Neuer vs. ter Stegen – Zoff wird zur öffentlichen Schlammschlacht

17.9.2019 - 12:11, jar

Ter Stegen legt nach: «Neuer muss dazu nichts sagen»
1:00

Ter Stegen legt nach: «Neuer muss dazu nichts sagen»

Torhüter Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona hat im Streit mit seinem Nationalmannschaftskollegen Manuel Neuer um die Nummer eins im deutschen Tor nachgelegt.

17.09.2019

Vor der WM 2006 lieferten sich Oliver Kahn und Jens Lehmann einen erbitterten Kampf um den Stammplatz im Deutschland-Tor. 14 Jahre später gibt es wieder Zoff zwischen zwei Goalies: Marc-André ter Stegen und Manuel Neuer tragen diesen sogar in der Öffentlichkeit aus.

Es begann alles mit einem Versprechen von Bundestrainer Joachim Löw. Nach dem 2:0-Sieg der Deutschen in der EM-Qualifikation gegen Nordirland vor einer Woche hatte Löw seinem Ersatzgoalie Marc-André ter Stegen mitgeteilt, dass er bald seine Chance im Tor kriegen werde. Der 27-Jährige ist seit Jahren die unumstrittene Nummer 1 im Kasten des FC Barcelona, glänzt bei den Katalanen Woche für Woche mit Top-Leistungen, in der Nationalmannschaft aber steht ihm nach wie vor Bayern-Goalie Manuel Neuer im Weg.

Bereits in der Partie zuvor gegen die Niederlande (2:4) musste ter Stegen auf der Bank Platz nehmen, was er sich selbst nicht erklären konnte. Seinem Unmut verschaffte der Keeper auch öffentlich Luft. «Es ist nicht einfach, eine Erklärung für das zu finden, was ich erlebe. Diese Reise mit der Nationalelf war für mich ein schwerer Schlag», sagte ter Stegen nach seiner Rückkehr nach Barcelona.



Manuel Neuer reagierte auf das Vorgehen seines Konkurrenten mit Unmut. «Ich weiss nicht, ob das förderlich ist und uns das hilft», kommentierte Deutschlands Captain die Aussagen ter Stegens verärgert und forderte: «Wir Torhüter müssen zusammenhalten.» Und: Schliesslich zeige er, Neuer, «sehr gute Leistungen.»

Ter Stegen: Neuer-Aussagen «sind unpassend»

Bereits vor der WM 2018 war das Goalie-Thema in Deutschland intensiv diskutiert worden. Auch in Russland bekam Neuer den Vorzug vor ter Stegen, obschon der Bayern-Keeper fast die gesamte Saison nach einem Fussbruch verpasst hatte. Der Zoff zwischen den beiden Torhütern erinnert stark an den Knatsch zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann. Die beiden Alphatiere lieferten sich vor der WM 2006 einen erbitterten Konkurrenzkampf um den Stammplatz im Tor, den letztlich Lehmann für sich entschied.

Während Kahn und Lehmann noch versuchten, die eigenen Stärken hervorzugeben, spielen nun Neuer und ter Stegen auch auf den Mann. Dies sieht zumindest der Barcelona-Keeper so. «Wenn man die letzten Jahre sieht, wie ich mich verhalten habe, dann sind solche Aussagen unpassend», sagte Ter Stegen am Montag auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Dortmund (ab 20 Uhr mit Studio live auf Teleclub). 

Und weiter: «Manu (Neuer, Anm. d. Red.) muss nichts zu meinen Gefühlen sagen. Das ist meine persönliche Meinung. Du kannst keinen Konkurrenzkampf ausrufen und erwarten, dass Spieler, die nicht spielen, glücklich darüber sind.» Der Zwist wird damit immer mehr zur öffentlichen Schlammschlacht. 

Lehmann: «Neuer ist besser»

Reaktionen von Drittpersonen zum Knatsch gibt es bereits reihenweise. Sogar Deutschlands Goalie-Trainer Andreas Köpke meldete sich zu Wort. Mit ter Stegens harscher Wortwahl habe er «kein Problem, denn da ist nichts unter die Gürtellinie gegangen», sagte Köpke der «Welt». Er könne den Ärger verstehen, «aber es ist nun mal eine Position, auf der wir stark besetzt sind.» Schliesslich müssten sich mit Kevin Trapp und Bernd Leno zwei weitere Top-Goalies hintenanstellen.

Köpke: «Wichtig ist, dass Respekt da ist und wir im Hinblick auf die EM 2020 eine Mannschaft formen, die eng zusammensteht.»

Marc-André ter Stegen (r.) will endlich seine Chance im Deutschland-Trikot kriegen. Manuel Neuer hat etwas dagegen.
Bild: Keystone

Jens Lehmann vertritt eine ähnliche Meinung. Auch er kann verstehen, dass ter Stegen mit seiner Situation unzufrieden ist. «Ich finde eigentlich ganz gut, dass er das gesagt hat», so der 49-Jährige in der TV-Sendung «Sky90». Dennoch sieht Lehmann Neuer klar im Vorteil. «Wenn beide einhundert Prozent spielen, dann ist Neuer besser. Er hat halt alles und ist komplett.» Aus Sicht von Ex-Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld sei es «logisch, dass Jogi Löw an Neuer festhält». Aber «man darf ter Stegens Kritik nicht überbewerten. Das ist eine menschliche Reaktion.»

Bleibt die Frage, ob und wie Neuer auf ter Stegens emotionalen Worte reagiert. Am Mittwochabend empfangen die Bayern zum Auftakt der Champions League Roter Stern Belgrad. Möglich, dass dann auch Neuer wieder ein Mikrofon vor die Nase gestreckt wird. Das letzte Wort scheint in diesem Goalie-Zoff noch nicht gesprochen.

Zurück zur StartseiteZurück zum Sport

Weitere Artikel