Deutscher Corona-Experte

Drosten befürchtet sehr hohe Fallzahlen nach den Sommerferien

DPA, gbi

24.6.2022 - 10:28

Die Pandemie ist noch nicht vorbei: Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité-Klinik in Berlin.
dpa

Der Schutz der Corona-Impfung lässt langsam nach und die BA.5-Variante ist weiter auf dem Vormarsch. Auch am Jahresende werde die Pandemie nicht vorbei sein, befürchtet der deutsche Virologe Christian Drosten.

DPA, gbi

24.6.2022 - 10:28

Corona ist noch nicht verschwunden. Der bekannte deutsche Virologe Christian Drosten erwartet, dass nach den Sommerferien in Deutschland eine regelrechte Infektionswelle eintreten wird.

«Ich hoffe, dass die Schulferien den Anstieg der Erkrankungsfälle etwas dämpfen werden. Aber ab September, fürchte ich, werden wir sehr hohe Fallzahlen haben», sagte der Leiter der Virologie-Abteilung an der Berliner Charité dem Nachrichtenmagazin «Spiegel» in einem am Donnerstagabend veröffentlichten Interview. Wenn nichts getan werde, werde es im Arbeitsleben «sehr viele krankheitsbedingte Ausfälle» geben.

«Wir sehen tatsächlich schon wieder einen exponentiellen Anstieg der Fallzahlen», warnte Drosten. «Die BA.5-Variante ist einfach sehr übertragbar, und die Menschen verlieren gleichzeitig ihren Übertragungsschutz aus der letzten Impfung.»

In anderen Ländern sehe man, dass bei sehr hohen Fallzahlen auch die Hospitalisierungs- und Todeszahlen wieder anstiegen. «Das wird auch bei uns leider so sein. Insgesamt werden aber viel weniger Menschen schwer erkranken und sterben als noch 2021.»

Kein Ende in Sicht

Er glaube nicht, dass man zum Jahresende den Eindruck haben werde, die Pandemie sei vorbei, sagte der Corona-Experte. Im Januar hatte Drosten noch die Hoffnung geäussert, dass Deutschland im Laufe des Jahres den pandemischen Zustand für beendet erklären kann. Der Virologe empfahl, eine Infektion möglichst zu vermeiden – auch wegen des Risikos von Long Covid.

«Leider ist eine Infektion langfristig aber unausweichlich. Und nach und nach bildet sich tatsächlich ein schleimhautspezifischer Schutz, von dem ich annehme, dass er die Bevölkerungsimmunität insgesamt belastbarer macht.»

Andererseits entwickle sich auch das Virus weiter. «Ich gehe davon aus, dass sich da irgendwann ein neues Gleichgewicht einpendelt: Die Bevölkerungsimmunität durch Impfungen und Infektionen wird irgendwann so stark sein, dass das Virus an Bedeutung verliert. Dann sind wir im endemischen Zustand.» Im schlimmsten Fall könne dies aber «noch einige Winter dauern». Als endemisch gilt eine Krankheit, wenn sie in einer Region mit relativ konstanter Erkrankungszahl dauerhaft auftritt.

Krisenmanagement des Bundes in zweiter Phase zu wenig vorausschauend

Krisenmanagement des Bundes in zweiter Phase zu wenig vorausschauend

Der Bundesverwaltung fehlte es teilweise an vorausschauendem Krisenmanagement in der zweiten Phase der Covid-19-Pandemie. Zu diesem Schluss kommt eine am Mittwoch veröffentlichte Auswertung der Bundeskanzlei im Auftrag des Bundesrates.

22.06.2022

DPA, gbi