Pracht der Pixel

Henning Steier

25.1.2019 - 13:43

Geräte aus Samsungs Q-Serie der 8K-Fernseher sind ab 4800 Franken zu haben.
Bild: PD

Marktführer Samsung läutet mit den 8K-Fernsehern der Serie Q900 die TV-Zukunft ein. Aber ist die Technologie- und Nutzerwelt schon bereit dafür?

Sie zählten zweifellos zu den Hinguckern an der IFA 2018: Samsungs 8K-Fernseher der Q-Serie. Der QE65Q900 kostet 4'800 Franken, der QE75Q900 ist für 7'000 Franken zu haben und der QE85Q900 für 15'000 Franken. Bluewin hat sich das mittlere Modell, also jenes mit 75 Zentimetern Bilddiagonale, näher angeschaut.

Die LCD-Fernseher der Q900er-Serie mögen vier Mal so viele Pixel wie 4K-Geräte nutzen. Doch noch nehmen sie über externe Geräte nur maximal 4K-Inhalte entgegen, um diese auf 8K hochzurechnen. Der Grund ist, dass entsprechende Transmitter für HDMI 2.1 erst in ein paar Wochen erhältlich sein werden. 

Neue One-Connect-Box 

Beim Hersteller gibt man sich gelassen: «Das HDMI-2.1-Update sehen wir als kein grosses Problem, da zum einen die meisten Inhalte gestreamt werden», sagte Omar Christ, Produktemanager TV, Samsung Schweiz, zu Bluewin. Nicht nur Samsung habe sich nicht ohne Grund aus dem Geschäft mit UHD-Playern zurückgezogen. Zum anderen könnten Kunden, die schon einen 8K-Fernseher gekauft haben, eine neue One-Connect-Box anschliessen. «Wir prüfen derzeit noch, ob sie diese kostenlos kostenlos erhalten oder kaufen werden müssen.»

Im kurzen Test hinteliess der Samsung-Fernseher jedenfalls einen nachhaltigen Eindruck, vor allem in ruhigeren Szenen: Die Bilder wirkten viel plastischer als man es von Highend-4-Fernsehern kennt. Klar ist auch, dass das von Samsung eigens erstellte Videomaterial am besten aussieht. Die Südkoreaner haben mit Panasonic, Amazon und 20th Century Fox HDR10+ entwickelt. Die Technologie optimiert durch dynamisches Tonemapping die Darstellung jeder einzelnen Szene – und das sieht man sofort. Leider wird der Standard noch nicht von Netflix unterstützt, dort setzt man auf Dolby Vision. Das wiederum wird von Samsung-Geräten nicht unterstützt. Ob sich das ändern soll, ist bisher nicht durchgesickert.

Aber auch nach dem Zufallsprinzip ausgewählte YouTube-Videos wie das einer Andenstadt in Südamerika wussten zu beeindrucken. Beeindruckt hat uns auch, dass die einzelnen Pixel tatsächlich nicht mehr auszumachen sind, wenn man bis auf 75 Zentimeter ans Gerät heranrückt. Das ist aber als Spielerei zu sehen, denn wer sitzt daheim schon so dicht am Fernseher? 

Zwei Sekunden Spitzenleuchtdichte

Augenfällig hingegen der Vorteil einer Spitzenleuchtdichte von 3'700 Candela pro Quadratmeter. Diese ist auch technischen Gründen aber jeweils nur zwei Sekunden darstellbar. Das reicht aber für die meisten Videos.

Spitzenbildqualität geht naturgemäss auch mit Spitzenenergieverbrauch einher. Fernseher wie diese werden wohl nie die Energieeffizienzklasse A erreichen. Sie tummeln sich im D-Bereich. «Natürlich kann ein derartig leistungsfähiger Fernseher nach heutigem Stand der Technik nicht Energieeffizienzklasse A sein. Das ist wie bei einem Sportwagen. Dieser braucht nun mal mehr Benzin als ein Cityflitzer», kontert Produktmanager Omar Christ.

Warten auf Inhalte 

Wo aber bleibt das breite Inhaltsangebot, das die 33 Millionen Bildpunkte eines solchen Top-TV zu nutzen weiss? «Langsam kommt Bewegung in den Markt für 8K-Inhalte. So wurde etwa 'Deadpool 2' bekanntlich in dieser Auflösung gedreht. Beispielsweise gibt es auf YouTube auch immer mehr Clips in dieser Auflösung», sagt Christ. Bei Netflix und Co lassen solche hochaufgelösten Inhalte im grossen Stil aber weiter auf sich warten.

Aber reicht ein durchschnittlicher Internetanschluss zum ruckelfreien Streaming? Der Produktmanager ist auch hier zuversichtlich: «Bandbreitenprobleme beim Streamen von 8K-Inhalten sehen wir hierzulande nicht, da das Gros der Schweizer Haushalte mit leistungsfähigen Internetzugängen ausgerüstet ist.»

Fazit

8K-Fernseher wie der getestete sind ihrer Zeit noch voraus, wissen aber schon heute zu beeindrucken. Nun müssen vor allem Inhaltelieferanten nachziehen. Da Fernseher aber eine Nutzungsdauer von deutlich über fünf Jahren aufweisen, kann man all jenen, die das nötige Kleingeld haben, schon heute zum Kauf eines 8K-Geräts raten.

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