Hass-Bewegung

Millionen Anhänger von Verschwörungskult QAnon auf Facebook organisiert

dj

11.8.2020

QAnon hat Millionen Anhänger, die sich auf Facebook vernetzen.
QAnon hat Millionen Anhänger, die sich auf Facebook vernetzen.
Getty Images

Eine interne Studie zeigt, dass sich Millionen Anhänger des Verschwörungskults QAnon auf Facebook vernetzen. Und der Social-Media-Gigant verdient daran auch noch Geld.

Eine interne Facebook-Untersuchung, die «NBC News» zugespielt wurde, zeigt, dass sich Anhänger des Verschwörungskults QAnon zu Millionen in Tausenden verschiedenen Facebook-Gruppen organisieren. Facebook wird dabei als zentraler Vernetzungsort des Kultes angesehen.

Insgesamt finden sich in den QAnon-Facebook-Gruppen rund drei Millionen Mitglieder, wobei viele Nutzer wohl in mehreren Gruppen gleichzeitig aktiv sind. Die Gruppen-Funktion, die Facebook in den letzten Jahren immer wieder hervorgehoben hat, gilt als mitverantwortlich für den Aufstieg von QAnon. Die interne Untersuchung soll Facebook dabei helfen, den zukünftigen Umgang mit QAnon zu bestimmen. Es ist allerdings noch unklar, ob und wie Facebook gegen den Kult vorgehen will.



Prophet, der fast immer daneben liegt

QAnon bezeichnet die Bewegung, die einem 2017 auf der Plattform 4chan erstmals aufgetauchten «Propheten» namens «Q» folgt. Dieser behauptet, Zugang zu vertraulichen Informationen zu haben, die die Grundlage für seine Äusserungen bilden würden. Qs Prophezeiungen lagen aber fast alle völlig daneben, so behauptet er in einer seiner ersten Posts, dass Hillary Clinton kurz vor ihrer Verhaftung stehe. Inzwischen sind «Q»-Verlautbarungen so vage, dass sich fast alles in sie hineininterpretieren lässt.

QAnon-Anhänger glauben im Prinzip an Folgendes: Es gibt eine gigantische Verschwörung in der Welt allgemein und den USA speziell von globalen Eliten, Demokraten und dem «Deep State». Gerne wird auch noch antisemitischer Hass eingebaut und es werden etwa George Soros oder die Rothschild-Familie als treibende Kraft hinter der Verschwörung dargestellt. Diese gigantische Verschwörung praktizierte satanische Rituale und missbrauche massenhaft Kinder.

Und der Einzige, der das alles stoppen kann, ist die Messias-ähnliche Persönlichkeit Donald Trump. Und deshalb sei er auch Ziel eines Coup der Verschwörung, so der QAnon-Glaube. Trumps Wahlkampfveranstaltungen sind inzwischen zu einer Art Wallfahrtsort für QAnon geworden. Dutzende Republikanische Kandidaten für den Kongress haben sich schon zu QAnon bekannt und einen extra für den Kult erzeugten Eid abgelegt. Das FBI hat QAnon derweil bereits als potenzielle Ursache für Terrorismus ausgemacht.



Drohungen und Morde

QAnon-Anhänger sind für unzählige Drohungen sowohl gegen Personen des öffentlichen Lebens als auch Privatpersonen verantwortlich. Mindestens zwei Morde wurden schon mutmasslich von QAnon-Anhängern begangen. Ein Sprecher von Facebook wollte sich bei «NBC News» nicht namentlich zitieren lassen, weil er/sie selbst Angst vor Bedrohungen von QAnon-Anhängern hatte.

Dennoch ist Facebook bislang nur sehr zögerlich gegen QAnon vorgegangen. Einzelne Gruppen und Accounts wurden gesperrt, weil sie gegen generelle Facebook-Regeln verstossen hatten. Derweil verdient Facebook weiterhin Geld mit Werbeanzeigen mit QAnon-Inhalten. Twitter ist dagegen letzten Monat explizit gegen QAnon vorgegangen und hatte 7000 mit dem Kult verbundene Accounts gelöscht.

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