«Die Tiere weinen buchstäblich, wenn sie urinieren»

phi

15.10.2021

Gute Besserung: Koala-Bärin Asha wird in Adelaide Hills in Australien gegen Chlamydien behandelt.
Screenshot: YouTube

Chlamydien befallen nicht nur Menschen, sondern auch Vieh – und Koala-Bären. Mindestens die Hälfte aller australischen Tiere ist betroffen. Nun soll ein Impfstoff Abhilfe schaffen.

phi

15.10.2021

Chlamydien sind unangenehm: Sie befallen die Schleimhäute in den Augen, in den Atemwegen und im Genitalbereich. Die Krankheit ist nicht nur für Menschen gefährlich. Auch die australischen Koalabären leiden unter den Bakterien schwer.

Je nach Gebiet haben 51 bis 61 Prozent der Koala-Population Chlamydien – und die setzen den Tieren arg zu. Sie können erblinden, die Krankheit kann Nierenversagen auslösen und sie natürlich unfruchtbar machen. Im Extremfall erliegen die Opfer ihrem Leiden.

«Es schmerzt sie so sehr»

Es handelt sich allerdings nicht um dieselbe Art, die auch Menschen befällt. Letztere fangen sich mitunter Chlamydia Trachmomatis ein, während es bei den Tieren Chlamydia Pictur ist. Die Variante findet sich auch in Vieh, was für die Ansteckung der Koalas verantwortlich sein dürfte. Weil die Parasiten für die Spezies relativ neu sind, leidet sie mehr, als es etwa Schafe tun.

epa08838391 A baby koala and its parent are seen at the Tidbinbilla Nature Reserve near Canberra, Australia, 24 November 2020. The federal government yesterday announced a national audit of koala populations as a key component of an 18 million Australian dollar (around 13.1 million US dollar) package to help protect Australia's iconic species. EPA/LUKAS COCH AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT
Koala mit Nachwuchs im Tidbinbilla Nature Reserve nahe Canberra: Die Mütter geben die Krankheit oft an ihre Kinder weiter.
Archivbild: KEYSTONE

Bei Weibchen könne Chlamydien im Genitalbereich zu Zysten führen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind und äusserst wehtun. «Die Tiere weinen buchstäblich, wenn sie urinieren. Es schmerzt sie so sehr», verdeutlicht Peter Timms von der University of the Sunshine Coast im «Guardian».

Während beim Menschen Antibiotika den Bakterien den Garaus machen können, ist diese Medikation bei den Tieren heikel. «Man kann Koalas nicht einfach Antibiotika geben», sagt Timms. «Man macht es, aber das bringt ihre Bauch-Bakterien durcheinander, und sie brauchen diese Bakterien, um Eukalyptus-Blätter zu verdauen.»

400 Koalas sollen geimpft werden

Ausserdem halte die Medikation mitunter nicht lange vor. 10 bis 20 Prozent der von Ärzten behandelten Tiere landen erneut mit einer Infektion im Tier-Spital. Deshalb haben Forscher erste Versuche mit einem Impfstoff gegen Chlamydien gemacht: In acht Versuchsreihen haben rund 250 Bären eine Dosis bekommen.

«Wir wissen, dass der Impfstoff sicher ist. Er verursacht überhaupt keine Probleme», so der Mikrobiologe Timms. Nun sollen im RSPCA Wildlife Hospital in Queensland rund 400 Koalas geimpft werden. «Wir wissen, dass es das Infektionslevel reduzieren kann», sagt Timms.

Er hofft auch, dass so die Übertragungen reduziert werden können. «Wir sind ziemlich sicher, dass [die Chlamydien] vor allem beim Sex übertragen werden, aber die Mütter übertragen sie auch effektiv auf ihre Babys.» Die Tiere, die nun geimpft werden, bekommen einen Mikrochip, um nach einem Jahr zu evaluieren, wie wirksam der Schutz tatsächlich ist.