«Deepfake» gegen Karriereende

Bruce Willis verkauft die Rechte an seinem Gesicht

Von Fabian Tschamper

2.10.2022

Per «Deepfake» darf Bruce Willis in Zukunft in Film und Fernsehen künstlich eingebaut werden. Getestet hat der ehemalige Schauspieler diese Technologie mithilfe eines russischen Telefonanbieters.

Von Fabian Tschamper

2.10.2022

Hollywood-Legende Bruce Willis darf jetzt ganz offiziell per Deepfake-Technologie in Filme implementiert werden. Der Schauspieler im Ruhestand hat die Rechte an seinem Gesicht an die US-Firma Deepcake verkauft – um die Möglichkeit eines «digitalen Zwillings» in zukünftigen Filmprojekten zu haben.

«Deepfake» ist eine bisher stark umstrittene – auch gefährliche – Technologie, die aktuell hauptsächlich in der Porno-Industrie verwendet wird. Dabei wird ein fotorealistisches Gesicht einer berühmten Person auf den Körper einer Darstellerin, eines Darstellers projiziert. Solche Videos und jene Deepfakes gelten als kontrovers, weil sich so neue Möglichkeiten eröffnen, jemanden zu diffamieren. So kann eine Aussage aus dem Kontext gerissen und einer spezifischen Person per Deepfake in den Mund gelegt werden.

Nur das geschulte Auge erkennt dabei den Hokus Pokus, ein Grossteil der Menschen könnte durch solche Videos in die Irre geführt werden.

Ein russisches Double mit Willis' Gesicht

Durch Bruce Willis ist die Technologie nun aber endgültig im Mainstream angekommen. Letztes Jahr startete der 67-jährige Action-Star ein Pilotprojekt bei einem russischen Festnetzanbieter, MegaFon. Dabei wurde einem glatzköpfigen Double Willis' Gesicht künstlich aufgesetzt.

Das Gesicht ist aber nicht alles. Durch maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz kann nicht nur das Aussehen kopiert werden, auch die Stimme wird dabei realitätsnah konstruiert.

In Filmen und Serien kommt diese Technologie immer mehr zum Einsatz. So hat Martin Scorsese den Cast seines Films «The Irishman» damit jünger gemacht. Dabei floss aber weniger Computer-Kraft in das Projekt, weil De Niros und Pacinos Gesichter als Vorlage in jeweiligen Szenen schon vorhanden waren.

Eine grosse Chance

Bruce Willis hat den russischen Werbespot und seinen Deal mit Deepcake als «grosse Chance, um in die Vergangenheit zu reisen» bezeichnet. «Ich mochte die Präzision, mit welcher mein Charakter dargestellt wurde», sagte er weiter zum MegaFon-Clip.

Zusätzlich müsse er für solche Produktionen nicht vor Ort sein: «Es war eine neue und sehr interessante Erfahrung. Ich konnte daran arbeiten, obwohl ich auf einem anderen Kontinent war.»

Willis gab Ende März diesen Jahres seinen Rücktritt aus dem Schauspiel bekannt. Der 67-jährige Schauspieler ist an Aphasie erkrankt, welche seine kognitiven Fähigkeiten stark einschränkt. Schon in seinen letzten Filmprojekten musste er jeweils einen Knopf im Ohr tragen, durch welchen er seine Zeilen geflüstert bekam.