Kopfsache

Trump hebt die Geheimhaltung auf, indem er «nur daran denkt»

Von Philipp Dahm

23.9.2022

In «Hannity» auf Fox News offenbart Donald Trump (links) mal wieder eine ganze eigene Sicht auf die Dinge.
In «Hannity» auf Fox News offenbart Donald Trump (links) mal wieder eine ganze eigene Sicht auf die Dinge.
Screenshot: Fox News

Er führt ein Interview mit einem Moderator, der sein Freund ist. Und dennoch schafft es Donald Trump bei «Hannity», sich ohne Not um Kopf und Kragen zu reden.

Von Philipp Dahm

23.9.2022

Die Sicherheitsvorkehrungen in Mar-a-Lago seien doch so gut, sagt Donald Trump. «Wir haben den unglaublichen Secret Service, und sie sind überall im Mar-a-Lago, so wie das bei früheren Präsidenten eben ist.»

Dann schüttelt sich der 76-Jährige. «Ich hasse es, das Wort früherer zu benutzen, denn ich habe viele Probleme mit dem, was passiert ist.» Es ist einer der wenigen Momente im Interview mit dem «Fox News»-Moderator Sean Hannity, der objektiv und korrekt scheint. Ansonsten wirkt jener frühere Präsident so, als lebe er in einer Parallelwelt.

Es sind nicht die üblichen Übertreibungen, die man schon von ihm gewohnt ist. «Sie waren so furchtbar zu so vielen Leuten, als sie sie beim Haus einfach attackiert haben», sagt er zum Beispiel über die FBI-Razzia in Mar-a-Lago. Er spricht von AK-47-Sturmgewehren und «dass wir vom FBI angegriffen oder überfallen worden sind oder dass eingebrochen wurde».

«Es muss es kein Procedere geben»

Auch dass Trump denkt, den Krieg in der Ukraine hätte es mit ihm nicht gegeben oder dass Wladimir Putin nicht mit dem Einsatz von Atomwaffen drohen würde, kann nicht überraschen. Wieder wirft er Hillary Clinton vor, sie habe seinen Wahlkampf ausspioniert: Wenn er das bei seinem Vorgänger Barack Obama gemacht hätte, würde das ein «Todesurteil» nach sich ziehen.

Keine AK-47 – und nicht mal das FBI: Secret-Service-Agenten vor dem Mar-a-Lago in Florida einen Tag nach der Razzia in Trumps Luxus-Club.
Keine AK-47 – und nicht mal das FBI: Secret-Service-Agenten vor dem Mar-a-Lago in Florida einen Tag nach der Razzia in Trumps Luxus-Club.
EPA

Doch zwei Aussagen stechen heraus. Als Hannity Trump fragt, wie eigentlich das Procedere geht, mit dem er geheime Dokumente deklassifiert hat, antwortet der New Yorker: «So, wie ich es verstehe, muss es kein Procedere geben. Wenn du der Präsident der Vereinigten Staaten bist, kannst deklassifizieren, indem du sagst, dass es deklassifiziert ist. Sogar, indem man nur daran denkt.»

Alleine dadurch, dass er die Dokumente in seinen Luxus-Club nach Florida geschickt habe, habe er die Geheimhaltung aufgehoben. Und überhaupt: Das Nationalarchiv werde von der radikalen Linken geleitet: Wenn er die Dokumente abgegeben hätte, wären viele davon verschwunden, meint Trump.

«Haben sie nach den Emails von Hillary Clinton gesucht?»

Es kommt noch verrückter: Der Ex-Präsident suggeriert, dass die Razzia womöglich nicht ihm galt. «Haben sie nach den Emails von Hillary Clinton gesucht, die gelöscht wurden, aber irgendwo sein müssen?» Das verwirrt nun sogar Sean Hannity, der ein grosser Trump-Fan ist. «Moment, Moment, wollen Sie sagen, Sie hatten sie?» «Nein, nein, aber sie dachten vielleicht, [die E-Mails] wären dort.»

Da wechselt sogar Hannity lieber schnell das Thema. Es sieht ohnehin nicht gut aus für seinen Freund. Ein Berufungsgericht hat dem FBI erlaubt, die in Florida beschlagnahmten Dokumente weiter zu sichten. Zuvor hatte eine Bundesrichterin noch entschieden, dass zuvor ein unabhängiger Gutachter die Papiere prüfen muss.

Diesen Job sollte Chefrichter Raymond Dearie übernehmen, der von Republikaner Ronald Reagan berufen worden ist. Allerdings wollte auch dieser Trumps Argument nicht gelten lassen, er habe die Akten deklassifiziert. Der Grund: Der Ex-Präsident konnte keinerlei Beweise dafür vorlegen, dass er die Gehheimhaltung aufgehoben hat.

Das ist nicht verwunderlich, wissen wir jetzt. Es ist ja alles bloss in seinem Kopf passiert.