Chip-Knappheit trifft alle ausser Apple

Dirk Jacquemien

26.8.2021

Die Versorgungslage bei iPhones ist im Gegensatz zu Handys anderer Hersteller entspannt.
Die Versorgungslage bei iPhones ist im Gegensatz zu Handys anderer Hersteller entspannt.
Getty Images

Die weltweite Halbleiter-Knappheit geht bisher an Apple fast spurlos vorbei. Woran liegt das?

Dirk Jacquemien

26.8.2021

Die globale Halbleiter-Knappheit ist schon längst eine Frage für die Politik geworden. Die USA und die Europäische Union haben bereits kostspielige Pläne aufgestellt, eigene Produktionen in ihren Gefilden zu realisieren, um nicht weiter von Asien abhängig zu sein.

Denn derzeit stehen bei vielen Autoherstellern die Fliessbänder still, weil die Chips fehlen. Gamer warten sehnsüchtig auf ihre PlayStation 5 oder Xbox Series X, die neuesten Spielekonsolen, die auch knapp ein Jahr nach ihrer Lancierung immer noch kaum lieferbar sind. Und wer sich ein neues Smartphone zulegen will, guckt auch oft in die Röhre. Doch ein Hersteller scheint immun: Apple.

Günstige Smartphones Mangelware

Wie das «PC Mag» berichtet, hat sich Apple nach Erkenntnissen der Analysefirma Wave7 Research bereits frühzeitig die nötigen Kapazitäten reserviert, andere Smartphone-Hersteller jedoch nicht. Infolgedessen sind vor allem in US-Geschäften bestimmte Handys absolute Mangelware geworden. Die Knappheit trifft nicht vorwiegend die teuren Prozessoren, sondern vor allem weitere in Smartphones verbaute, eher primitive Chips, die etwa die Batterie oder das Display steuern — ohne sie funktioniert aber auch kein Handy.

Besonders beeinträchtigt sind Einsteiger- oder Mittelklassehandys. Android-Hersteller priorisieren bei der Chip-Beschaffung ihre Spitzenmodelle, günstigere Modelle sind daher kaum noch erhältlich. Apple hat dagegen keine Einsteiger-Handys und neben weiterhin erhältlichen Vorjahresmodellen mit dem iPhone SE nur ein richtiges Mittelklasse-Modell im Angebot.

Apple könnte es doch noch treffen

Ob der Chip-Versorgungsvorsprung von Apple auch zukünftig Bestand haben wird, ist allerdings unklar. Bei einer Telefonkonferenz mit Bank-Analysten Anfang des Monats warnte Apple-Chef Tim Cook, dass die Chip-Knappheit die iPhone-Lieferungen im vierten Quartal beeinträchtigen könnte. Das würde dann das in wenigen Wochen erwartete iPhone 13 treffen.

Dass dann allerdings die iPhone-Knappheit schlimmer wird als in Vor-Corona-Zeiten, ist keineswegs sicher. Seit Jahren dauert es nach der Lancierung eines neuen iPhones einen Monat oder länger, bevor das Angebot mit der Nachfrage mithalten kann. Meistens war dafür nicht ein Mangel an Komponenten verantwortlich, sondern einfach die Tatsache, dass Apple die gewünschte Menge an iPhones einfach nicht schnell genug produzieren konnte.

Mal wieder teurer dürften die neuen iPhones aber auf jeden Fall werden. TSMC, der Marktführer bei der Chip-Produktion, hat seine Preise für Apple um knapp 5 Prozent angehoben, wie die «Digi Times» schreibt. Diese Erhöhung wird Apple mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an die Kund*innen weiterreichen.