Die Entdecker von Havertz, Fati oder Sterling über die Geheimnisse ihrer Schützlinge

SB10

16.9.2020 - 11:46

Raheem Sterling, Ansu Fati und Kai Havertz (v.l.n.r.) spielen heute in den grössten Klubs der Welt.
Bild: Getty

Auch die grossen Stars von heute haben mal klein angefangen. Die Entdecker von Kai Havertz, Ansu Fati oder Raheem Sterling sprachen mit «France Football» darüber, was ihnen damals bei ihren jungen Schützlingen speziell aufgefallen war.

Kai Havertz (21)

Entdecker: Slawomir Czarniecki (Sportkoordinator von Bayer Leverkusen)

Klubs: Mariadorf, Alemannia Achen, Bayer Leverkusen, Chelsea

Erfolge: Jüngster Spieler aller Zeiten mit 100 Bundesliga-Spielen (20 Jahre und 186 Tage). Jüngster Spieler aller Zeiten mit 50 Bundesliga-Spielen (18 Jahre und 307 Tage). 7 A-Nationalspiele für Deutschland. Wechsel zu FC Chelsea: Die Ablöse kann sich durch Bonuszahlungen auf bis zu 100 Mio. erhöhen.

Slawomir Czarniecki erzählt über Havertz: «Als uns einer unserer regionalen Scouts von ihm erzählte, spielte Kai bereits für eine gute Akademie, Alemannia Aachen in seiner Heimatstadt. Das erste Mal, als ich ihn bei ihnen spielen sah, war er zehn Jahre alt und spielte gegen uns. Unsere jungen Spieler gewannen klar, aber Kai hatte alle drei Tore seiner Mannschaft erzielt.»

«Seine grössten Qualitäten waren seine Schnelligkeit, aber auch und vor allem seine Fähigkeit, alles einfach zu machen, auch unter Druck. Das Pressing vom Gegner hat ihn nie beeindruckt. Das Komische ist, dass er zu dieser Zeit überhaupt nicht gross war. Bis zur U15 war er sogar einer der kleinsten unserer Gruppen. Das ist interessant, weil es bedeutet, dass er all die Jahre in voller Stärke dabei sein musste. Ich weiss nicht, ob wir sagen können, dass er damals schon komplett war, aber auf jeden Fall hatte er etwas Besonderes. Er hatte alles, was man nicht erwerben kann, eine Art Geschenk des Himmels. Er hat dann natürlich hart gearbeitet, aber manche Dinge kann man nicht lernen ...»

«Normalerweise spielte er auf der Achse, auf der 8, 10 oder 9, weil es dort am anspruchsvollsten ist. Das ist es, was wir an ihm entwickeln mussten: diese Anforderung. Noch einmal: Es ist nicht sehr schwierig, einen Spieler wie ihn zu entdecken. Was man tun muss, nachdem man ein grosses Potenzial erkannt hat, ist, dem Jungen klarzumachen, dass er ein Spitzenspieler werden kann. Wiederhole es auch ihm gegenüber, selbst wenn er nicht so gut spielt.»

Kai Havertz wechselte auf diese Saison von Leverkusen zu Chelsea. 
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Ansu Fati (17), Riqui Puig (21) und Takefusa Kubo (19)

Entdecker: Albert Puig (Talentspäher von Barça und späterer Direktor La Masia)

Ansu Fati

Klubs: CDF Herrera, Sevilla, Barcelona

Erfolge: Jüngster Torschütze des FC Barcelona (16 Jahre, 10 Monate). Jüngster Torschütze in der Champions League (17 Jahre, 1 Monat, 9 Tage). Jüngster Torschütze der spanischen Nationalmannschaft (17 Jahre und 311 Tage). 2 A-Nationalspiele für Spanien.

