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Musiker Florian Ast: «Ich hoffe, dass mein ältester Sohn und ich wieder zueinanderfinden»
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Bötschi fragt Florian Ast

«Ich hoffe, dass mein Sohn und ich wieder zueinanderfinden»

02:09

Tränen, Zweifel und die Hoffnung auf bessere Zeiten: Florian Ast spricht so offen wie selten über die schwerste Phase seines Lebens, den Verlust des Kontakts zu seinem ältesten Sohn und die Kraft, die ihm die Musik bis heute gibt.

Bruno Bötschi

Bruno Bötschi

13.06.2026, 23:48•22.06.2026, 16:01

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Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Florian Ast spricht offen über den Kontaktabbruch zu seinem ältesten Sohn (11) – und warum er diesen extrem schmerzhaften Entscheid trotzdem für richtig hält.
  • «Ich hatte ihn sehr gerne bei mir. Aber wenn ein Kind ständig zwischen zwei Menschen steht und in einen Loyalitätskonflikt gerät, kann Abstand manchmal die bessere Lösung sein», so Ast.
  • Der 50-jährige Musiker spricht im Gespräch mit blue News zudem über Erfolg, Krisen und Neuanfänge – und erklärt, weshalb ein Föhn für ihn weit mehr ist als nur ein Haushaltsgerät.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Florian Ast, wir machen heute ein Frage-Antwort-Spiel: Ich stelle dir in den nächsten 45 Minuten möglichst viele Fragen. Und du antwortest bitte möglichst kurz und schnell. Wenn dir eine Frage nicht passt, kannst du auch einmal «Weiter» sagen. Dalmatiner oder Kuh?

Ich mag Tiere grundsätzlich sehr. Aber wenn ich mich entscheiden müsste: Dalmatiner. Nicht zuletzt, weil der Hund im Video zu meiner neuen Single «Blödi Chue» die Hauptrolle spielt.

Lusbueb oder Frauenheld?

Lusbueb.

Swisscom Festivalsommer

Beatles oder Rolling Stones?

Ich finde beide Bands grossartig. In jungen Jahren war ich Beatles-Fan, später entdeckte ich die Rolling Stones – und spätestens seit dem letzten Album bin ich völlig begeistert von den Stones.

Was ist deine früheste Erinnerung an Musik?

Ich war fünf Jahre alt, als mir mein Grossvater ein Schwyzerörgeli schenkte. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Nicht nur wegen des Instruments selbst, sondern auch wegen des Gefühls, etwas so Wertvolles geschenkt zu bekommen. Damals hatte das noch eine andere Bedeutung – ein Instrument zu besitzen war alles andere als selbstverständlich.

Dein revolutionärster Gedanke am Ende der Schulzeit?

Ich habe dafür gekämpft, mit meiner Band Swiss Pirates am Schulexamen auftreten zu dürfen. Eigentlich wollten wir eigene Songs spielen. Weil die damals noch niemand hören wollte, landeten am Ende Lieder von Guns N’ Roses und Polo Hofer auf der Setlist.

Hast du von klein auf davon geträumt, Weltstar zu werden – so, wie du es im Juli 2000 in einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» erzählt hast?

Mein grosser Traum war schon immer, mit Mundartmusik ein Weltstar zu werden (lacht).

blue News

Zum Autor: Bruno Bötschi

blue News-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland. Er stellt ihnen ganz viele Fragen – immer direkt, oft lustig und manchmal auch tiefsinnig. Dabei bleibt bis zur allerletzten Frage immer offen, wo das rasante Pingpong hinführt.

Macht gute Musik glücklicher als viel Geld?

Wenn Musik eine derart grosse Leidenschaft ist, wie sie es für mich ist, kann kein teures Auto mithalten. Ich investiere mein Geld lieber in Instrumente als in irgendwelche Statussymbole. Musik gibt mir viel mehr zurück als materieller Besitz. Nun hoffe ich einfach, dass dieses Interview nicht allzu viele Konzertveranstalter lesen – schliesslich möchten wir für unsere Auftritte auch künftig noch eine Gage bekommen (lacht).

Singen helfe gegen Stress, sagen Studien. Hilft dir Singen auch gegen das Unglücklichsein?

Das Singen nicht unbedingt, aber das Schreiben von Songs schon. Es ist mein Ventil. Was mich beschäftigt, verarbeite ich in der Musik, statt es ständig mit mir herumzutragen.

