Contact Tracing vor dem Kollaps

Infizierte müssen Kontaktpersonen selbst informieren

SDA/tafi

11.10.2020

Eine Frau arbeitet im Contact Tracing Zentrum des Kantons Bern. (Symbolbild)
Die Kantone sind mit dem Contact Tracing angesichts steigender Infektionszahlen überlastet.. (Symbolbild)
KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Die kantonalen Behörden sind mit dem Contact Tracing derzeit heillos überlastet. Mancherorts werden Infektionsketten gar nicht mehr von Amts wegen verfolgt.

Die kantonalen Contact-Tracer können laut der «SonntagsZeitung» vielerorts die explodierenden Coronavirus-Fälle nicht mehr bewältigen. Daher bestehe die Gefahr, dass die Ansteckungsketten nicht mehr unterbrochen werden könnten.

Das Tracing-Team des Kantons Zürich etwa sei derart überlastet, dass der Kanton die Verfolgung der Infektionsfälle und die Alarmierung möglicherweise angesteckter Kontaktpersonen den Betroffenen selbst überlässt. Dies bestätigte eine Sprecherin der Zürcher Gesundheitsdirektion gegenüber der Zeitung: Das Blatt habe zudem von mehreren Fällen die Kenntnis, bei denen das Contact-Tracing versagt habe und potentiell Angesteckte nicht alarmiert worden seien.



In vielen Kantonen seien nur zehn bis 20 Prozent der neu angesteckten Personen zum Zeitpunkt des positiven Coronavirus-Tests bereits in Quarantäne gesetzt worden, hiess es weiter. Der Epidemiologe und Mitglied der Coronavirus-Taskforce des Bundes, Marcel Tanner, räumte gegenüber der «SonntagsZeitung» ein, dass das Contact-Tracing mancherorts an seine Grenzen stosse.

Die Schweiz dürfe es aber nun unter keinen Umständen aufgeben. «Im Gegenteil: Die Kantone müssen noch grössere Anstrengungen unternehmen, sonst erfasst uns eine zweite Welle», warnte Tanner. Das Contact-Tracing helfe dabei, Ansteckungsketten zu durchbrechen.



Beim Abwägen von Nutzen und Risiken schneide das Contact-Tracing selbst dann noch gut ab, wenn es lückenhaft funktioniere, so Tanner. Weder ein Lockdown noch eine Durchseuchung dürften jetzt als Lösung gesehen werden, das wäre wirtschaftlich und sozial fatal.

Zurück zur Startseite