Manipulations-Skandal im SkispringenNorwegens Sportdirektor gesteht: «Wir haben betrogen»
dpa
10.3.2025 - 10:09
Marius Lindvik (links) und Johann Forfang wurden an der Skisprung-WM wegen manipulierten Anzügen disqualifiziert.
Keystone
Nach der Anzug-Manipulation von Marius Lindvik und Johann André Forfang gesteht Norwegens Sportchef Betrug. Er selbst will von den Praktiken aber nichts gewusst haben. Derweil reagieren andere Skiverbände geschockt auf den Skandal.
Norwegens Sportdirektor Jan Erik Aalbu räumt ein, dass das Skisprung-Team bei der WM wissentlich betrogen hat.
Die betroffenen Skispringer Marius Lindvik und Johann André Forfang wollen von den betrügerischen Methoden der Norweger nichts gewusst haben: «Wir sind beide völlig am Boden zerstört.»
Andere Skiverbände reagieren geschockt auf das Betrugs-Geständnis. «Es ist eine klare Manipulation, ähnlich wie Doping», meint etwa Polens Cheftrainer Thomas Thurnbichler.
Norwegens Skiverband hat im Skandal um manipulierte Skisprung-Anzüge wissentlich eigene Betrugsmaschen zugegeben. Dies sagte Sportdirektor Jan Erik Aalbu bei einer Pressekonferenz zum WM-Abschluss in Trondheim.
«Wir haben betrogen und damit alle Skisprungfans enttäuscht, auch uns selbst. Ich möchte mich bei den anderen Teams, den Springern, den Sponsoren und den Fans entschuldigen. Wir werden der Sache auf den Grund gehen», sagte Aalbu im Teamhotel. Es habe sich allerdings nur um die zwei Anzüge von Marius Lindvik und Johann André Forfang gehandelt. Aalbu selbst habe keine Kenntnis von den Praktiken gehabt, erklärte er.
Aus «Regelverstoss» wird «Betrug»
Anonym gefilmte und veröffentlichte Videos sorgen im Skispringen seit Samstag für grosse Aufregung. Auf den Bewegtbildern ist zu sehen, wie das norwegische Team im Beisein von Cheftrainer Magnus Brevig die Wettkampfanzüge auf unzulässige Art und Weise bearbeitet. Die Norweger haben eine nicht erlaubte Naht angebracht, die für mehr Stabilität sorgen soll. Die zusätzliche Stabilität hilft den Springern beim Fliegen in der Luft.
Die Athleten Lindvik, Forfang und Kristoffer Eriksen Sundal wurden in der Folge disqualifiziert. Lindvik hatte vor der Streichung seines Resultats Silber von der Grossschanze gewonnen, bekam das Ergebnis aber aberkannt.
Lindvik will von den betrügerischen Methoden seiner Norweger nichts gewusst haben. «Wir sind beide völlig am Boden zerstört. Keiner von uns wäre mit einem Anzug gesprungen, von dem wir gewusst hätten, dass er manipuliert war. Niemals», wurden Lindvik und sein Kollege Johann André Forfang in einer gemeinsamen Verbandsmitteilung zitiert. Am Samstag hatten die Norweger noch von «einem Regelverstoss» gesprochen.
«Hier wurde ohne jegliche Skrupel manipuliert»
Andere Skiverbände reagieren geschockt auf das Betrugs-Geständnis aus Norwegen. «Das macht einen schon sprachlos, wenn man sich vor Augen führt, wie hier offensichtlich ohne jegliche Skrupel manipuliert wurde», teilte Stefan Schwarzbach vom Deutschen Skiverband DSV auf DPA-Anfrage mit.
Norwegens Cheftrainer Magnus Brevig (links) und Sportchef Jan-Erik Aalbu (rechts) stehen im Kreuzfeuer der Kritik.
Keystone
Die Österreicher gehen noch einen Schritt weiter als der DSV und wollen den norwegischen Teams von Skisprung und Kombination alle WM-Medaillen aberkennen. Nach der Pressekonferenz von Norwegens Aalbu schimpfte Geschäftsführer Christian Scherer. «Es gab null Einsicht. Das war sehr eigentümlich, arrogant und nicht sehr glaubwürdig. Auf die wesentlichen und offensichtlichsten Fragen hat er keine Antworten gegeben», sagte Scherer.
«Diese Arroganz gehört abgestraft. Wenn jemand seine Disziplin nicht im Griff hat, dann ist er reif für einen Rücktritt», forderte der ÖSV-Funktionär. Er legte den Norwegern nahe, im Laufe der Ermittlungen alle Verantwortlichen bis auf Weiteres zu suspendieren.
Konsequenzen noch unklar
Polens Cheftrainer Thomas Thurnbichler wetterte: «Es ist für mich eine Verarschung. Es ist eine klare Manipulation und klarer Sportbetrug, ähnlich wie Doping.» Mit seinem Trainerkollegen Brevig rede er derzeit nicht mehr, fügte Thurnbichler an.
Ob es nun personelle Konsequenzen für Aalbu und den ebenfalls eingeweihten Brevig geben wird, liess Sportdirektor Aalbu offen. Der Fall werde Folgen haben, aber es sei noch zu früh, um zu sagen, welche.
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