Netflix verspricht Klimaneutralität mit Haken

dj

31.3.2021

Netflix will weniger Emissionen ausstossen.
Netflix will weniger Emissionen ausstossen.
Keystone

Videostreaming-Anbieter Netflix will 2022 seine Netto-Treibgasemissionen auf Null reduzieren. Der Plan hat allerdings einen grossen Haken.

dj

31.3.2021

Netflix hat seinen Nachhaltigkeitsplan vorgestellt. Als Ziel gibt der Videostreaming-Dienst an, bis Ende 2022 Netto-Null-Emissionen an Treibhausgasen auszustossen. Dafür sollen eigene Emissionen reduziert und in Projekte zum Erhalt des Regenwaldes und dem Ausbau natürlicher CO2-Speicher wie Grünflächen investiert werden.

Im vergangenen Jahr stoss Netflix nach eigenen Angaben 1,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid aus. 50 Prozent davon entfielen auf die Produktion von Filmen und Serien, 45 Prozent auf die Büros des Unternehmens und fünf Prozent auf die eigene Server-Infrastruktur. Im Vergleich zu 2019 gingen die Emissionen sogar zurück, allerdings hauptsächlich, weil aufgrund der Corona-Pandemie viele Produktionen lange stillstanden.

Grosse Teile der Emissionen bleiben aussen vor

Nicht enthalten in dieser Rechnung sind jedoch die Emissionen, die durch das eigentliche Streamen der Netflix-Inhalte übers Internet erzeugt werden — also in gigantischen Rechenzentren und durch die Endgeräte der Konsumenten. Die Emissionen hier dürften jene, die sich Netflix selbst zuschreibt, weit überschreiten.

Netflix argumentiert, dass es keinen direkten Einfluss auf diesen Energieverbrauch habe. Für die Ausspielung seiner Inhalte an die Kunden nutzt Netflix hauptsächlich den Cloud-Marktführer Amazon Web Services. Amazon hat zwar ebenfalls angekündigt, klimaneutral zu werden — allerdings erst 2040.

Vor einigen Wochen hatte Netflix erstmals eine eigene Rechnung aufgestellt, wie viel Emissionen in der Praxis durch das Streamen erzeugt werden. Demnach sei eine Stunde Netflix-Schauen in etwa so umweltschädlich wie eine 400 Meter-Fahrt mit einem durchschnittlichen Auto.