Riqui Puig

Klubs: Jabac, Barcelona

Erfolge: 1 U-21-Nationalspiel, 13 Einsätze für Barça

Takefusa Kubo

Klubs: div. japanische, Barça (Jugend), Real Madrid, Mallorca, Villareal, Real Madrid (ab 2021)

Erfolge: Jüngster Spieler und Torschütze in der J.-League-Geschichte (15 Jahre, 5 Monate, 1 Tag/15 Jahre, 10 Monate, 11 Tage)

Albert Puig über seine drei grössten Talente: «Ansu (Fati) war ein reines Talent. (...) Er war 9 Jahre alt und hatte gerade Afrika verlassen, aber er war ein Rohdiamant, der dem Spiel viel Freude bereitete. Riqui (Puig) war 11 Jahre alt, als ich ihn das erste Mal spielen sah. Er war offensichtlich sehr talentiert, aber bei seiner Rekrutierung war klar, dass sein Körperbau kurzfristig keine grosse Hilfe sein würde und dass das ein Hindernis sein könnte. Aber ich glaube, dass er dadurch mental irgendwie stärker wurde und alles daran setzen wollte, sich taktisch zu verbessern.»

Zwei Eigengewächse haben es ins Fanionteam geschafft.
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«Der Fall von Takefusa (Kubo) ist sogar noch anders. Mein Assistent  erzählte mir, dass es dieses junge japanische Talent gibt, dessen Familie kurz davor steht, nach Barcelona umzuziehen. Ich vertraute ihm und willigte ein, ihn eine Woche lang bei uns ausprobieren zu lassen. Von seinen ersten Bällen an verstand ich, wie gross das Talent dieses Kindes war. Er war ein mental sehr starker Junge, der nicht zögerte, im Spiel Risiken einzugehen. Er hatte eine grossartige Persönlichkeit und natürlich auch eine tolle Technik.»

«Ohne ins Detail zu gehen, halte ich es für wichtig, eine Sache in unserer Arbeit zu unterstreichen: Bleibe bei deinem ersten Eindruck! Er ist die Essenz all deiner Erfahrungen. Suche nicht nach Fehlern. Versuche stattdessen herauszufinden, ob das, was du als anders empfinden, aus den Füssen des Spielers kommt. Wenn ja, unterschreibe es!»


Raheem Sterling (25)

Entdecker: Clive Ellington (Ausbilder und Lehrer bei FC Alpha & Omega)

Klubs: Alpha & Omega, Queens Park Rangers, Liverpool FC, Manchester City

Erfolge: 58 A-Nationalspiele, u. a. zweimal englischer Meister

Clive Ellington sagt über die Anfänge von Raheem Sterling: «Ich habe ihn als Achtjährigen mitten auf einem Spielplatz spielen sehen und dachte, entweder ist dieser Junge unglaublich gut, oder die Leute, mit denen er spielt, sind unglaublich schlecht (lacht). Er hatte eine Technik und Bewegungen, die man nur bei Profis sieht.» (...)  «Es ist ein natürliches, reines Talent. (...) Er erkannte sehr schnell, dass er grosses Potenzial hatte, um eine Karriere zu machen, aber er hat es nie gezeigt.»

«Als er 12 oder 13 Jahre alt war, wurde es besonders deutlich: Es war nicht der Wunsch, über den anderen zu stehen, der ihn motivierte. Im Gegenteil, er wollte, dass das ganze Team auf seinem Niveau, wenn nicht gar auf einem noch höheren Niveau ist. Er war alles andere als egoistisch. Das bedeutet nicht, dass er nicht entschlossener war als der Durchschnitt.» 

Der Ball war schon früh ein Freund von Sterling.
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«Geschwindigkeit und Gleichgewicht waren seine grössten Stärken. Dafür musste er lernen, eine Niederlage zu akzeptieren. (...) Wir bereiteten ihn auch ein wenig auf das vor, was mit ihm geschehen würde, indem wir Interviews simulierten. Das haben wir im Auto auf dem Weg zum Spiel oder zum Training gemacht (lacht). 

«Aber wir wussten, dass wir ein Phänomen in der Hand hatten, einen zukünftigen Superstar. (...) Was ich sagen kann, ist, dass wir noch nicht alles gesehen haben. Ich bin überzeugt, dass das Beste noch kommen wird ... Ich bin sehr stolz darauf, den Mann zu sehen, der er jetzt geworden ist.»

Was die Entdecker von Hakim Zyiech und Federico Valverde sagen, können Sie hier auf «France Football» nachlesen.


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