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Besonders gefährdet durch die aktuelle Hitze sind ältere und kranke Menschen.
KEYSTONE
In Spanien und Frankreich steigen die Temperaturen erneut vielerorts Richtung 40 Grad – mit tödlichen Folgen, vor allem für ältere Menschen. Ein Experte erklärt die Risikofaktoren.
Die Hitze hat Europa weiterhin fest im Griff: In Spanien gelten in weiten Teilen des Landes Hitzewarnungen. Vielerorts dürfte die 40-Grad-Marke überschritten werden.
Auch in Südfrankreich sollen sich die Temperaturen wieder der 40-Grad-Marke nähern. Während der ersten Hitzewelle vom 17. bis 30. Juni wurden Spitzenwerte von über 44,3 Grad gemessen. Diese Hitzewelle war zwar intensiver als die von 2003, aber die Regierung verwies darauf, dass die Behörden besser vorbereitet waren.
Zur Erinnerung: In Europa kam es 2003 zu einer extremen Hitzewelle, die besonders Frankreich traf. Damals starben im August infolge der extremen Temperaturen und Ozonwerte allein in Frankreich rund 15'000 Menschen. In ganz Europa gab es schätzungsweise 75'000 Hitzetote.
Europe is the fastest-warming continent on Earth, heating at twice the global average. Right now 150 million people are living under extreme heat, hundreds have died, schools are shut, grids are buckling.
— Tedros Adhanom Ghebreyesus (@DrTedros) June 28, 2026
Driven by climate change and global warming, the phenomenon of the…
Auch dieses Jahr hat die Hitze bereits mehrere Todesopfer gefordert. «Seit dem 21. Juni wurden in Europa mehr als 1300 zusätzliche Todesfälle verzeichnet, die im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen stehen», schrieb Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), vergangene Woche auf der Plattform X.
Das betrifft vor allem Frankreich und Spanien. Während der jüngsten Hitzewelle in Frankreich sind zwischen dem 22. und 28 Juni 2000 Menschen mehr gestorben als in der Vorwoche.
Dies bedeutet einen Anstieg um 30 Prozent, wie die Gesundheitsbehörde am Freitag in Paris mitteilte. Die Zahl könne aber noch weiter ansteigen, betonte die Behörde. Genauere Zahlen sollen in etwa drei Wochen vorliegen.

Vor allem in Paris wurde es heiss. Menschen badeten sogar wieder in der Seine.
AP
Besonders traf es den dicht bevölkerten Grossraum Paris und die Region Pays de la Loire im Landesinneren. Dort stieg die Zahl der Todesfälle jeweils um gut 60 Prozent.
Die zusätzlichen Todesfälle betrafen fast ausschliesslich Menschen über 45 Jahre, wobei die Über-65-Jährigen den grössten Teil ausmachten. Die Zahl der Menschen, die zu Hause starben, verdoppelte sich nahezu.
In Spanien sind im Juni nach Behördenangaben mindestens 1028 Todesfälle verzeichnet worden, die auf die extremen Temperaturen zurückzuführen sind.

Eine Tafel zeigt in Bilbao, Spanien, 44 Grad an.
EPA EFE
Das sind mehr als doppelt so viele Hitzetote wie im Vorjahrsmonat, als 407 Sterbefälle registriert wurden. Die Schätzung basiert auf einer Datenbank, mit der die aktuellen täglichen Sterbefälle mit statistischen Daten aus der Vergangenheit abgeglichen werden.
Diesen Angaben zufolge hatte es schon im Mai so viele Hitzetote gegeben wie nie seit Beginn der Erhebung vor zehn Jahren.
In Deutschland stehen die Zahlen für hitzebedingte Tote für die Kalenderwoche vom 22. bis 28. Juni noch aus. In diesem Zeitraum erreichte die Temperatur in Deutschland mehrere Tage hintereinander Höchstwerte. Im brandenburgischen Neissemünde wurde eine Temperatur von 41,7 Grad gemessen.
Doch schon in den Wochen vor der grossen Hitzewelle sind in Deutschland mehr als 800 Menschen im Zusammenhang mit der Hitze gestorben. Schätzungen des Robert Koch Instituts zufolge starben zwischen dem 6. April und dem 21. Juni 810 Menschen.
500 der Verstorbenen waren 85 Jahre und älter. In der Altersgruppe von 75 bis 84 starben 190 Menschen. In der Altersgruppe 65 bis 74 Jahre waren es 80. Bei den Unter-65-Jährigen wurden 40 Sterbefälle registriert.
Wie viele Menschen in der Schweiz während der Hitzewelle insgesamt an den Folgen der Hitze gestorben sind, ist unklar. Klar ist jedoch: Die Hitzewelle Ende Juni hat auch hierzulande offenbar zu deutlich mehr Todesfällen bei älteren Menschen geführt.
Laut aktuellen Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) starben in der Woche vom 22. bis 28. Juni insgesamt 1278 Personen über 65 Jahre, rund 16 Prozent mehr als statistisch erwartet.
Statt der üblichen 1104 Todesfälle wurden damit 175 zusätzliche registriert. Die Werte sind laut Berichten vergleichbar mit einer mittleren bis starken Grippewelle im Winter. Einen ähnlich starken Ausschlag im Sommer gab es zuletzt 2015.
Auch Spitäler meldeten mehr Fälle: Das Universitätsspital Zürich und Notfallstationen im Tessin verzeichneten einen Anstieg von Patientinnen und Patienten mit hitzebedingten Beschwerden.
Dass vor allem ältere Menschen aufgrund der Hitze sterben, bestätigt auch Nikolaus Buchmann, Chefarzt an der Universitären Altersmedizin Felix Plattner in Basel, gegenüber blue News: «Alter gilt als wesentlicher Risikofaktor für hitzebedingte Todesfälle in Europa, wobei bereits die Gruppe 65+ deutlich betroffen ist.»