In der «Berner Zeitung» stand am 3. Oktober 2023: «Acht Jahre lang hat der Heimatrocker Florian Ast keine neuen Songs aufgenommen. Wo war er nur die ganze Zeit?»

Konzerte habe ich in dieser Zeit schon gespielt. Ich habe einfach keine neuen Songs veröffentlicht. Geschrieben habe ich trotzdem. Die Lieder, die dabei entstanden, waren eher schwer und meist in Moll. Und Moll klingt nun einmal traurig. Die Songs spiegelten genau das wider, was damals in mir vorging. Irgendwann wurde mir klar: Daraus möchte ich kein Album machen. Nicht, weil die Songs schlecht waren, sondern weil ich mit meiner Musik etwas Positives auslösen will. Also habe ich mir gesagt: Eine neue Platte gibt es erst dann, wenn ich auch wieder positive Vibes verbreiten kann.

Was hast du stattdessen gemacht?

Ich habe Songs für andere Musikerinnen und Musiker geschrieben – unter anderem für DJ Ötzi.

Klangen die auch nach Gejammer?

Nein. Für andere Künstler zu schreiben, ist etwas völlig anderes. Und bei DJ Ötzi kommt dazu, dass ich auf Hochdeutsch schreibe.

«Frag einfach – ich sage dir schon, wenn ich keine Lust mehr habe, darauf zu antworten»: blue News Redaktor Bruno Bötschi traf Musiker Florian Ast im Café Kurt am Bach in Würenlos AG zum Interview.

«Frag einfach – ich sage dir schon, wenn ich keine Lust mehr habe, darauf zu antworten»: blue News Redaktor Bruno Bötschi traf Musiker Florian Ast im Café Kurt am Bach in Würenlos AG zum Interview.

Bild: zVg

Hat deine Familiensituation etwas damit zu tun, dass es dir lange nicht gut ging?

Ja.

Willst darüber reden?

Frag einfach – ich sage dir schon, wenn ich keine Lust mehr habe, darauf zu antworten.

Du hast drei Kinder im Alter von sechs, neun und elf Jahren – mit keiner der drei Mütter bist du heute noch zusammen. Wie schwierig ist das im Alltag?

Einfach ist es nicht – aber dafür hat jedes Kind seine eigene Mami.

Zu deinem ältesten Sohn hast du seit einiger Zeit keinen Kontakt mehr. Wie schwer fällt dir das?

(Asts Augen werden feucht) Das war eine sehr schwierige Entscheidung. Ich hoffe aber, dass ich sie im Sinne meines Sohnes getroffen habe. Für mich steht das Wohl des Kindes immer über den eigenen Bedürfnissen. Ich hatte ihn sehr gerne bei mir. Aber wenn ein Kind ständig zwischen zwei Menschen steht und in einen Loyalitätskonflikt gerät, kann Abstand manchmal die bessere Lösung sein. Das heisst nicht, dass es für immer so bleiben muss. Aber ich glaube, dass man einem Kind damit in gewissen Situationen das Leben etwas leichter machen kann.

Wann war für dich klar: So kann es nicht weitergehen?

Ich habe mir damals professionelle Unterstützung geholt. Am Ende war es aber meine Entscheidung. Und trotzdem habe ich die Hoffnung nicht verloren, dass es irgendwann wieder einen Weg zueinander gibt.

Es gibt Menschen, die deinen Entscheid kritisieren, ohne die ganze Geschichte zu kennen. Wie gehst du damit um?

Das ist nicht immer einfach. Aber ich habe gelernt, meinen Fokus auf die Menschen zu richten, die mich unterstützen, statt auf jene, die über mich urteilen. Irgendwann merkt man nämlich, dass man nicht kontrollieren kann, was andere denken. Man kann nur versuchen, ein anständiger Mensch zu sein und etwas Positives zu hinterlassen. Genau deshalb bedeutet mir die Musik so viel. Wenn du auf der Bühne stehst und die Leute Texte mitsingen, die du irgendwann allein zu Hause im stillen Kämmerlein geschrieben hast, dann ist das etwas unglaublich Schönes.

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In deinem Lied «Chline Ängu» aus dem Jahr 2024 geht es um einen Vater, der sein Kind vermisst und auf ein Wiedersehen hofft. «Unsere Zeit wird kommen, irgendwann bist du gross und stark», singst du darin. Was geht heute in dir vor, wenn die Menschen diese Zeilen mitsingen?

