Sensation perfekt

Italien verpasst die Fussball-WM in Katar

Redaktion blue

24.3.2022

Über mangelnde Chancen können sich die Italiener nicht beklagen, über die Ausbeute aber sehr wohl.
Über mangelnde Chancen können sich die Italiener nicht beklagen, über die Ausbeute aber sehr wohl.
Getty Images

Während 90 Minuten dominiert Italien das WM-Playoff-Spiel gegen Nordmazedonien. Doch der Ball will einfach nicht rein. In der Nachspielzeit wird der Europameister dafür bestraft.

Redaktion blue

24.3.2022

Die Italiener rannten an im ausverkauften Stadio Renzo Barbera, und sie schossen. 31 Mal in der ganzen Partie. Aber gefährlich wurde es bei diesen Abschlüssen nur selten für Stole Dimitriewski im Tor der Nordmazedonier. Alleine Domenico Berardi beförderte den Ball mehrmals aus guter Position deutlich übers Tor. Und nach einer halben Stunde liess der Stürmer von Sassuolo eine goldene Möglichkeit ungenutzt, als er eine missglückte Spieleröffnung von Dimitriewski nicht im Tor unterbringen konnte. Diese Nachlässigkeit sollte sich spät rächen. In der 92. Minute sorgte Aleksandar Trajkowski für Entlastung für den Kleinstaat aus dem Balkan. Und nicht nur das. Er überraschte PSG-Goalie Gianluigi Donnarumma im Tor der Italiener mit einem Schuss vom der Strafraumgrenze und löste im Lager der Nordmazedonier ekstatischen Jubel aus. Denn wenig später war die Sensation perfekt. Während sich Nordmazedonien damit die Chance auf die zweite Teilnahme an einem grossen Turnier nach der Euro 2020 wahrt, muss Europameister Italien zum zweiten Mal in Folge in einer WM-Barrage eine Blamage hinnehmen.

Gegner der Nordmazedonier wird Portugal sein. Der Europameister von 2016 musste aber gegen die Türkei zittern. Nach Toren von Otavio und Diogo Jota hatten die Portugiesen die Partie scheinbar im Griff. Doch nach einer Stunde kamen die Türken durch Burak Yilmaz zurück. Und der Stürmer von Lille rettete seine Mannschaft beinahe in die Verlängerung. Sein Penalty fünf Minuten vor dem Ende klatschte aber an die Latte. Matheus Nunes machte in der Nachspielzeit den Sieg der Portugiesen klar. Damit müssen die Türken weiter auf die erste WM-Teilnahme seit 2002 in Japan und Südkorea warten, während Portugal gute Chancen besitzt, seine seit 2000 andauernde Serie von Endrundenteilnahmen fortzusetzen.

Wales setzte sich derweil gegen Österreich 2:1 durch. Real-Reservist Gareth Bale bezwang FCB-Goalie Heinz Lindner erst mit einem Freistoss und traf in der zweiten Halbzeit mit einem Drehschuss. Mehr als der Anschlusstreffer durch Marcel Sabitzer sollte für die Österreicher, die letztmals 1998 an einer WM dabei waren, nicht mehr drinliegen. Ihren Gegner auf dem Weg zur zweiten WM-Teilnahme nach 1958 erfahren die Waliser voraussichtlich erst im Juni, wenn die aufgrund des Krieges in der Ukraine verschobene Partie zwischen Schottland und der Ukraine nachgeholt werden soll.

Im vierten Duell vom Donnerstag lieferten sich Schweden und Tschechien eine taktisch geprägte, chancenarme Partie, in der beider Mannschaften oberstes Gebot offensichtlich war, ohne Gegentreffer zu bleiben. Dies gelang lange. Bis in die 110. Minute, als Robin Quaison sich zusammen mit Alexander Isak durch die Mitte kombinierte und Tomas Vaclik im Tor der Tschechen mit einem Flachschuss bezwang. Damit sicherten sich die Skandinavier, 2018 in Russland nach einem 1:0-Sieg gegen die Schweiz immerhin Viertelfinalist, den Platz im Final, wo sie am Dienstag gegen das kampflos weitergekommene Polen ihre 13. WM-Teilnahme perfekt machen wollen.

Die Spiele in der Übersicht


Telegramm Portugal – Türkei

Portugal – Türkei 3:1 (2:0)

Porto. – SR Siebert (GER). – Tore: 15. Otavio 1:0. 42. Jota 2:0. 65. Yilmaz 2:1. 94. Mendes 3:1.

Portugal: Diogo Costa; Dalot, Danilo, Fonte, Guerreiro (88. Mendes); Bruno Fernandes (80. Carvalho), Moutinho (88. Nuñes), Bernardo Silva; Ronaldo, Jota (71. João Felix), Otavio (88. Leão).

Bemerkungen: 85. Yilmaz (Türkei) schiesst Foulpenalty über das Tor.

Telegramm Italien – Nordmazedonien

Italien – Nordmazedonien 0:1 (0:0)

Palermo. – SR Turpin (FRA). – Tor: 92. Trajkovski 0:1.

Italien: Donnarumma; Florenzi, Mancini (90. Chiellini), Bastoni, Emerson; Barella (77. Tonali), Jorginho, Verratti; Berardi (89. João Pedro), Immobile (77. Pellegrini), Insigne (64. Raspadori).

Telegramm Wales – Österreich

Wales – Österreich 2:1 (1:0)

Cardiff. – SR Marciniak (POL). – Tore: 25. Bale 1:0. 51. Bale 2:0. 65. Davies (Eigentor) 2:1. 

Bemerkungen: Österreich mit Lindner (FCB). 6. Lattenschuss Baumgartner (Österreich).

Telegramm Schweden – Tschechien

Schweden – Tschechien 1:0 n.V. – Solna. – SR Oliver (ENG). – Tor: 110. Quaison 1:0.

Wie laufen die Playoffs ab?

Die zehn Gruppenzweiten der europäischen WM-Qualifikation sowie die beiden besten Gruppensieger der Nations League 2020/21, die noch nicht als Erster der WM-Qualifikation direkt für die WM qualifiziert oder als Zweitplatzierter ohnehin schon am Playoff-Turnier teilnehmen, wurden in drei «Viererpakete» gelost und treffen nun am 24. und 29. März 2022 (bzw. im Juni) in Halbfinals und später Finals aufeinander.

Nur die drei Finalsieger qualifizieren sich für die WM. Wegen der Invasion in die Ukraine wurde Russland vom Wettbewerb ausgeschlossen. Polen steht damit im Playoff-Pfad B bereits im Finale. Die Partie Schottland gegen die Ukraine ist in den Juni (genaues Datum noch nicht bekannt) verschoben worden.

Playoff-Pfad A:

Halbfinale (Datum offen): Schottland - Ukraine
Halbfinale (24.3.2022) Wales - Österreich
Finale Juni (Datum offen): Wales - Schottland/Ukraine

Playoff-Pfad B:

Halbfinale (abgesagt) Russland - Polen / Polen weiter
Halbfinale (24.3.2022) Schweden - Tschechien
Finale (29.3.2022) Polen - Schweden

Playoff-Pfad C:
Halbfinale (24.3.2022) Italien - Nordmazedonien
Halbfinale (24.3.2022) Portugal - Türkei 
Finale (29.3.2022) Portugal - Nordmazedonien