Virtuelle Atomtests

Die USA haben wieder den schnellsten Computer der Welt

Von Dirk Jacquemien

31.5.2022

Etwas zu gross fürs Home Office: Der Supercomputer Frontier
Etwas zu gross fürs Homeoffice: Der Supercomputer Frontier.
HPE

Der schnellste Computer der Welt kommt wieder aus den USA. Erstmals kann ein Supercomputer dabei mehr als eine Trillion Rechenaufgaben in der Sekunde ausführen.

Von Dirk Jacquemien

31.5.2022

Der schnellster Computer der Welt heisst «Frontier» und steht im Oak Ridge National Lab im US-Bundesstaat Tennessee. Er übernahm den Spitzenplatz vom japanischen System «Fugaku». Das geht aus der halbjährlich veröffentlichten TOP500-Liste der schnellsten Supercomputer hervor.

Der von Hewlett Packard Enterprise zusammengebaute Frontier hat eine Rechenleistung von 1,1 Exaflops, d.h. er kann 1,1 Trillionen (1'100'000'000'000'000'000) Rechenoperationen in der Sekunde ausführen. Als Rechenoperation wird dabei eine Addition oder eine Multiplikation verstanden. Frontier ist der erste Supercomputer, der diese «Exascale» erreicht.

Fast neun Millionen Prozessorkerne

Dafür hat er ingesamt 8'730'112 Prozessorkerne von AMD an Bord. Damit steht zudem erstmals ein System mit AMD-Prozessoren an der Spitze der TOP500-Liste. Diese wurde jahrelang vor allem von Intel dominiert, wie bei Prozessoren für Personal Computer hat AMD jedoch den grossen Konkurrenten auch hier technologisch überholt.

Der schnellste Schweizer Supercomputer, der sich im Luganer Swiss National Supercomputing Centre befindliche Piz Daint, ist derweil auf Platz 23 abgefallen. 2017 lag Piz Daint noch auf Platz 3, wurde im Gegensatz zur Konkurrenz in den letzten Jahren allerdings kaum aufgerüstet. Nächstes Jahr soll er dafür durch den neuen Supercomputer «Alps» abgelöst werden.

China hält seine Supercomputer geheim

Frontier ist der schnellste dokumentierte Supercomputer der Welt, doch möglicherweise stehen in China noch zwei schnellere Systeme. Supercomputer mit Prozessoren der Eigenentwicklung Shenwei sollen einigen Berichten zufolge bereits letztes Jahr die «Exascale» erreicht haben. Aus Gründen der nationalen Sicherheit legt China die Fähigkeiten seiner Supercomputer allerdings nicht komplett offen.

Denn Supercomputer werden für durchaus sensible Aufgaben verwendet. Neben der Erstellung von komplexen Klimamodellen oder der medizinischen Forschung werden die Systeme auch zur realitätgestreuen Simulation von Kernwaffenexplosionen eingesetzt.

Dadurch können echte Kernwaffentests ersetzt werden, denen durch internationale Verträge enge Grenzen gesetzt sind. Frontier gehört dem US-Energieministerium, das auch für das amerikanische Kernwaffenprogramm verantwortlich ist.