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Pedro Sánchez ist ein scharfer Kritiker von Trump. (Archivfoto)
Diego Radamés/EUROPA PRESS/dpa
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez stellt sich so klar wie kein anderer europäischer Regierungschef gegen US-Präsident Donald Trump. Sánchez nutzt den Konflikt auch, um innenpolitisch Stärke zu zeigen.
Es sind Worte von seltener Klarheit, die der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez am Mittwochmorgen in einer Fernsehansprache wählte. «Es ist naiv zu glauben, dass blinder und unterwürfiger Gehorsam Führung bedeutet», sagte er. Sein Land werde «sich nicht an etwas beteiligen, das schlecht für die Welt ist – und das auch unseren Werten und Interessen zuwiderläuft –, nur aus Angst vor Repressalien von jemandem».
Zu glauben, die Welt könne ihre Probleme nur mit Bomben lösen, sei ein Irrtum. «Man kann auf eine Illegalität nicht mit einer anderen Illegalität reagieren, denn so beginnen die grossen Katastrophen der Menschheit.» Man müsse von der Vergangenheit lernen. Die spanische Position lasse sich in wenigen Worten zusammenfassen: «Nein zum Krieg.»
Dass Sánchez solche klaren Worte wählt, kommt nicht von ungefähr. Am Dienstag hatte Trump bei einem Treffen mit dem deutschen Kanzler Friedrich Merz gesagt, Spanien verhalte sich «schrecklich» und sei «unfreundlich», weil Madrid den USA verweigert hatte, Luftwaffenstützpunkte im Süden Spaniens zu nutzen, um Iran zu attackieren. Trump wies seinen Finanzminister zudem an, alle Handelsbeziehungen mit Spanien einzustellen.
Sánchez ist derzeit der europäische Regierungschef, der sich am deutlichsten gegen Trump positioniert. Medien nennen ihn deshalb bereits den «europäischen Anti-Trump» und «Hauptkritiker aus der EU».
Das macht Sinn, weil man solche Positionen von Sánchez bereits kennt. So hat er auch schon den Krieg in Gaza und die Festnahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro kritisiert. Spanien lehnte zudem als einziges Nato-Mitglied Trumps Forderung ab, fünf Prozent des Budgets für Verteidigung auszugeben.
Es macht aber auch Sinn, weil Sánchez' sozialistische Regierung in Spanien gerade auf wackligen Beinen steht. Seine Koalition hat keine Mehrheit im Parlament, sie ist kaum mehr handlungsfähig. Zudem erschüttern Korruptionsskandale seine Partei. Nächstes Jahr sollen Wahlen stattfinden – es wird jedoch spekuliert, dass sie vorgezogen werden müssten, weil die Regierung bis dahin kaum stabil bleiben könne.
Sánchez' Kritik an Trump könnte ihm helfen, das Vertrauen der Bevölkerung wiederzugewinnen. Laut einer aktuellen Umfrage haben 77 Prozent der spanischen Bevölkerung eine negative Meinung zu Trump.
Und Sánchez weiss, dass sich dieser Meinung zu widersetzen ihn seinen Job kosten könnte. Einer seiner Vorgänger, der ehemalige Ministerpräsident José María Aznar, stellte sich 2003 an die Seite von George Bush und unterstützte den Irak-Krieg – eine Entscheidung, die Spanien später ins Visier islamistischer Terroristen brachte. Im März 2004 verloren fast 200 Menschen durch islamistische Bombenanschläge in Madrid ihr Leben. Unter öffentlichem Druck trat Aznar nicht mehr bei den nächsten Wahlen an.
Doch für Sánchez ist die Position, sich vor Wahlen fürchten zu müssen, keine neue. Er trat 1993 mit 21 Jahren der Sozialistischen Partei bei und arbeitete in den folgenden Jahren unter anderem im Europäischen Parlament und für die Vereinten Nationen. Ins spanische Parlament schaffte er es erst 2009 als Nachrücker, nachdem eine Kandidatur zuvor gescheitert war. 2011 scheiterte er erneut und rutschte 2013 wieder nach. 2014 wählten ihn die Parteimitglieder zum Generalsekretär der Sozialisten. 2015 wollte er Ministerpräsident werden, scheiterte jedoch klar und trat 2016 zurück. 2017 gelang ihm ein Comeback.
Korrekturhinweis 6.3.26: In einer ersten Version dieses Textes war von fast 2000 Toten die Rede. Das war falsch. Richtig ist: Bei den islamistischen Terroranschlägen in Madrid 2004 kamen fast 200 Menschen ums Leben.