Das Covid-Zertifikat vom Discounter

uri

10.3.2021

Fünf Stück für umgerechnet 28 Franken: der seit Samstag bei Aldi in Deutschland angebotene Corona-Selbsttest der Marke Aesku.Rapid.
Bild: Getty Images

Der Bund baut seine Teststrategie massiv aus. Teil davon sollen auch Selbsttests sein, die es womöglich auch im Supermarkt zu kaufen gibt. Wer sich davon ein offizielles Testzertifikat erhofft, dürfte aber enttäuscht werden.

uri

10.3.2021

Bis ein Grossteil der Schweizer Bevölkerung geimpft ist, dauert es noch eine Weile. Der Bund will daher mittels einer Ausweitung der Teststrategie mehr Normalität ermöglichen, wie Bundesrat Alain Berset darlegte. Um Infizierte schneller aufzuspüren, soll sich jeder und jede in der Schweiz gratis testen lassen können, so Berset am vergangenen Freitag in Bern. 

Zudem will der Bund jeder Person monatlich fünf Gratis-Selbsttests für zu Hause abgeben – sobald verlässliche Tests dieser Art zur Verfügung stehen. Laut Berset könnte das schon Anfang April der Fall sein. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat indes entsprechende Selbsttests für den Heimgebrauch noch nicht genehmigt, da noch nicht genügend Informationen zu ihrer Anwendung bei asymptomatischen Personen vorlägen, berichtet die Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Die Migros bereit sich aber bereits darauf vor, entsprechende Tests in die Regale zu bringen, berichtet die NZZ. Auch Aldi habe «grosses Interesse, die Schweiz mit zuverlässigen und günstigen Schnelltests für den Heimgebrauch zu versorgen».

In Deutschland gibt es Selbsttests bei Aldi

In Deutschland bietet Aldi als erster Discounter seit dem 6. März entsprechende Tests bereits an. Diese Woche folgen weitere Drogerie- und Handelsketten. Bei Aldi kostet eine Packung mit fünf Selbsttests der Marke Aesku.Rapid derzeit 24.99 Euro.

Damit möglichst viele Kunden an die begehrten Selbsttests kommen, werden sie nur an der Kasse verkauft, und nur eine Packung pro Kunde. Das änderte allerdings nichts daran, dass das Produkt bereits nach wenigen Minuten ausverkauft war und inzwischen auf eBay zu Mondpreisen angeboten wird.

Die «Deutsche Apothekerzeitung» (DAZ) mutmasst dazu: «Viele Menschen hatten sich wohl erhofft, mit den Selbsttests einen Besuch bei der Kosmetikerin oder Ähnliches möglich zu machen.»

Nur zur Selbstkontrolle

Tatsächlich sind Selbsttests in Deutschland aber keineswegs ein akzeptiertes Mittel, um nachzuweisen, dass man coronafrei ist. Sie sollen ausschliesslich für den privaten Bereich eingesetzt werden. Und auch in der Schweiz plant der Bund, Selbsttests lediglich zur Selbstkontrolle zuzulassen, wie Berset erklärte. Es kann allerdings davon ausgegangen werden, dass der Druck zunehmen dürfte, auch Selbsttests als offiziellen Nachweis zuzulassen. In Österreich  forderten das Anfang Februar etwa die Coiffeure.

Vorbehalte gibt es aber nicht nur, weil die Selbsttests – wie Schnelltests generell – als weniger genau gelten und hier Anwendungsfehler vorkommen können. Die Anwender könnten sich nach einem negativen Ergebnis womöglich auch in trügerischer Sicherheit wiegen. Und die Tests könnten Betrügereien Tür und Tor öffnen, so die Befürchtung. Denn wer soll schliesslich bei einem privaten Selbsttest überprüfen, wer und wann getestet wurde?

Gerade das bei Aldi angebotene Produkt suggeriert etwa durch einen auf der Verpackung aufgedruckten QR-Code mit dem Hinweis «Bitte scanne mich», man könne sich ein gültiges Testzertifikat ausstellen, berichtet die DAZ.

Beliebig viele Testzertifikate 

Dabei reichte es zunächst aus, den QR-Code auf der Verpackung oder auch nur ein Foto davon abzuscannen. Daraufhin gelangte man auf eine Website des Herstellers mit dem Namen ichtestemichselbst.de, auf der es laut der DAZ heisst: «Sichern Sie jetzt Ihr Testzertifikat zur Legitimierung in Geschäften für die nächsten sechs Stunden.» Aufgrund von lediglich zwei einfachen Fragen liessen sich hier offenbar beliebig viele negative «Testzertifikate» erstellen.

Die DAZ meint dazu: «Auch, wenn die Selbsttests bislang in der Praxis noch keinerlei Einsatzmöglichkeiten finden – allein dass es möglich ist, sich einen negativen Corona-Test zu bescheinigen, ohne sich getestet zu haben, erscheint dem eigentlichen Zweck – der Pandemiebekämpfung – absolut im Weg zu stehen.»

Das Beispiel dürfte die Bedenken des BAG hinsichtlich der Selbsttests bestätigen. So befürchtete dessen Direktorin Anne Lévy bereits, dass man den Überblick in der Pandemie verliere, wenn sich die Leute vermehrt selbst testen – und positive Resultate womöglich nicht mehr an die offiziellen Stellen gemeldet würden.