In der Diskussion um manipulierte Anzüge im Skispringen meldet sich nun auch Langlauf-Ass Mika Vermeulen zu Wort. Zu seiner Zeit als Nordischer Kombinierer sei er sogar zum Regelverstoss aufgefordert worden.
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- Langläufer Mika Vermeulen kritisiert in einem Podcast systematischen Betrug und Regelverstösse in seiner früheren Disziplin, der Nordischen Kombination.
- Er berichtet von konkreten Manipulationen wie dem Einsatz von Plastilin und Körperbandagen zur Vorteilsgewinnung sowie von einem verharmlosenden Umgang mit Regelbrüchen.
- Trotz verschärfter Kontrollen nach dem Anzugsskandal warnt Vermeulen vor einer gefährlichen Kultur des Betrugs im Skispringen und fordert deutlich strengere Sanktionen.
Im Podcast «Skirious Problems» spricht Mika Vermeulen offen über problematische Praktiken aus seiner Vergangenheit im nordischen Skisport. Damals sei er im Skispringen laut eigenen Aussagen mehrfach indirekt dazu gedrängt worden, Regeln zu umgehen.
«Die Leute haben ständig betrogen. Sie stopften tonnenweise Plastilin in ihre Unterwäsche, um einen grösseren Schritt zu erzielen», sagt der Österreicher (via «Bild»). Der Effekt: mehr Anzugfläche – und damit ein aerodynamischer Vorteil im Flug.
Besonders eindrücklich schildert Vermeulen eine Situation vor einer Materialkontrolle: «Als ich das erste Mal Messungen vornehmen sollte, kamen die älteren und erfahreneren Springer zu mir und sagten: ‹Es ist sehr wichtig, dass du deinen Penis mit Klebeband festklebst, denn so wird dein Schrittmass ein oder zwei Zentimeter niedriger.›»
Gleichzeitig stellt der 26-Jährige klar, dass keiner jener Athleten, die ihm diese Tipps gegeben hätten, heute noch im Weltcup aktiv sei.
«Alle betrügen absichtlich»
Nach dem Anzugsskandal an der WM in Trondheim im März 2025 habe der Weltverband FIS zwar reagiert. Unter der Leitung von Chef-Materialkontrolleur Mathias Hafele würden Verstösse seither konsequenter geahndet. Für Vermeulen greift das aber zu kurz.
«Ich kann das mit hundertprozentiger Sicherheit sagen: Alle, die beim Skispringen und in der Nordischen Kombination disqualifiziert werden, betrügen absichtlich. Und sie rechtfertigen das einfach damit, dass sie sagen: ‹Ja, ja, aber alle anderen machen das auch.›»
Besonders stört ihn, dass Kontrollen aus seiner Sicht zu nachsichtig ausfallen und Regelüberschreitungen oft kaum Folgen hätten.
Gefährliche Kultur
Gegenüber dem norwegischen Sender NRK warnt er vor den langfristigen Konsequenzen: «Ich sage nicht, dass alle betrügen. Ich sage nur, dass man eine schlechte Kultur schafft, wenn Betrug nicht streng bestraft wird. Und das ist eine gefährliche Kultur. Man schafft eine Kultur, in der es in Ordnung ist, nach Schlupflöchern zu suchen.»
Und weiter: «Wenn man beim Betrügen erwischt wird, sollte man für einen längeren Zeitraum gesperrt werden. Es sollte keine Karten geben. Man hat betrogen». Derzeit sieht das Regelwerk vor, dass Springer nach einem zweiten Vergehen für zwei Wettkämpfe gesperrt werden – Olympische Spiele ausgenommen.
Im Vergleich zum Langlauf ortet Vermeulen klare Unterschiede: «Im Langlauf halten wir uns zu 100 Prozent an die Vorgaben, was die WADA-Dopinglisten angeht. Aber im Skispringen geht man lieber bewusst ein Risiko ein oder bewegt sich ganz am Rande der Grenze und denkt, dass es irgendwann sicher schiefgehen wird, aber dass das trotzdem völlig in Ordnung ist.»