

Kurz darauf wurde Kestenholz ins Hooger-Booger-Team aufgenommen, wo er sein erstes Alpinboard erhielt. Seine explosive Fahrweise und Präzision machten ihn schnell zu einem Publikumsliebling.

Bronze an den Olympischen Winterspielen in Nagano

1994 wurde er Teil der neu entstehenden Schweizer Snowboard-Nationalstruktur. Bei der Snowboard-Weltmeisterschaft 1995 der International Snowboarding Federation (ISF) in Davos gewann er die Bronzemedaille. Drei Jahre später sicherte er sich an den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano im Riesenslalom erneut Bronze.

In den Jahren 2003 und 2004 folgten zwei Goldmedaillen im Snowboardcross bei den X-Games. Insgesamt feierte er in seiner Karriere 14 Weltcupsiege.

Kestenholz schien das Rebellische zu faszinieren. Einst waren es Graffitis und illegale Bars, später zerrissene Hosen und lange Haare beim Skateboarden. In der Snowboardszene ging es zu Beginn der Neunzigerjahre so weiter. «Der Widerstand wurde grösser, weil uns die Skifahrer nicht gut gesinnt waren», sagt Kestenholz dem «Tages-Anzeiger». 

Er erzählte der Zeitung vom Trainingscamp in Saas-Fee, als die Skifahrer wie Paul Accola um 21 Uhr zurück im Hotel sein mussten. «Wir sind zu dieser Zeit erst losgezogen und kamen um 5 Uhr vom Ausgang zurück. Der Trainer hätte uns das nie verboten. Er kam sogar mit.»

Nicht nur Snowboardprofi, sondern auch Familienvater

Nach seiner dritten Olympia-Teilnahme 2006 in Turin verlagerte er seinen Schwerpunkt auf das Freeriden sowie auf Film- und Fotoprojekte. Gemeinsam mit seinem Freund Mathias Roten gründete er 2007 das Projekt «Playgravity», einen mehrfach preisgekrönten Multisport-Film. Dessen spektakulärer Höhepunkt ist die Speedride-Befahrung der legendären Berner Gipfel Eiger, Mönch und Jungfrau.

Der Snowboardprofi ist aber nicht nur Sportler, sondern auch Familienmensch. Mit seiner Partnerin Petra Wolf hat er zwei Kinder, geboren 2009 und 2016.

Über sein Privatleben ist sonst nur wenig bekannt. Vielleicht auch, weil es sich kaum vom Sport trennen lässt. In seinem Haus gebe es grosse Fenster, sagte er einst dem «Tages-Anzeiger». Diese brauche es, «weil er oft rausschaue, ob ihm das Wetter eine Gelegenheit biete». Eine Gelegenheit fürs Skifahren, Snowboarden, Speedriden, Surfen, Wingfoilen oder Gleitschirmfliegen.


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