Coronakrise

Schalke 04: Ein Weltverein hängt am seidenen Faden

dpa/jar

16.4.2020

Der FC Schalke 04 zählt mehr als 150'000 Mitglieder. Dennoch ist der Bundesligist wegen der Corona-Krise bedroht wie nie zuvor.
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Die Corona-Krise trifft in der Bundesliga nicht nur die kleinen Vereine. Der FC Schalke 04 mit seinen hohen Personalkosten und Verbindlichkeiten steht ebenfalls vor existenziellen Problemen.

Die finanzielle Krise trifft den FC Schalke 04 im schlechtesten Moment. «Die Lage ist sehr ernst und kritisch», sagte Alexander Jobst, Marketingchef und Vorstandsmitglied, vor einer Woche in einem Live-Chat mit Fans des Bundesligisten. Zuvor hatte der Klub schon auf seine «potenziell existenzbedrohende wirtschaftliche Situation» hingewiesen. Nach einem schwachen Geschäftsjahr sind die Schalker in dieser Saison auf jeden Cent angewiesen. Die durch die Corona-Krise bedingten Spielausfälle fallen schwer ins Gewicht.

Von einer Insolvenz wollte Jobst nicht sprechen. «Wir wollen keine Ängste schüren», meinte der 46-Jährige. Doch selbst Aufsichtsratschef Clemens Tönnies erklärte zuletzt, dass er sich «grosse Sorgen um den FC Schalke und den gesamten Fussball» mache. «Keiner weiss genau, mit welchem Szenario wir planen können. Ein Saisonabbruch wäre der Super-GAU», sagte der 63-Jährige. «Und Rücklagen haben wir keine», betonte Tönnies.

Aber auch Geisterspiele sind für den siebenmaligen deutschen Meister keine grundsätzliche Lösung des Problems. Durch die fehlenden Zuschauer in den restlichen Heimspielen geht dem Klub ein hoher einstelliger Millionenbetrag verloren. Da helfen die vielen Angebote der Schalker Fans zum aktiven Verzicht auf Rückerstattungen der Dauerkarten oder bereits erworbener Tagestickets. «Gerade in der Summe möglicher Rückzahlungen ist jeder einzelne Verzicht ein immenser Beitrag zur Stabilisierung der Liquidität und sichert das Überleben des Vereins», teilte der Klub mit. Schalke 04 hat 158'000 Mitglieder und ist damit der fünftgrösste Fussballverein der Welt.

«Wenn der Fussball nicht mehr da ist, bleibt uns wenig – vielleicht auch nichts»

Für den Klub mit seinem hohen Kostenapparat kommt der Finanzeinbruch zur Unzeit. Allein die Kosten für den Lizenzspielerbereich liegen bei etwa 100 Millionen Euro. Die jüngste Bilanz weist bei einem Konzernabschluss von 275 Millionen Euro ein Minus von 26,1 Millionen Euro aus. Dazu kommen Nettofinanzverbindlichkeiten von fast 120 Millionen Euro. Auch für das laufende Geschäftsjahr war vor der Einstellung des Spielbetriebs mit einem Fehlbetrag im niedrigen zweistelligen Millionenbereich gerechnet worden. Der wird sich nun erhöhen – vor allem dann, wenn zum zweiten Mal nacheinander die Europapokalteilnahme verpasst würde.

«Es ist doch völlig klar, dass Existenzen bedroht werden, wenn den Klubs dauerhaft die Geschäftsgrundlage entzogen würde», erklärte Finanzchef Peter Peters nach der Veröffentlichung der Geschäftsbilanz. Und gab zu: «Wir haben es ein Stück weit falsch eingeschätzt. Wir haben gedacht, wir haben eine schöne Catering-Gesellschaft, wir haben digitale Medien und andere Geschäftsfelder. Aber auf einmal stellen wir fest: Wenn der Fussball nicht mehr da ist, dann bleibt uns wenig, vielleicht auch nichts.»

«Auf einmal stellen wir fest: Wenn der Fussball nicht mehr da ist, dann bleibt uns wenig, vielleicht auch nichts», sagt Schalke-Finanzchef Peter Peters.
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Wird weiterhin nicht Fussball gespielt, steuert der Verein auch wegen ausbleibender TV-Gelder auf die Zahlungsunfähigkeit zu. Einen Beitrag zur Liquiditätssicherung leisteten die Profis mit einem prozentualen Verzicht auf Gehälter und Prämien bis zum 30. Juni. Auch der dreiköpfige Vorstand sowie Trainer, Betreuer und weitere Mitarbeiter verzichten auf Teile des Gehalts. Für einen Grossteil seiner rund 600 Mitarbeiter hat der Revierclub Kurzarbeitergeld beantragt. Dass die Differenz ausgeglichen werden kann, ist durch den Verzicht der hoch bezahlten Angestellten möglich.

Keine Lizenz mehr für die Schalke-Basketballer

Bis zum 30. Juni sollen rund zehn Millionen Euro gespart werden. Danach scheint es unausweichlich, dass einige Top-Spieler verkauft werden müssen. Bereits hart getroffen wurde das Schalker Basketball-Team, das bis zuletzt in der zweithöchsten deutschen Liga mitspielte. Der Klub gab am Dienstag bekannt, dass Schalke keine Lizenz mehr für sein Basketball-Team beantragen werde. 

Ein wenig Optimismus verbreitete Marketingchef Jobst im Live-Chat mit den Fans dann doch. «Wir haben ein grosses Signal der Solidarität von unseren Partnern erhalten. Da kann man doch ein Stück Zuversicht haben, dass wir Schalke 04 durch diese Situation manövrieren und wir gestärkt aus der Krise gehen», sagte er.

Voraussetzung: Im Mai wird wieder gespielt – ohne Zuschauer. «Wenn dies nicht der Fall ist, müssen wir mit neuen Massnahmen arbeiten», sagte der Schalker Vorstand. Dann kämpft allerdings nicht nur der Revierclub in der Bundesliga ums Überleben.

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