Jesses Gott, das zerreisst mich fast. «Chline Ängu» kann ich aktuell nicht mehr live spielen. Schon im Studio fiel es mir schwer, den Song aufzunehmen. Versteh mich nicht falsch: Ich stehe noch immer hinter jedem Wort dieses Liedes. Und eigentlich würde ich es sehr gerne wieder live singen. Aber jedes Mal, wenn ich es anstimme, holt mich die Geschichte dahinter wieder ein.

Wie ist deine neue Single «Blödi Chue» entstanden?

Ich fand auf der Musikplattform Splice einen Loop, der mir extrem gut gefallen hat – genau der, den man heute auch im Intro hört. Ich fing an, darauf zu texten, bis ich irgendwann die Worte «blödi Chue» darüber sang und realisierte: Das passt perfekt. Und ja, vieles von dem, was ich in meinem Leben erlebt habe, ist sicherlich auch unbewusst in meine Songs eingeflossen – so wie Erfahrungen ihren Weg in viele Lieder finden.

Hattest du beim Schreiben eine bestimmte Person im Kopf?

Nein. Aber sagen wir so: Das Leben hat mir auch Inspiration geliefert.

Der Ausdruck «Blöde Kuh» wird laut Sprachwissenschaftler*innen eher zu Frauen gesagt. War dir bewusst, dass der Titel anecken könnte?

Ich habe sogar damit gerechnet, dass «Blödi Chue» nach der Veröffentlichung für etwas Ärger sorgen würde. Passiert ist aber genau das Gegenteil. Statt Kritik bekam ich kürzlich eine total herzige Nachricht. Darin stand: «Du, Flöru, ich finde den Song so geil. Mach doch jetzt noch einen Song, der ‹Blöde Löl› heisst.» Die Person meinte, ich solle doch auch noch eine männliche Version machen – vielleicht sogar von einer Frau gesungen. Das würde etwas Druck aus der ganzen Sache nehmen. Umgesetzt habe ich die Idee bisher zwar noch nicht, aber ich finde sie super.

So grundsätzlich: Sind dir die Menschen sympathisch?

Ja, schon – auch wenn einige von uns ziemliche Gigel sind (lacht). Ich lese gerade «Homo Deus» von Yuval Noah Harari. Darin beschreibt er, wie wir Menschen die Welt erobert und Unglaubliches erreicht haben. Gleichzeitig zeigt er aber auch auf, wie wir vieles davon gerade wieder kaputtmachen. Das Buch bringt die Widersprüchlichkeit der Menschen gut auf den Punkt.

«Ich habe schon immer darauf gehofft, dass die Leute nicht nur meine Hits hören, sondern auch meine anderen Lieder»: Florian Ast.

«Ich habe schon immer darauf gehofft, dass die Leute nicht nur meine Hits hören, sondern auch meine anderen Lieder»: Florian Ast.

Bild: zVg

Dein Beziehungsstatus?

Ich gehe aktuell allein durchs Leben.

Macht die Liebe blind?

Am Anfang ganz sicher.

Und später?

Ich glaube, als Mann über 50, der schon einige Beziehungen hinter sich hat, kann ich sagen: Man sollte sich nicht zu schnell und nicht zu stark binden. Die rosarote Brille verdeckt am Anfang einer Beziehung vieles. Erst mit der Zeit erkennt man gewisse Dinge, die das Zusammenleben später schwierig machen können.

Glaubst du an die grosse Liebe?

Jaaa … immer noch … Ach, ich bin halt nach wie vor ein Träumer.

Welche von deinen Beziehungen war bis jetzt die erfolgreichste?

Die mit meiner Ex-Frau Esther. Natürlich haben sich am Anfang alle Beziehungen richtig angefühlt. Aber über die rosarote Brille haben wir ja bereits gesprochen (lacht).

Was ist dein Lieblingsfluchwort?

Scheibenhonig.

Dein Lieblingssport?

Ich spiele sehr gerne Tennis. Leider geht das wegen meiner Schulter nicht mehr ganz so gut wie früher. Was ich im Moment aber fast noch mehr vermisse, ist das Tanzen. 2020 durfte ich bei der SRF-Tanzshow «Darf ich bitten?» mitmachen. Dort habe ich Gefallen daran gefunden – auch wenn ich mich nach wie vor auf Anfängerniveau bewege (lacht).

Würde es für eine Teilnahme bei der RTL-Show «Let's Dance» reichen?

