Atomabfälle

Gas, Gletscher, Grade: Hier feilt die Nagra noch an Konzepten

falu, sda

20.1.2022 - 17:42

Mit diesen Bohrgestängen hat die Nagra auf ihrer Suche nach dem optimalen Endlager-Standort die Nordschweiz durchlöchert. Am Donnerstag informierte sie darüber, mit welchen Unsicherheiten sie sich noch herumschlägt. (Archivbild)
Keystone

Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) hat am Donnerstag einen Einblick gewährt, wo sie bezüglich des Endlagers für Atomabfälle noch an Ungewissheiten forscht. Am meisten beschäftigten die Gas- und Wärmeentwicklung sowie die Erosion durch Gletscherbildung, sagte Nagra-Forschungschefin Irina Gaus.

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20.1.2022 - 17:42

Das Metall der Atommüllbehälter und Teile der Tunnelstruktur für das geplante Endlager werden über die Zeit korrodieren und Gas bilden, das Druck aufbaut. Dazu geben die ausgebrannten Brennstäbe noch immer Hitze ab – und weil das Atomendlager auf bis zu eine Million Jahre ausgelegt ist, spielt auch die Vergletscherung eine Rolle.

Diese kann dazu führen, dass an die Oberfläche befördert wird, was zuvor im Untergrund war, wie Gaus sagte. Genau darum eigneten sich allerdings die drei potenziellen Standorte (Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost): Das «tektonische Regime» werde sich dort über die nächste Million Jahre «nicht gross» ändern.

«Sicheres Lager» heute schon möglich

«Wir können heute schon ein sicheres Lager bauen», sagte Patrick Studer, Leiter Kommunikation. Trotzdem geht der Nagra die Forschungsarbeit so schnell nicht aus. Es gehe in Zukunft darum, das Konzept zu verfeinern.

Dafür hätten sie noch Jahrzehnte Zeit, ergänzte Gaus. Die Hauptforschung sei erst 2060 komplett abgeschlossen. Dann ist allerdings noch nicht Schluss: «Wir sind seit 50 Jahren dran, und werden noch mindestens weitere 100 Jahre dran sein.»

So existiere zurzeit zwar ein Konzept für die Atommüllbehälter. Liesse man sie heute in die Erde, bestünden sie aus Karbonstahl, der mindestens 1000 Jahre halten soll. Trotzdem werde weitergeforscht, beispielsweise an Behältern mit einer Kupferbeschichtung.

Im Herbst will die Nagra voraussichtlich den Standort für das Endlager bekanntgeben. Mit einer Bewilligung wird allerdings erst Anfang der 2030er-Jahre gerechnet.

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