Das Warten auf die drey scheenschte Dääg dauert an

cp

22.2.2021

Der Eingangsbereich zum Restaurant Schnabel in Basel, anlaesslich des nicht stattfindenden Morgestraich am Montag Morgen um 04:00 Uhr, auf dem Marktplatz in der Altstadt von Basel, am 22. Maerz 2021. Die Behoerden hatten die Drey scheenschte Daeaeg wegen der vom Coronavirus ausgehenden Gefahr offiziell abgesagt. (KEYSTONE/Urs Flueeler).
Wegen dem Coronavirus müssen die Baslerinnen und Basler in diesem Jahr auf die «drey scheenschte Dääg» im Jahr verzichten. 
Bild: Keystone

Auch dieses Jahr ist nichts mit Morgestraich und Schnitzelbängg in den Beizen: Corona macht den Baslern erneut einen Strich durch die Rechnung. Ein Fasnächtler schreibt, wie es ihm dabei geht. 

Die Basler Fasnacht 2021 ...

... hätte heute mit dem Morgestraich gestartet. Aber zuerst ein Blick zurück: Was war das für ein Schock, an diesem 28. Februar 2020. Praktisch alle anderen hatten ihre Fasnachtsaktivitäten durchgeführt und dann wurde an besagtem Datum ausgerechnet die Basler Fasnacht abgesagt. Quasi der Höhepunkt – ich weiss, dass mir hier an dieser Stelle einige widersprechen.

Die Meldungen über das in China ausgebrochene Virus waren in den Medien zu vernehmen. Als eine weitere Vogel-Schweine-sonst-was-Grippe abgetan und gekonnt ignoriert, wusste noch niemand, was alles folgen würde.

Als eingefleischter Fasnächtler hat man die Vorbereitungen auf die drey scheenschde Dääg weiter vorangetrieben – nur um nach der Absage ein Gefühl der Leere zu verspüren und vermutlich die erste staatlich erfahrene Einschränkung zu erleben.

Ganz zu schweigen von den gravierenden Auswirkungen auf das ganzjährige Vereinsleben. Und schliesslich ist die Fasnacht auch Grundlage für die vielen Kleinstbetriebe wie Larvenateliers, Schneidereien und Laternenkünstler. Diese Detailversessenheit und der gigantische Aufwand sind wesentliche Qualitätsfaktoren der Basler Fasnacht – seit 2017 immerhin Unesco-Weltkulturerbe.

Letztlich blieb einem nichts anderes übrig und man freute sich nach der Absage auf eine entsprechend ausgelassenere Basler Fasnacht 2021.

An einer Hauswand klebt ein Zettel mit der Aufschrift
Im Herbst gab es noch Hoffnung ... 
Bild: Keystone

Ja, die Basler Fasnacht 2021 ...

... hätte heute mit dem «Morgestraich» gestartet. Die Gefühlslage ist in diesem Jahr eine andere. Als sich im Spätsommer die Fallzahlen wieder nordwärts bewegten und sich die Lage zuspitzte, war wohl manchem Fasnächtler – nicht nur in Basel – klar, dass die Ausgabe 2021 allerhöchstens in einer ganz anderen und verminderten Form daherkommen wird.

Ganz unterschiedlich wird damit umgegangen. Während einige einen Komplettverzicht und Verdrängungsvariante bevorzugen, gibt es andere Gruppierungen, die den «gesetzlichen Spielraum» auszuloten versuchen. Aber die Regeln sind restriktiv und sinnvoll.

Daher bleibt einem nur, die Fasnachtsstimmung zu bewahren und die Vorfreude auf die nächste normale Ausgabe zu erhalten. Sei dies mit ainewäg dekorierten Schau- und Privatfenstern, mit einem dezentralen Laternen-Apéro am Vorabend vor dem Morgestraich im eigenen Garten oder dem Fasnachtsspaziergang

Spannend sind auch all die Formate, die in der Fasnachtsszene jetzt entstanden sind und viral kursieren. Sei dies eine virtuelle Stuubete oder ein Preistrommeln im Stile einer Sportübertragung mit Kandidaten-Interview und laufend aktualisierter Rangliste. Nicht zu vergessen die schweizweit beliebten Schnitzelbängg, die bereits zahlreich im Umlauf und auf vielen Plattformen leicht auffindbar sind.

Natürlich kann diese Art der Fasnacht nur überbrücken – denn was die Basler Fasnacht wirklich ausmacht, sind die Mystik und die Kombination aus dem Musikalischen, dem Persiflieren von Ereignissen des vergangenen Jahres und nicht zuletzt dem gesellschaftlichen Teil. Gerade letzterer bringt die anderen beiden Teile zusammen und macht den Brauch lebendig.

Ach, wie sehnen wir den Tag herbei, wenn um punkt 4 Uhr die Strassenbeleuchtung ausgeht und es laut vom/von der Tambourmajor*in heisst: «Achtung! Morgestraich, vorwärts Marsch!».

Geschrieben von einem Tambour aus Basel mit über 25 Fasnachten auf dem Buckel und aus einer Fasnachtsfamilie – die Mutter «Pfyffere», der Vater und Bruder «Waggise» – stammend.

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