Nein, dafür bin ich definitiv zu schlecht. Bei der letzten Staffel machte mein Freund, der Ninja-Warrior-Athlet Joel Mattli, mit. Aber er ist deutlich jünger als ich und auch viel sportlicher.

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Nach drei Jahrzehnten als Popstar: Hast du einen Weg gefunden, mit schlechten Kritiken umzugehen?

Ja – aber die Gelassenheit kam erst mit den Jahren. Ich bin leider ein ziemliches Sensibelchen.

In deinen Songs greifst du immer wieder zu deutlichen Worten. Wie passt das zusammen?

Ich habe schon immer darauf gehofft, dass die Leute nicht nur meine Hits hören, sondern auch meine anderen Lieder. Mein Hit «Sex» war in der Öffentlichkeit so präsent, dass die anderen Songs daneben oft vergessen gingen. Gleichzeitig gebe ich aber auch zu: Ich mag meine freche Seite und es macht mir hin und wieder auch Spass mit meinen Texten zu provozieren.

Was ist die schlimmste Kritik, die du je einstecken musstest?

Im Februar 1997 titelte die «Berner Zeitung»: «Trotz Pudelmütze kein heisser Sound.»

Hassen dich Journalistinnen und Journalisten, weil du zu viele Hits geschrieben hast?

Wow, das ist eine mega schöne Frage. Die berührt mich gerade ein bisschen – und dann kommt sie ausgerechnet von einem Journalisten.

Ich bin bekannt für schöne Fragen.

Ich denke, ein Künstler müsste schon etwas wirklich Aussergewöhnliches erreicht haben, damit Menschen ihn dafür hassen könnten.

Wunderst du dich manchmal darüber, dass du seit 30 Jahren zu den erfolgreichsten Musikern der Schweiz gehörst?

Manchmal stehe ich da und denke: Wahnsinn, das sind tatsächlich schon 30 Jahre. Gleichzeitig fühlt es sich gar nicht so lange an. Ich gehe meinem Beruf mit viel Leidenschaft und voller Herzblut nach und habe ihn noch nie als selbstverständlich betrachtet. Umso dankbarer bin ich, dass ich bis heute Musik machen darf.

«Ich gehe meinen Beruf mit viel Leidenschaft und voller Herzblut nach und habe ihn noch nie als selbstverständlich betrachtet. Umso dankbarer bin ich, dass ich bis heute Musik machen darf»: Florian Ast.

«Ich gehe meinen Beruf mit viel Leidenschaft und voller Herzblut nach und habe ihn noch nie als selbstverständlich betrachtet. Umso dankbarer bin ich, dass ich bis heute Musik machen darf»: Florian Ast.

Bild: zVg

Was sind die schönsten Seiten des Erfolgs?

Konzerte zu spielen, ist nach wie vor ein unglaublich gutes Gefühl. Wenn die Menschen meine Lieder mitsingen oder sogar meinen Namen rufen, berührt mich das jedes Mal aufs Neue. Genauso schön ist der Moment, wenn beim Schreiben eines Songs plötzlich alles zusammenpasst. Nicht, weil ich weiss, dass daraus ein Hit wird – das weiss ich sowieso nie. Sondern weil ich spüre: Jetzt fühlt sich dieses Lied genau richtig an.

Die schlechtesten Seiten des Erfolgs?

Die Vorurteile. Viele Menschen haben ein Bild von dir im Kopf, ohne dich wirklich zu kennen. Ich bin überzeugt, dass die meisten anders urteilen würden, wenn sie mich tatsächlich kennenlernen und wir miteinander sprechen würden.

Bei wem müsstest du dich heute noch entschuldigen?

(Überlegt) Ich habe einmal als Bub ... ach was, bei dem Typen will ich mich gar nicht entschuldigen. Weiter bitte.

Für welche deiner Charakterschwächen schämst du dich?

Ich bin eigentlich ein scheuer und introvertierter Mensch. Das führt dazu, dass ich mich in gewissen Situationen unbeholfen verhalte. Die Leute merken zwar, dass etwas nicht stimmt, interpretieren es aber oft als Arroganz. Und das geht mir ehrlich gesagt selbst auf die Nerven.

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Echt wahr, dass Männer vor Haarausfall mehr Angst haben als vor der Atombombe?

Ja.

Schönster Mann, mit dem du je verglichen worden bist?

Mit dem Schauspieler Robert Downey Jr. – wobei ich glaube, das lag vor allem an der Brille. Eine Zeit lang trugen wir beide dasselbe Modell.

