Weitere Einschränkungen

So kämpft die Welt gegen das Coronavirus 

dpa / tmxh

9.11.2020

Weltweit haben sich seit Ausbruch der Pandemie nun mehr als 50 Millionen Menschen mit dem Coronavirus angesteckt (Symbolbild).
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Die Zahl der Corona-Infizierten steigt weltweit stark. Die Massnahmen zur Eindämmung sind unterschiedlich. Die Slowakei geht dabei einen beispiellosen Sonderweg.

Die Corona-Pandemie greift weiter mit grossem Tempo um sich. Inzwischen wurden weltweit nach Angaben der Universität Johns Hopkins mehr als 50 Millionen Ansteckungen mit dem Virus Sars-CoV-2 verzeichnet. In den vergangenen Tagen stieg die Zahl der gemeldeten Fälle im Schnitt jeweils um rund 600'000, für Freitag gab die Universität Johns Hopkins den Spitzenwert von 642'724 Neuinfektionen binnen eines Tages an.

Zur Eindämmung des Virus werden in verschiedenen Ländern die Massnahmen immer weiter verschärft. Im italienischen Südtirol dürfen die Menschen ab Montag ihren Wohnort nur aus einem triftigen Grund verlassen. Die Slowakei setzt weiter auf Massentests für Millionen Einwohner. Frankreichs Gesundheitsminister stimmte auf «etwas spezielle» Weihnachten ein.

USA überschreitet 10-Millionen-Marke

Weltweit am stärksten von der Pandemie betroffen sind die USA mit derzeit im Schnitt 100'000 Neuinfektionen pro Tag. Als erste Nation überschritten die Vereinigten Staaten die Marke von 10 Millionen Corona-Fällen. Der gewählte Präsident Joe Biden will am Montag einen Corona-Expertenrat vorstellen, der einen «Aktionsplan» für das Land mit rund 330 Millionen Einwohnern entwickeln soll.



In Italien werden die Rufe nach einem nationalen Lockdown lauter. Wenn man die aktuellen Zahlen berücksichtige und davon ausgehe, dass sie in der Zukunft nicht weiter steigen werden, werde die Situation in einem Monat dennoch tragisch sein, sagte Filippo Anelli, Chef der italienischen Ärztevereinigung, der Nachrichtenagentur Ansa. Die Regierung von Ministerpräsident Giuseppe Conte hatte sich zuletzt gegen einen nationalen Lockdown ausgesprochen, auch um den Schaden für die Wirtschaft gering zu halten.

Bisher sind vier italienische Regionen als sogenannte rote Zonen eingestuft. Medien berichteten von Krankenhäusern, die zunehmend an die Belastungsgrenze kommen. In Neapel bildeten sich Schlangen von Autos und Krankenwagen vor den Notfallstationen, die keine Covid-19-Patienten mehr aufnehmen konnten.

Weihnachten in Frankreich «etwas speziell»

In Südtirol trat am Montagmorgen eine Verschärfung der Corona-Massnahmen in Kraft, dort gelten nun sehr ähnliche Regeln wie in den vier roten Zonen. Unter anderem dürfen die Menschen dort ihren Wohnort nur noch aus triftigem Grund verlassen, von 20 Uhr am Abend bis um 5 Uhr in der Früh gilt eine Ausgangssperre.

Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran gab sich mit Blick auf das Weihnachtsfest in der Corona-Krise zurückhaltend. Er wolle keine Prognose stellen, wie die Lage bis dahin aussehe, sagte er dem Sender France Inter am Sonntag. Er hoffe inständig, dass die strengen Ausgangsbeschränkungen dann gelockert worden seien. Es sei aber noch zu früh, dies jetzt zu sagen. «Alles zu seiner Zeit», sagte Véran. So oder so werde Weihnachten dieses Jahr «etwas speziell» sein.

Seit gut einer Woche gelten in dem Land mit rund 67 Millionen Einwohnern strenge Beschränkungen – die Menschen dürfen nur aus triftigem Grund vor die Tür. In einigen Teilen des Landes kommen die Intensivstationen bereits an ihre Grenzen. Am Wochenende stieg die Zahl der Corona-Toten in Frankreich auf mehr als 40'000.

Sonderweg der Slowakei

In Dänemark gelten wegen der Sorge vor einer Ausbreitung einer bei Nerzen aufgetretenen Mutation des Coronavirus von Montag an weitere Beschränkungen in der Region Nordjütland. In sieben Kommunen wird dort vorsorglich der öffentliche Nahverkehr eingestellt, ältere Schüler sowie Studenten sollen Fernunterricht erhalten. Zudem schliessen Sporthallen, Schwimmbäder und Fitnessstudios.

In Lettland gilt von Montag an ein Ausnahmezustand bis zum 6. Dezember, durch den das öffentliche Leben und die wirtschaftlichen Aktivitäten eingeschränkt werden. Dieselbe Schutzmassnahme hatte die lettische Regierung im Frühjahr bereits einmal ergriffen.

Die Slowakei versucht derweil, der Pandemie mit Massentests für Millionen Menschen Herr zu werden. Am Wochenende wurden bereits mehr als 1,6 Millionen Menschen getestet. Mit dem Test aller über zehn Jahre alten Bewohner geht das knapp 5,5 Millionen Einwohner zählende EU-Land einen beispiellosen Sonderweg. Wer keinen negativen Coronatest vorweisen kann, darf ab Montag nicht mehr aus dem Haus.

Lage in der Schweiz

In der Schweiz sind Bars und Restaurants weiterhin geöffnet, aber nur bis 23 Uhr. Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen sowie sportliche und kulturelle Aktivitäten mit mehr als 15 Personen sind untersagt. Tanzlokale sind zu. Einzelne Kantone haben strengere Massnahmen getroffen. Es gilt auch eine erweiterte Maskenpflicht.



Währenddessen könnte das Gesundheitsystem der Schweiz laut Covid-19-Taskforce an seine Grenzen stossen. Empfohlen wird, die Massnahmen wie Kontaktbeschränkungen, Schliessung von Bars und Restaurants, Contact Tracing, Home-Office und Hygienemassnahmen weiter zu verschärfen. 

Im Kanton Tessin gelten bereits verschärfte Regeln zur Eindämmung des Coronavirus. Versammlungen von mehr als fünf Personen im öffentlichen Raum sind verboten ebenso wie öffentliche und private Veranstaltungen mit mehr als fünf Personen. Es gilt Alarmstufe Rot. Genf bekommt in der Corona-Krise derweil militärische Unterstützung. Die Armee hat auch Anfragen der Kantone Wallis, Freiburg und Waadt bewilligt. 

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