Impfaktionen

Europa verschläft den Start – im Schneckentempo zur Spritze

dpa/tafi

3.1.2021 - 22:00

31.12.2020, Hessen, Frankfurt/Main: Menschenleer präsentiert sich das Impfzentrum mit dutzenden Impfkabinen und Wartebereich in der Festhalle in Frankfurt zum Jahresende. Sobald der Impfstoff in der benötigten Menge verfügbar ist, sollen hier im Januar bis zu 4000 Menschen täglich gegen das Coronavirus geimpft werden. Die Festhalle wird in ihrer mehr als 100-jährigen Geschichte zum ersten Mal für einen medizinischen Großeinsatz genutzt. Foto: Boris Roessler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Boris Roessler)
Menschenleer präsentiert sich das Impfzentrum mit dutzenden Impfkabinen und Wartebereich in der Festhalle in Frankfurt zum Jahresende. 
Bild: Keystone

Während in der Schweiz die landesweite Impfkampagne gegen das Coronavirus gerade erst. Doch trotz eines früheren Starts haben viele Länder der EU kaum einen Vorsprung. Nun mehrt sich die Kritik.

Am Montag, 4. Januar, geht es los: Landesweit beginnen die Impfungen gegen das Coronavirus. In mittlerweile 13 Kantonen hat die grösste Impfaktion der Schweizer Geschichte freilich schon begonnen. In den Kantonen Waadt, Basel-Stadt, Basel-Land, Genf, Freiburg, Neuenburg, Wallis, Solothurn, Luzern, Zug, Schwyz, Nidwalden und Appenzell Innerrhoden sind bereits erste Personen gegen das Coronavirus geimpft worden, meist Seniorinnen und Senioren sowie Bewohnerinnen und Bewohner von Alters- und Pflegeheimen.



Auch in vielen Nachbarländern wird bereits geimpft, allerdings wächst in der EU die Kritik an einem zu langsamen Anlauf der Corona-Impfungen. So hat Italien eine Woche nach dem symbolischen Auftakt der Corona-Impfungen bis Sonntagmorgen offiziell erst etwa 80'000 Dosen an Menschen gespritzt.

Nach Behördenangaben verfügt das Mittelmeerland seit Jahresende aber über knapp 470'000 Dosen des Impfstoffs der Unternehmen Pfizer und Biontech. Nach dem Auftakt der Immunisierungskampagne am Sonntag vor einer Woche laufen seit dem 31. Dezember Massenimpfungen. Mehrere Zeitungen berichteten jedoch am Wochenende über Schwierigkeiten zum Start.

Wie «La Repubblica» am Samstag schrieb, fehlte es um den Jahreswechsel an Impfärzten und Mitarbeitern in Krankenhäusern. Auffällig ist, dass es grosse Unterschiede bei den Impf-Quoten zwischen den Regionen gibt: Die reiche Lombardei im Norden des Landes, in der die Corona-Pandemie besonders stark zugeschlagen hat, liegt dabei deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt. Dort waren rund 80'000 Dosen eingetroffen. Bis Sonntag gegen 9 Uhr waren nach der Statistik aber nur rund 2400 (drei Prozent) davon gespritzt worden.

Der Vatikan will voraussichtlich in der zweiten Januarhälfte mit den Schutzimpfungen seiner knapp 1000 Bewohner gegen Corona beginnen. Das teilte die Gesundheitsbehörde des Kirchenstaates am Samstag mit.

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Schneckentempo in Frankreich

In Frankreich gibt es bisher keine genauen Angaben dazu, wie viele Menschen geimpft wurden. Medien sprechen teils von wenigen Hunderten und berufen sich unter anderem auf eine Website, die von einem Datenwissenschaftler auf Basis der Angaben von Gesundheitsbehörden betrieben wird.

CovidTracker zufolge wurden mit Stand Samstagabend etwa 430 Menschen geimpft. Nach Kritik am langsamen Anlaufen der Impfkampagne versprach ein Regierungssprecher in Paris mehr Tempo.

Die Niederlande warten und warten

Die Niederlande haben mit den Impfungen noch gar nicht begonnen. In einer Lagerhalle in Oss im Osten des Landes liegen seit Tagen ungenutzt rund 175'000 Dosen des Impfstoffs von Biontech und Pfizer. Ursprünglich wollte das Land erst am 8. Januar mit den Impfungen beginnen.

Nach starkem Druck von Medizinern und Öffentlichkeit wollen die Niederlande den Impfstart nun doch vorziehen. Zunächst sollen 30'000 Mitarbeiter in Krankenhäusern gegen das Virus geimpft werden, teilte das Gesundheitsministerium am Samstag in Den Haag mit. Die Niederlande sind das einzige Land der EU, das noch nicht impft.

Israel einsame Sp(r)itze

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides hat derweil die Beschaffung von Corona-Impfstoff in der Europäischen Union verteidigt. «Das Nadelöhr ist derzeit nicht die Zahl der Bestellungen, sondern der weltweite Engpass an Produktionskapazitäten», sagte Kyriakides am Samstag der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. Zugleich versprach sie schrittweise Verbesserungen bei der Impfstoff-Versorgung.

In Deutschland waren mit Stand Sonntagmorgen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erst rund 240'000 Menschen geimpft. In Israel haben bereits mehr als eine Million Menschen eine Impfung erhalten. Der Oxford-Website «Our World in Data» zufolge sind das 12,59 Geimpfte pro 100 Einwohner (Stand 2. Januar) – das Land ist damit der Homepage zufolge einsame Spitze.

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dpa/tafi