War dein Aussehen für deine Karriere als Sänger hinderlich oder förderlich?

Das habe ich mir noch nie überlegt.

Was ist deine Einsamkeitsbeschäftigung?

Föhnen.

Habe ich dich richtig verstanden: Du föhnst deine Haare, wenn du einsam bist?

(Lacht) Nicht nur die Haare. Ich höre einfach unglaublich gerne dem Geräusch eines Föhns zu. Wobei man sagen muss: Nicht jeder Föhn klingt gleich gut.

Welcher Föhn macht deiner Meinung nach den besten Sound?

Ganz klar der Solis Protector 2000. Einerseits gefällt mir sein Geräusch am besten. Andererseits hat er eine Sicherheitsfunktion und kühlt automatisch ab, wenn er der Haut oder den Haaren zu nahekommt.

Weshalb ist das für dich so wichtig?

Weil ich einmal schmerzhaft erfahren musste, warum das sinnvoll ist. Ich lag in einem Hotelzimmer im Bett, las ein Buch und liess nebenbei den Föhn laufen. Irgendwann bin ich eingeschlafen – und der Föhn hat mir den rechten Unterarm übel verbrannt.

Warum lässt du beim Lesen eines Buches den Föhn laufen?

Wie gesagt: Ich mag dieses Geräusch. Möglicherweise hat das auch mit meinem Tinnitus zu tun. Wenn der Föhn läuft, nehme ich das Pfeifen praktisch nicht wahr.

«Ich höre einfach unglaublich gerne dem Geräusch eines Föhns zu»: Florian Ast.

«Ich höre einfach unglaublich gerne dem Geräusch eines Föhns zu»: Florian Ast.

Bild: zVg

Welche philosophische Einsicht kam dir zuletzt beim Anblick eines Schweizer Gipfels?

Immer wenn ich mit dem Auto Richtung St. Gallen fahre und am Horizont den Säntis sehe, weiss ich: Jetzt geht es nicht mehr lange, dann treffe ich meine Tochter.

Stellst du dir gelegentlich die Sinnfrage?

Ja. Eine Zeit lang sogar so intensiv, dass ich irgendwann nicht mehr ein und aus wusste und fast wahnsinnig wurde. Irgendwann bin ich dann bei den Ausserirdischen gelandet (lacht). Ich glaube, jeder Mensch muss seinen eigenen Sinn finden dürfen. Dafür braucht es meiner Meinung nach nicht zwingend eine Religion.

Glaubst du demnach nicht an Gott?

Ich glaube, dass da irgendetwas ist. Vielleicht hat es mit Energie zu tun ­– und immer wieder kommt auch die Musik ins Spiel. Warum gibt es zum Beispiel nur zwölf Töne? Warum gibt es Rhythmus? Und warum berührt Musik uns Menschen so stark? Musik kann uns beruhigen, glücklich machen oder traurig stimmen. Sie kann uns zum Weinen bringen oder beim Sport zu Höchstleistungen antreiben. Aber ehrlich gesagt, ich habe auf all diese Fragen keine Antwort. Und wenn ich sie hätte, wäre ich vermutlich längst ein steinreicher Mann.

Letztes Jahr wurdest du 50 Jahre alt. Was war das für ein Gefühl?

Mir war mein Geburtstag noch nie besonders wichtig. Deshalb war auch die 50 für mich kein grosses Thema.

Die Midlife-Crisis schon durch?

Krisen hatte ich in meinem Leben schon einige. Aber ich hatte auch immer das Glück, dass nach schwierigen Zeiten wieder bessere gekommen sind.

Die Hälfte deines Lebens ist mit grosser Wahrscheinlichkeit schon vorbei. Beschäftigt dich dieser Gedanke?

Je älter ich werde, desto mehr realisiere ich, wie wichtig es ist, die Dinge etwas lockerer anzugehen. Also nicht ständig zu denken: Ich muss noch dies und das erledigen. Sondern auch einmal loszulassen und die Zeit zu geniessen, die ich noch habe.

Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Ich hoffe es. Es wäre etwas unglaublich Schönes, wenn man die Menschen, die bereits gegangen sind, irgendwann noch einmal treffen würde.

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Machst du dir Sorgen darüber, dass es für Musikerinnen und Musiker in Zukunft immer schwieriger wird, von ihrer Kunst zu leben?

