Bohren ohne Angst: Was taugen Leitungssuchgeräte?

dpa/tsha

22.12.2019 - 10:00

Ein letzter Zweifel bleibt beim Bohren immer – ist da wirklich nichts in der Wand? Leitungssuchgeräte sollen die Antwort geben. Das Problem: Viele sind eher Schätzeisen und alles andere als genau.

Eigentlich ist die Mission einfach: Zwei Löcher bohren, 30 Zentimeter voneinander entfernt, 30 Zentimeter über der Küchenbank. Für ein Gewürz-Regalbrett. Also anzeichnen, den 6er-Bohrer einspannen und los. Dann knallt es, das Licht geht aus. Entsetzen. Mit Taschenlampe und klopfendem Herzen die Erkenntnis: Da hat ja einer quer durch die Wand ein Stromkabel zum Herd verlegt. Wer macht denn sowas?

Wer in einer Altbau-Wohnung lebt, kennt das. Diese Angst, die beim Bohren mitklingt. Was mag da wohl so alles in der Wand stecken? Und wo? Gut, dass es technische Hilfe gibt: Leitungssuchgeräte. Sie sollen Stromkabel und Wasserleitungen zuverlässig aufspüren. Doch genau hier scheitert ein Grossteil der Helfer, hat Peter Baruschke herausgefunden.



Baruschke ist Redaktor bei der deutschen Zeitschrift «Selbst ist der Mann». Für die Januar-Ausgabe 2020 hat er sich mit dem Tüv Rheinland zusammen 13 Geräte für Heimwerker angesehen. Ergebnis: «Mit dem Auffinden von Stromleitungen haben sich alle getesteten Geräte sehr schwergetan», sagt Baruschke. Bis auf zwei Ausnahmen von Bosch (rund 110 Franken) und AGT (circa 30 Franken) erkennen die Geräte Leitungen entweder nicht zuverlässig – oder sind so ungenau, dass es auch nicht mehr hilft.

Verschiedene Materialien fordern die Geräte heraus

Man muss dabei fair bleiben. Denn die Geräte haben es nicht leicht. Wände können aus Beton, Ziegelsteinen, Gasbeton, Ständerwerk mit Gipskarton oder Holz sein. Leitungen können in Schlitzen liegen, in Leerrohren oder einfach irgendwie durch Hohlräume gezogen sein. Kann ein Gerät alles finden? Nach Baruschkes Erfahrung nicht. In festen Baustoffen liessen sich Stromleitungen nur schwer finden. Je näher sie der Oberfläche sind, desto besser. «Bei Leitungen unter Gipskarton hat man eine Chance.»

Bei solchen Trockenbauwänden lassen sich auch die Holzbalken oder Metallprofile mit den richtigen Sensoren aufspüren. Praktisch, wenn schwerere Dinge an die Wand sollen. Doch die meisten Geräte haben Schwierigkeiten, Leitungen etwa von Metallträgern zu unterscheiden.



Etwas besser sieht es bei Wasserleitungen aus. «Je mehr Metall da drin ist, desto besser wird es gefunden», sagt Baruschke. Manche Geräte können auch einzelne Schrauben wiederfinden. «Man muss aber leider sagen, es bleibt ein Restrisiko bei all diesen Anwendungen.»

Letztlich signalisiert das Gerät etwas. Doch ob es ein Wasserrohr oder ein Metallträger ist: So ganz sicher weiss man es nicht. Der Tipp: Zur Sicherheit grenzt man Funde besser von beiden Seiten ein und hält Sicherheitsabstand.

Auch Radarsensoren haben ihre Einschränkungen

Die meisten Leitungssucher im Handel arbeiten nach dem Prinzip eines Metalldetektors. Eine Spule wird unter Strom gesetzt und sendet ein Magnetfeld aus. Durch Veränderungen im Magnetfeld wird erkannt, ob Metall in der Wand ist. Eine weitere Möglichkeit ist Radar. Hier gibt es diverse Profigeräte und etwa mit dem Walabot DIY der israelischen Firma Vayyar auch ein Heimwerkergerät.

Der Sensor zum Anstöpseln an Android-Smartphones schickt Millimeterwellen in die Wand und soll Rohre, Leitungen, Träger und andere Objekte in der Wand erkennen, erklärt Kommunikationschef Malcolm Berman. Dazu werte eine Software die Radarreflektionen aus der Wand aus. Auf dem Display sehen Nutzer in einer schematischen Anzeige, was entdeckt wurde.

Im Praxistest klappt das zumindest bei Stahlbeton- und Gipskartonwänden gut. Nach einiger Kalibrierung – sprich Wischen von grossen Kreisen auf der Wand — tauchen auf dem Bildschirm Moniereisen, Striche für Kabel, breitere Steifen für Leitungen und graue oder holzfarbene Flächen für Tragwerk auf.

Auf Ziegelwände ist das Gerät bislang aber nicht ausgelegt und liefert im Test an der Altbauwand keine verlässlichen Ergebnisse. Das wild verlegte Kabel wäre so nicht gefunden worden – vielleicht wäre man aber auf seine Existenz aufmerksam geworden.

Installationszonen vermeiden

Was also tun, wenn die Technik keine wirklich zuverlässigen Ergebnisse liefert? Eine Möglichkeit sind Installationspläne oder Fotos aus der Roh- oder Umbaubauzeit einer Immobilie – sofern es sie gibt. Hier lassen sich die Verläufe von Stromkabeln und anderen Leitungsrohren ermitteln. Wer bei aktuellen Bauprojekten selbst solche Fotos macht, sorgt für die Zukunft vor.

Und dann gibt es da noch die Installationszonen. Wasserleitungen findet man mit Leitungssuchern in der Regel gut. Einfach schauen, wo Leitungen von Heizungen oder Armaturen wegführen könnten und unklare Bereiche mit dem Prüfgerät untersuchen. Im Zweifel Sicherheitsabstand einhalten.

Stromleitungen verlaufen von Schaltern und Steckdosen aus in der Regel senkrecht oder waagerecht direkt zur Decke oder zum Boden. Dort werden die Kabel in der Regel in einem Abstand von 30 cm zum Boden oder zur Decke verlegt. Jedoch gibt es hierfür leider keine 100-prozentige Sicherheit, gerade in älteren Wohnungen. Wer sich von diesen Installationszonen fernhält, minimiert immerhin das Risiko, auf eine Leitung zu stossen. 

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