Schwingerkönig Stucki: «Es wäre schlauer, wenn man die Saison streichen würde»

pat

25.5.2020

Schwingerkönig Christian Stucki an der Schlussfeier des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests (ESAF) in Zug,
Schwingerkönig Christian Stucki an der Schlussfeier des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests (ESAF) in Zug,
Bild: Keystone

2019 war für Christian Stucki ein Traumjahr. Im August wurde er Schwingerkönig, im Dezember Schweizer Sportler des Jahres. Nun appelliert der 35-Jährige an den Verband, die Saison 2020 für beendet zu erklären.

Gegenüber der «Berner Zeitung» sagt Stucki: «Es wäre schlauer, wenn man die Saison 2020 streichen würde.» Denn an eine normale Saison ist ohnehin nicht mehr zu denken. In der Innerschweiz, im Nordost-, Nordwest- und Südschweizer Teilverband sind sämtliche Kranzfeste abgesagt worden. Das «Oberländische» in Frutigen allerdings ist von Juni auf Anfang Oktober verschoben worden. Dieser Entscheid passt Stucki nicht, er fordert gleiche Bedingungen für alle. Dass nur die Berner um einen Kranz kämpfen können, ergebe keinen Sinn. Deshalb fordert Stucki: «Der ESV (Eidgenössische Schwingerverband, Anm. d. Red.) muss eine Entscheidung fällen.» Wie diese Entscheidung in seinen Augen auszusehen hat, hat Stucki ja bereits kundgetan: Saison beenden.

Stucki denkt noch lange nicht ans Aufhören

«Nicht jeden Abend unter der Woche auswärts zu verbringen, im Training oder sonst an einem Anlass, sondern zu Hause zu sein, das geniesse ich», gibt Stucki gegenüber der «Berner Zeitung» preis. Und dennoch vermisse er das Schwingen. Wenige Tage nach dem Lockdown habe er seine Garage zu einem Kraftraum umfunktioniert, doch Motivationsprobleme machten ihm zu schaffen. «Wofür stemme ich regelmässig Gewichte, wenn ich nicht weiss, wann wir wieder schwingen können?»

Natürlich um fit zu bleiben, um auch nach der Krise mit seinen jüngeren Konkurrenten mitzuhalten. Denn seine Karriere zu beenden, das ist für Stucki keine Option. Sein Athletiktrainer Tommy Herzog habe in den letzten Wochen ein Onlineprogramm (Kraft-, Ausdauer- und Intervalltraining) zusammengestellt, das ihm neue Möglichkeiten eröffne.

Vor dem Bildschirm folge er den Anweisungen des Coaches. Besonders motivierend muss es sein, wenn auch seine Frau mittrainiert: «So können wir gemeinsam leiden, zwischendurch noch einen dummen Spruch machen. Das fällt mir leichter, als allein an den Gewichten zu reissen», sagt Stucki über die Vorzüge des neuen Trainings. Seit letzter Woche seien nun auch wieder 1:1-Trainings mit seinem Coach möglich.

Bis zum «Eidgenössischen» 2022 will Stucki sicher weiterschwingen – und vielleicht sogar noch ein bisschen länger. Bloss in naher Zukunft müsste es für ihn keine Wettkämpfe mehr geben.

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