Dieses Problem beschäftigt die Musikbranche schon längere Zeit – und zwar weltweit. Angefangen hat es 1999 mit Napster (Anmerkung der Redaktion: ehemals illegale Filesharing-Plattform), als Musik plötzlich gratis heruntergeladen werden konnte. Später hoffte die Industrie, Streamingdienste wie Spotify könnten das Problem lösen. Das hat sich aber nur teilweise bewahrheitet. Es gibt dazu auf Netflix die spannende Serie «The Playlist». Sie zeigt eindrücklich, was damals alles schiefgelaufen ist und immer noch schief läuft.

Glaubst du trotzdem, dass junge Musiker*innen einen Weg finden werden, auch künftig von ihrer Musik leben zu können?

Junge Künstlerinnen und Künstler waren schon immer kreativ, wenn es darum ging, neue Wege zu gehen. Vielleicht werden sie künftig gewisse Strukturen umgehen und ihre Musik direkter zu den Menschen bringen. Denn eines ist klar: Es kann auf Dauer nicht funktionieren, dass Musikschaffende immer weniger verdienen. Für mich ist das auch eine politische Frage. Wie soll jemand von seiner Kunst leben können, wenn pro Stream nur ein Bruchteil eines Rappens ausbezahlt werden? Für Weltstars, die auf Englisch oder Spanisch singen und ein globales Publikum erreichen, mag das funktionieren. Für ganz viele andere aber nicht.

Verrätst du mir, wie viel du mit deinen auf Spotify veröffentlichten Songs verdienst?

Im Schnitt etwa 1000 Franken pro Monat.

Wie viel verdientest du früher an einem Album?

Mindestens 2.50 Franken pro verkauftem Album, oft sogar mehr. Rechne das mal auf 50'000 verkaufte Exemplare hoch – dann siehst du schnell, wie gross der Unterschied zu heute ist.

«Ich habe auf all diese Fragen keine Antwort. Und wenn ich sie hätte, wäre ich vermutlich längst ein steinreicher Mann»: Florian Ast

«Ich habe auf all diese Fragen keine Antwort. Und wenn ich sie hätte, wäre ich vermutlich längst ein steinreicher Mann»: Florian Ast

Bild: zVg

Wir kommen langsam zum Ende des Interviews und nun zum Self-Rating-Test. Du benotest dein Talent jeweils von null bis zehn Punkten – null bedeutet kein Talent, zehn maximales Talent. Wie gross ist dein Talent als Beachboy?

Was macht ein Beachboy?

Am Strand spazieren und sein Sixpack präsentieren.

Na dann: null Punkte. Definitiv kein Talent.

Feminist?

Frau und Mann waren für mich schon immer gleichberechtigt.  Für mich war es nie entscheidend, ob jemand eine Frau oder ein Mann ist. Mir war immer wichtig, Menschen mit dem gleichen Respekt und auf Augenhöhe zu begegnen. Ich habe nie verstanden, weshalb man da Unterschiede machen sollte. Aber weil meine aktuelle Single «Blödi Chue» heisst, gebe ich mir vorsichtshalber nur acht Punkte (lacht).

Glückspilz?

Fünf Punkte. Ich habe das Gefühl, dass man für sein Glück auch etwas tun muss. Und ich bin nicht sicher, ob ich darin besonders gut bin.

Astronaut?

Allein schon wegen meines Nachnamens gebe ich mir zehn Punkte (lacht).

Hast du jemals ernsthaft darüber nachgedacht, die Schweiz zu verlassen?

Ja und nein. Meine Ex-Frau Esther und ich lebten einmal über ein Jahr lang auf Mallorca. Damals wohnten wir zusammen mit dem Musikproduzenten Roman Camenzind in einer Finca. Aber die Schweiz für immer zu verlassen, konnte ich mir nie wirklich vorstellen. Dafür mag ich das Leben hier viel zu sehr.

Wo könntest du dir vorstellen, einmal für ein halbes Jahr zu leben?

In Santa Monica im Westen des Los Angeles County im Bundesstaat Kalifornien. Die Stadt liegt direkt am Pazifik und hat für mich etwas ganz Besonderes.

Demnach bist du doch ein Beachboy?

Nein, nein (Lacht). Ich mag einfach das Lebensgefühl dort. Los Angeles ist eine grosse Stadt, die sich trotzdem nicht so anfühlt, eher wie ein grosses Quartier. Und dann sind da noch die Palmen, das Meeresrauschen und natürlich der legendäre Pier am Ende der Route 66. Muss ich noch mehr sagen?

Nein.

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