Verleumdungsprozess

Geschworene sehen Bilder von Amber Heards geschwollenem Gesicht

dpa/bb

17.5.2022 - 09:42

Einige der am Montag gezeigten Aufnahmen wurden den Geschworenen erstmals vorgelegt. Der Prozess von Hollywood-Star Johnny Depp gegen seine Ex-Frau Amber Heard ging in die fünfte Woche.

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17.5.2022 - 09:42

Die Geschworenen im Verleumdungsprozess des Hollywood-Schauspielers Johnny Depp gegen seine Ex-Frau und Kollegin Amber Heard haben am Montag Fotos von Heards Gesicht mit roten Flecken und Schwellungen gesehen.

Die Verletzungen stammten nach Aussage Heards von der letzten Auseinandersetzung mit Depp vor ihrer Scheidung.

Heard schloss ihre Aussage in dem Zivilprozess in Virginia mit einem dritten Tag ab, an dem es vor allem um die letzten Monate ihrer Ehe mit Depp ging. Dessen Anwälte sollten Heard im Verlauf des Tages ins Kreuzverhör nehmen.

In dem Verleumdungsprozess geht es um einen Gastbeitrag Heards für die «Washington Post», in dem sie 2018 über Erfahrungen mit häuslicher Gewalt berichtet hatte. Depps Name wird in dem Artikel nicht genannt, doch sahen er und seine Anwälte einen klaren Hinweis auf Vorwürfe, die Heard im Rahmen ihrer Scheidung 2016 erhob.

Rötungen und Schwellungen

Der grösste Teil des Prozesses dreht sich um die Frage, ob Depp Heard tatsächlich misshandelt hat. Dabei kamen zahlreiche hässliche Details aus ihrer nur knapp anderthalb Jahre währenden Ehe ans Licht. Depp hat bereits ausgesagt, er habe Heard nie geschlagen und sie erfinde Behauptungen über angeblichen Missbrauch.

Die Geschworenen des Prozesses, der in die fünfte Woche ging, haben während des Verfahrens mehrfach Fotos von Heard gesehen, die angeblich Misshandlungen durch Depp dokumentieren. Einige der am Montag gezeigten Aufnahmen wurden den Geschworenen jedoch erstmals vorgelegt.

Sie zeigten Rötungen und Schwellungen weit deutlicher als vorangegangene Fotos. Heard sagte, die Spuren seien entstanden, als Depp ihr ein Telefon ins Gesicht geworfen habe.

Die fragliche Auseinandersetzung im Mai 2016 veranlasste Heard, zwei Tage später die Scheidung einzureichen. Ein paar Tage später erwirkte sie bei einer Gerichtsanhörung eine einstweilige Verfügung gegen Depp. Sie wurde fotografiert, als sie das Gerichtsgebäude mit einem deutlichen roten Fleck auf ihrer rechten Wange verliess.

Keine Anzeichen einer Verletzung

Zu Beginn des Prozesses hatten die Geschworenen von Polizisten, die im Mai 2016 nach einem Streit in die Wohnung des damaligen Paares kamen, gehört, diese hätten keine Anzeichen einer Verletzung bei Heard entdeckt.

Heard habe ein rotgeweintes Gesicht gehabt. Zeugen sagten ebenfalls aus, sie hätten bei Heard keine Blutergüsse in den Tagen nach dem Streit gesehen. Heard sagte am Montag, sie habe nicht mit den Polizisten zusammengearbeitet, die zu der Wohnung kamen. Ihre direkten Interaktionen mit Polizisten seien sehr begrenzt gewesen.

Sie besprach auch ihre Make-up-Routine und erklärte, sie habe diese den Verletzungen angepasst. Über die Jahre habe sie gelernt, am ersten Tag eines Blutergusses grüne Farbtöne zu verwenden, um Rötungen zu überdecken, und mehr zu orangenen Farbtönen zu wechseln, wenn ein Bluterguss blau oder lila wurde. «Ich werde nicht mit Blutergüssen im Gesicht durch L.A. laufen», erklärte sie.

Als sie die einstweilige Verfügung gegen Depp erwirkte, habe sie Depp nicht öffentlich als Missbraucher entlarven wollen. Sie sei anschliessend von den zahlreichen Paparazzi überrascht worden. «Ich wollte nur meine Schlösser austauschen», sagte sie. «Ich wollte einfach nur gut schlafen.»

Nie nüchtern gewesen und er habe halluziniert

Über die letzten Monate der Ehe sagte sie, Depp sei praktisch nie nüchtern gewesen und habe halluziniert. «Er sprach zu Menschen, die nicht im Raum waren. Es war erschreckend», berichtete Heard. «Mir war nicht klar, ob er überhaupt wütend auf mich oder überzeugt war, dass sich der Typ im Zimmer befand, von dem er sagte, er habe ihn mit mir gesehen.»

Den Geschworenen wurde auch ein Video vorgespielt, in dem zu sehen ist, wie Depp in einer Küche auf Möbel einschlägt und sich ein riesiges Glas Wein einschenkt, während Heard herauszufinden versucht, warum er wütend ist.

Heard wies auch im Internet kursierende Vorwürfe Depps zurück, sie habe nach einem Streit menschliche Fäkalien im gemeinsamen Ehebett hinterlassen. «Absolut nicht», versicherte sie. «Mir war nicht nach Schabernack zumute.» Sie halte so etwas auch nicht für lustig. Die Hinterlassenschaft stamme nicht von ihr, sondern dem kleinen Yorkshire-Terrier des Paares, der wiederholt Darmprobleme gehabt habe, seit er versehentlich Depps Marihuana verspeist habe.

Zugleich änderte Heard eine frühere Aussage im Prozess. Depp habe sie nicht 2013, sondern schon 2012 erstmals geschlagen, sagte Heard. Sie habe da etwas durcheinandergebracht, weil sie nicht habe glauben wollen, dass Depp schon so früh in der Beziehung gewalttätig geworden sei. Sie hat ihrem Ex-Mann auch sexuelle Übergriffe vorgeworfen.

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