Vor allem Vorerkrankungen spielen eine grosse Rolle beim Hitzetod.
DPA
Die Gründe sind vielfältig: Mit zunehmendem Alter verschlechtert sich die Fähigkeit des Körpers, Wärme zu regulieren. «Dazu zählen eine verminderte Hautdurchblutung, reduzierte Schweissproduktion sowie eine eingeschränkte kardiovaskuläre Anpassungsfähigkeit», so Buchmann weiter. Das bedeutet: Das Herz-Kreislauf-System kann sich schlechter an Hitze anpassen.
Gleichzeitig ist das Durstgefühl oft reduziert, was zu einer ungenügenden Flüssigkeitsaufnahme führen kann, ergänzt Buchmann.
Eine zentrale Rolle spielen zudem Vorerkrankungen. Besonders gefährdet sind Menschen mit Herz-Kreislauf-, Atemwegs-, Nieren- oder psychischen Erkrankungen sowie Diabetes. «Viele dieser Patientinnen und Patienten nehmen mehrere Medikamente ein, die die Hitzetoleranz zusätzlich beeinträchtigen können», so Buchmann.
Dazu zählen unter anderem entwässernde Mittel, blutdrucksenkende Medikamente und Psychopharmaka.
Ein zusätzlicher Risikofaktor ist eingeschränkte Mobilität: Bettlägerigkeit, geringe Selbstständigkeit oder eingeschränkte Beweglichkeit erschweren es Betroffenen, sich vor Hitze zu schützen, erklärt Buchmann. Pflegeheimbewohnende gelten deshalb als besonders vulnerabel.
Hinzu kommt ein oft unterschätzter Faktor: soziale Isolation. «Alleinleben und fehlende soziale Kontakte sind klar belegte Risikofaktoren für hitzebedingte Todesfälle», sagt Buchmann.

Zur Risikogruppe gehören nicht nur ältere Menschen, sondern auch Menschen, die auf dem Bau arbeiten.
KEYSTONE
Die meisten Todesfälle treten nicht direkt durch die Hitze selbst ein. «In der Regel verschärft die Hitze bestehende Erkrankungen», erklärt Buchmann. Sie kann unter anderem Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Atemwegserkrankungen begünstigen sowie zu akutem Nierenversagen führen.
Ein «Hitzetod» ist laut Definition ein Tod, «bei dem die Exposition gegenüber hohen Umgebungstemperaturen entweder die Todesursache war oder zum Tod beigetragen hat», so Buchmann.
Neben älteren Menschen zählen auch Säuglinge und Kleinkinder, Personen mit chronischen Erkrankungen sowie Menschen, die im Freien arbeiten oder intensiv Sport treiben, zu den Risikogruppen.
In der Schweiz waren 2024 etwas mehr Frauen betroffen als Männer (53 Prozent). Dies lasse sich unter anderem durch die höhere Lebenserwartung und den grösseren Anteil von Frauen in der älteren Bevölkerung erklären, so Buchmann.
International zeigen sich jedoch Unterschiede: In den USA sind häufiger Männer betroffen, was unter anderem mit stärkerer Hitzeexposition und risikoreicherem Verhalten in Verbindung gebracht wird.