«Die Corona-Todesfälle lösen nicht die Probleme der AHV»

SDA/sob

26.2.2021 - 06:02

Der Chef des Bundesamts für Sozialversicherungen Stéphane Rossini meint, die Schweiz komme trotz der vielen älteren Toten in der Coronavirus-Krise nicht um eine Reform der AHV herum. (Archivbild)
Keystone

Der Direktor des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV), Stéphane Rossini, drängt auf die Reform der Sozialwerke. Die Coronavirus-Krise erhöhe bei der AHV und der beruflichen Vorsorge sogar noch den Druck.

Der oberste Chef von AHV, IV und beruflicher Vorsorge beim Bund, Stéphane Rossini, schlägt Alarm. Der Direktor des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) skizziert die negativen Folgen der Pandemie für die Finanzen, aber auch für die angestrebte Rückkehr ins Berufsleben. 

«Die drohenden Defizite der AHV fallen noch grösser aus als vor der Krise erwartet, und bei der IV wird es länger dauern, bis die Schulden zurückbezahlt sind», sagt Rossini in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung».

Die Probleme lägen vor allem bei den Einnahmen, sagt der 58-Jährige. So würden die Lohnbeiträge und die Mehrwertsteuer unweigerlich sinken, falls die Arbeitslosigkeit zunehme und der Konsum zurückgehe. Die Krise bestätige, dass die AHV ohne Wirtschaftswachstum auf Dauer kaum zu finanzieren sei.

Schwierige Integration ins Berufsleben

Das andere Thema, das fast noch mehr Sorgen mache, seien die Folgen für die Integration. «In den letzten Jahren haben wir die IV konsequent auf die Integration ausgerichtet: Nur wenn eine Rückkehr ins Berufsleben wirklich unmöglich ist, soll eine Rente fliessen», sagt Rossini. Nun sei zu befürchten, dass wegen der Coronavirus-Krise gerade in Branchen mit weniger hohen Anforderungen viele Arbeitsplätze wegfielen, die für diese Integration besonders wichtig seien. «Das ist menschlich für die Betroffenen schwierig, und für die Sozialversicherungen kann es sehr teuer werden», so Rossini gegenüber der NZZ.

Hinzu kämen noch die Unsicherheiten bei Langzeit-Covid-19-Erkrankten. Diese hätten grundsätzlich Zugang zur IV, falls sie als Folge einer Covid-19-Erkrankung nicht mehr erwerbsfähig seien.

Übersterblichkeit hilft auch nicht

Die Schweiz komme auch mit den zahlreichen älteren Toten während der Coronavirus-Krise nicht um Reformen bei den Sozialwerken herum, sagt der BSV-Direktor weiter. «Wir wissen, dass es letztes Jahr eine Übersterblichkeit gegeben hat. Aber wie lange diese Personen noch gelebt hätten, ist unklar.» Deshalb lasse sich auch nicht berechnen, wie gross die Einsparungen der AHV seien.

«Die Zahlen, die zurzeit herumgeistern, sind reine Spekulation», sagt Rossini. Insgesamt habe der Bund bisher in der Pandemie 9100 Todesfälle gezählt – dies falle bei 2,4 Millionen Rentenbezügern in der AHV nicht stark ins Gewicht. «Die Corona-Todesfälle werden die Probleme der AHV nicht annähernd lösen.»

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