Rassismus-Debatte in den USA Rassismus und Präsidenten – lange Kette in der US-Geschichte

AP

1.8.2019

Thomas Jefferson schrieb vor seinem Amtsantritt 1801 als dritter Präsident der Nation in der Unabhängigkeitserklärung, dass «alle Menschen gleich erschaffen sind». Jedoch sind auch von ihm rassistische Bemerkunngen überliefert.
Thomas Jefferson schrieb vor seinem Amtsantritt 1801 als dritter Präsident der Nation in der Unabhängigkeitserklärung, dass «alle Menschen gleich erschaffen sind». Jedoch sind auch von ihm rassistische Bemerkunngen überliefert.
Steve Helber/AP/dpa

Kritiker brandmarken Donald Trumps jüngste Ausfälle gegen mehrere Kongressabgeordnete als rassistisch. Es ist nicht das erste Mal, dass er einen derartigen Vorwurf hervorruft – und gewiss nicht das erste Mal, dass ein US-Präsident mit derartigen Unrühmlichkeiten Aufmerksamkeit erregt.

Donald Trump hat sich mit jüngsten Attacken gegen vier US-Parlamentarierinnen und einen Kongressabgeordneten schwere Rassismusvorwürfe eingetragen. Er selber bezeichnete sich zwar am Mittwoch erneut als «die am wenigsten rassistische Person auf der Welt». Aber es ist nicht das erste Mal, dass als rassistisch kritisierte Äusserungen des Republikaners für Wirbel sorgten.

Und es ist erst recht nicht der erste Fall in der jüngeren US-Geschichte, in dem sich ein Präsident oder künftiger Präsident Rassismusvorwürfen aussetzte – wenn auch die Kritik manchmal erst in späteren Generationen kam. So wurden erst jetzt Aufzeichnungen eines Telefongesprächs aus dem Jahr 1971 publik, in denen der damalige kalifornische Gouverneur Ronald Reagan rassistische Beleidigungen äusserte: Er bezeichnete UN-Vertreter aus afrikanischen Länder als «Affen». Zehn Jahre später zog Reagan ins Weisse Haus ein.

Gegen US-Präsident Donald Trump werden erneut Rassismus-Vorwürfe erhoben.
Gegen US-Präsident Donald Trump werden erneut Rassismus-Vorwürfe erhoben.
Bild: Evan Vucci/AP

Viele Präsidenten waren Sklavenhalter

Viele der frühen Präsidenten, von George Washington bis hin zu Zachary Taylor, waren Besitzer schwarzer Sklaven und an der Macht, als Afroamerikaner, indigene Einwohner und Latinos kein Wahlrecht hatten und auch sonst schwer diskriminiert wurden. Die Präsidenten gaben häufig rassistische Sichtweisen wieder, die zur damaligen Zeit weit verbreitet waren.

Thomas Jefferson schrieb vor seinem Amtsantritt 1801 als dritter Präsident der Nation in der Unabhängigkeitserklärung, dass «alle Menschen gleich erschaffen sind». Aber in seinem 1785 veröffentlichten Buch «Notes on the State of Virginia» äusserte er eine Reihe von Auffassungen über Afroamerikaner, die heute als rassistisch eingestuft würden.

So schrieb er, dass Schwarze einen «sehr starken und unangenehmen Geruch» hätten und nicht fähig seien, Kunst und Poesie zu erzeugen. Und obwohl er sagte, dass Sklaverei in seinen Augen unmoralisch sei, besass er Sklaven – und Historikern zufolge hatte er zumindest mit einer von ihnen, Sally Hemings, eine sexuelle Beziehung. Wenn alle Sklaven jemals freigelassen würden, so schrieb Jefferson, sollten sie deportiert werden, denn nach seiner Auffassung könnten Schwarze und Weisse nicht friedlich zusammen leben.

Auch Andrew Jackson, der 1829 siebter Präsident wurde, war ein Sklavenhalter aus dem Süden. 1804 bot er in einer Anzeige 50 Dollar für die Rückkehr eines entflohenen Sklaven und zehn Dollar extra «für jede 100 Peitschenhiebe bis zu 300, die irgendeine Person ihm verabreicht».

