Die Sportwelt flüchtet in den eSports – mit Erfolg?

Martin Abgottspon

2.4.2020 - 10:16

Auch BVB-Profi Achraf Hakimi wirkt bei der «Bundesliga Home Challenge» mit.
Bild: Getty Images

Egal ob Fussball, Eishockey oder Formel 1: Der Sport erfindet sich zur Corona-Krise gerade neu und geht digitale Wege. Nur eine Notlösung oder ein Modell mit Zukunft?

Die Sportwelt steht derzeit wegen Corona still. Ganz verzweifelte Fussballfans können zwar noch die weissrussische Liga verfolgen, das war’s dann aber auch. Neue Alternativen kommen seit rund zwei Wochen aber laufend dazu. ESports ist plötzlich hoch im Kurs.

Eines der ersten grösseren Events dieser Art war die «La Liga Challenge», bei welcher nicht eSportler, sondern Fussballer selber zum Controller griffen und in «FIFA 20» um den virtuellen Meistertitel spielten. Dabei sammelte man auch noch fleissig Spenden im Kampf gegen das Corona-Virus. Rund 150'000 Franken gingen im Anschluss direkt an Unicef. Das sportliche Resultat unterscheidete sich dann nicht einmal so sehr vom realen. Marco Asensio sicherte Real Madrid mit einem 4:2-Sieg im Final den Titel.

Aufbruch in eine neue Zukunft

Richtiger Fussball ist das nicht, ja. Und doch verfolgten hunderttausende von Fans die Partien live im Stream oder später auf Youtube. Für andere Ligenbetreiber und Sportveranstalter Grund genug, ebenfalls nach neuen Vermarktungsmöglichkeiten zu suchen.

Die Formel 1 etwa führte einen virtuellen GP in Bahrain durch. Die Top-Stars der Szene waren zwar nicht dabei, dafür einige Ex-Profis und Promis aus anderen Sparten. Das Rennen wurde von technischen Störungen und einem chaotischen Auftakt begleitet. Dennoch lagen die Zuschauerzahlen auch hier weit über den Erwartungen.



An diesem Wochende nun stand erstmals die «Bundesliga Home Challenge» auf dem Programm. Mit DAZN und Sky haben gleich zwei grosse TV-Stationen die Spiele live übertragen. Erstmals setzt nun aber auch eine gewisse Ernüchterung ein. 122'000 Zuschauer verfolgten am Samstag und Sonntag die Partien, bei welchen auch Bundesliga-Kicker wie Simon Terodde vom 1. FC Köln oder Daniel Brosinski vom FSV Mainz am Werk waren. Das klingt zunächst gar nicht so schlecht. Wenn man dann allerdings bedenkt, dass am Samstagabend in der Sportschau der «ARD» rund 1,8 Millionen Zuschauer nochmal das EM-Viertelfinale zwischen Deutschland und Italien von 2016 geschaut haben, wirkt es fast schon lächerlich.

Der Zuschauer wird zum Star

Trotzdem wird die «Bundesliga Home Challenge» auch nächstes Wochenende fortgesetzt. Jeder will am Ball bleiben. Schliesslich schiessen neue eSports-Events vor allem im Bereich «FIFA» aktuell wie Pilze aus dem Boden, weshalb der DFB sogar noch nachdoppelt.  DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius schreibt dazu in einer Pressemitteilung: «Wir haben gemerkt, wie sehr der Fussball uns allen derzeit als Unterhaltungsform fehlt. Deswegen hat der Verband in der aktuellen Situation eine wichtige Verantwortung, weshalb wir über den virtuellen Freundschaftskick hinaus auch noch das #Weplayathome-Charity-Turnier ins Leben rufen.»



Der Zuschauer soll selber aktiv werden. Ein Ansatz, den auch die ePlayoffs am Wochende verfolgten, als sie den virtuellen Schweizer Meister in «NHL 20» kürten. Am Ende machte Servette Genf das Rennen, verfolgt von einigen tausend Zuschauern im Stream.

Gekommen, um zu bleiben?

Doch was heisst das jetzt für die Zukunft? Da man in den nächsten Monaten wohl nicht damit rechnen kann, dass der normale Ligabetrieb wieder aufgenommen wird, werden sich digitale Events weiter etablieren. Momentan scheint alles vielleicht noch etwas chaotisch und gerade ältere Sportfans sind mit den Zugängen auch noch nicht vertraut.

Für Gamer selber sind die Sportspiele oft nur mässig interessant, doch in der grossen Masse ist jetzt der beste Zeitpunkt das Thema eSports weit nach vorne zu bringen und genau das wird auch passieren. Die grossen Stars fehlen jetzt vielleicht noch. Doch umso präsenter das Thema in den Medien wird, desto schneller werden diese auch geboren.

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