Präsidenten-Biograf Jon Meacham schrieb in seinem 2008 veröffentlichten Buch «American Lion: Andrew Jackson and the White House», Jackson habe etwa 150 Sklaven besessen – und in seinem Testament keine einzige Freilassung verfügt.

Als Präsident gab er Südstaatlern auch freie Bahn für die Beschlagnahme von Anti-Sklaverei-Schriften, eine direkte Verletzung des im ersten Verfassungsartikel festgeschrieben Rechts auf freie Meinungsäusserung. Flugblätter mit der Forderung nach Gleichberechtigung für Schwarze nannte er «verfassungswidrig und böse».

In der neueren Geschichte zog der Demokrat Woodrow Wilson gleich mehrere Male Kritik auf sich. Als Präsident der Princeton University versuchte er, Schwarze von der Hochschule fernzuhalten. Nach seinem Einzug ins Weisse Haus weigerte er sich, die Trennung von Schwarzen und Weissen im Beamtendienst aufzuheben. 1915 löste er mit der Aufführung des rassistischen Films «The Birth of a Nation» im Weissen Haus Empörung aus.

Als im Sommer 1919 weisser Mob in zahlreichen Gemeinden Afroamerikaner angriff und Hunderte Menschen starben, wandte sich Wilson zwar gegen Lynchmorde. Aber er nutzte keine Regierungsressourcen, um die Gewalt zu stoppen.

Der Demokrat Lyndon Johnson wurde nach der Ermordung von John F. Kennedy 1963 Präsident und setzte sich kraftvoll und erfolgreich für ein historisches Wahlrechtsgesetz zum Schutz vor Rassendiskriminierung ein. In einer leidenschaftlichen Rede beschwor er skeptische Parlamentarier, das Gesetz zu billigen. Aber laut Tonbandaufnahmen benutzte Johnson in privaten Gesprächen gewohnheitsmässig rassistische Begriffe, um Afroamerikaner zu beschreiben.

Nixon sprach von «Neger-Bastarden»

So tat es auch Johnsons republikanischer Nachfolger Richard Nixon. «Wir werden also diese kleinen Neger-Bastarde Sozialhilfe beziehen lassen, 2400 pro Familie», liess er sich etwa in einem Privatgespräch über seiner Ansicht nach zu lasche Arbeitsanforderungen an potenzielle Empfänger aus. Nixon – von 1969 bis 1974 Präsident – äusserte sich auch abfällig über Juden und gebürtige Mexikaner, Italiener und Iren im Land.

Der frühere US-Präsident Richard Nixon mit Sammy Davis Jr. Wie nach seiner Präsidentschaft bekannt wurde, äusserte er sich in Gesprächen mit Beratern häufig rassistisch.
Der frühere US-Präsident Richard Nixon mit Sammy Davis Jr. Wie nach seiner Präsidentschaft bekannt wurde, äusserte er sich in Gesprächen mit Beratern häufig rassistisch.
Bild: Uncredited/AP/dpa

Es war auch in einem Gespräch mit ihm, in dem Reagan als kalifornischer Gouverneur ausfällig wurde. Eine entsprechende Tonbandaufzeichnung wurde dem Magazin «The Atlantic» zufolge kürzlich von der Nixon-Präsidentenbibliothek veröffentlicht. Reagan macht darin seinem Frust über UN-Delegierte Luft, die sich bei einer Abstimmung gegen die USA gestellt hatten.

Er habe sich die Sache im Fernsehen angeschaut, sagte der künftige Präsident. «All diese, diese Affen aus jenen afrikanischen Ländern zu sehen – zum Teufel mit ihnen, sie fühlen sich nach wie vor nicht wohl, Schuhe zu tragen.» Nixon fängt an, laut zu lachen.

Mehr als 40 Jahre später, im Januar 2018, wird Trump vorgeworfen, afrikanische Staaten als «Dreckslöcher» bezeichnet zu haben. Wies er das auch zurück, fiel er am vergangenen Wochenende über den schwarzen Kongressabgeordneten Elijah Cummings her, bezeichnete dessen Wahlkreis im Grossraum Baltimore als ein «von Ratten und Nagetieren befallenes Schlamassel». Kein menschliches Wesen, fand Trump, würde sich wünschen, dort zu leben. Aber viele leben dort – hauptsächlich Schwarze.


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