Baschi spricht über Klischees, Kiffen, die Liebe und den Tod seines «Ersatzvaters»

Lukas Rüttimann

10.9.2018

Baschi im August 2018 in seinem Tonstudio in Möhlin AG.
Keystone

Der Basler Popstar Baschi über sein neues Album «1986», seine Liebe zu Alana Netzer – und welches Vorurteil ihn heute noch auf die Palme bringt.

Bluewin: Baschi, in der Biographie Ihrer Plattenfirma werden Sie als «Hofnarr unter den Schweizer Rockstars» beschrieben. Sehen Sie das auch so?
Das habe ich natürlich nicht selber geschrieben. Aber klar: Ich habe meinen Platz in der Schweizer Szene gefunden, und ja – ich erlaube mir ab und zu einen kleinen Spass. Vielleicht ein bisschen öfter als andere Schweizer Künstler. Die Leute verzeihen mir mittlerweile vieles.

Baschi: Fühlen Sie sich als Musiker denn ernst genommen?
Nein, ganz und gar nicht. (lacht) Im Ernst: Es muss nicht jeden Tag Stephan Eicher anrufen und sagen, wie toll ich bin. Aber der Grundrespekt ist da. Jeder, der selber Musik macht, weiss, wie viel es heute braucht, um als Musiker in der Schweiz überleben zu können.

Im Video zu «LSG» lassen Sie sich von Musikerkollegen wie Büne Huber, Fabienne Louves oder Tami beschimpfen. Stehen Sie so locker über allem?
Die Erkenntnis meines neuen Albums ist: Man kann es eh nie allen recht machen. Ich bin nun fast 15 Jahre lang Teil der Schweizer Musikszene. Man schreibt über mich, interpretiert mich und projiziert Dinge in mich hinein, damit habe ich mich abgefunden. Ich versuche einfach, mir treu zu bleiben. Und wenn ich mal einen Scheiss gemacht habe, lebe ich mit den Konsequenzen.

Welches ist das grösste Missverständnis über Sie?
Dass ich immer bekifft sei, das nervt gewaltig! Früher war das okay, aber hey – das ist lange her. Aber irgendwie ist dieses Bild in den Köpfen der Leute drin und bleibt offenbar dort.

Sie sind ja seit gut einem Jahr mit Alana, der Tochter von Günther Netzer, liiert. Hört man das auf dem Album?
Sicher. Ich schöpfe aus meinem Umfeld Kraft und Kreativität. Harmonie ist für mich wichtig. Ich kann auch gute Songs schreiben, wenn ich nicht am Abgrund stehe. Ich bin ein Gefühlsmensch – da spielt es natürlich eine Rolle, dass ich glücklich verliebt bin.

Wahre Kunst muss leiden – bei Baschi nicht?
Ich habe schon Songs in Trauerphasen geschrieben. Aber ich bin auch sehr pragmatisch: Ich kann in jeder Lebenssituation Songs schreiben. Wenn es passt, dann passt es.

Ein trauriger Song auf dem Album ist «Liverpool» über Ihren Ende 2015 verstorbenen Mentor Hank Merk, den Marketingleiter Ihrer Plattenfirma.
«1986» ist das erste Album ohne Hank, der mich entdeckt und gefördert hat. Er war nicht nur ein Mentor, sondern auch ein sehr, sehr guter Freund für mich. Wir haben über 12 Jahre lang zusammengearbeitet. Sein unerwarteter Tod war ein Schock für mich. Er war ein grosser Liverpool-Fan, wie ich auch. Wir waren zusammen an der Anfield Road, und das Lied «Liverpool» ist mein ganz persönlicher Abschiedsong für ihn. Das Album ist Hank gewidmet. Er hat mich zu dem gemacht, was ich bin.

2015 musste aschi den Tod eines engen Freundes verkraften.
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Sein plötzlicher Tod muss Sie hart getroffen haben.
Ja. Nicht zuletzt, weil ich schon meinen Vater früh verloren habe. Ich bin ab 20 ohne Vater aufgewachsen. Das war nicht einfach. Bis zu einem gewissen Grad war Hank für mich ein Ersatzvater.

Gibt es heute jemanden, der diese Rolle übernommen hat?
Hanks Fusstapfen sind zu gross, um sie ausfüllen zu können. Wir waren ja auch geschäftlich miteinander verbunden. Aber natürlich finde ich grossen Halt in meiner Beziehung. Alanas Eltern sind toll, ich kann mit Günther [Netzer – Anm. d. Red.] sehr gute Gespräche führen. Nicht nur über Fussball.

Sie haben mit «Bring en hei» quasi die inoffizielle Schweizer Fussball-Hymne geschrieben. Was sagen Sie eigentlich zur aktuellen Krise in der Fussball-Nati?
Schwieriges Thema. Ich weiss nicht, wie es im Team drin aussieht. Da ist sicher viel Frust dabei, nach dem enttäuschenden Aus gegen Schweden. Ich bin ein grosser Fan unserer Nati und hoffe einfach, dass die Mannschaft wieder in die Spur findet. Mit dem FC Basel habe ich derzeit auch nicht viel zu lachen. Zum Glück gibt’s noch den FC Liverpool. (lacht)

Sie haben sich in letzter Zeit unter anderem mit Campingplatz-Konzerten auffallend volksnah gegeben. Sehen Sie sich als neuen Polo Hofer?
Gute Frage. Ich bin ein umgänglicher Typ, mit mir kann man locker ein Bier trinken gehen und über Fussball quatschen. Ich habe eigentlich kaum Allüren. Aber wenn irgendwo eine reisserische Schlagzeile über mich erscheint, sehen mich die Leute sofort wieder als arroganten Rockstar. Umso wichtiger ist es für mich, den Leuten meine andere Seite zeigen zu können. Ich bin vor 13, 14 Jahre mit «MusicStar» durch die Decke gegangen und konnte damit nicht immer gut umgehen. Heute, mit acht Alben im Rücken, ist das anders. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen und fühle mich wohl, Baschi zu sein. Ich bin sicher geerdeter als früher.

Noch lebt Baschi in Basel, doch Zürich lockt in Form von Freundin Alana.
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Ist das Thema Familie für Sie aktuell?
Momentan bin ich im Flow. Meine Beziehung läuft mega, aber sie immer noch relativ frisch. Der nächste Schritt ist, zu Alana nach Zürich zu ziehen. Das ist zumindest geplant.

Baschi zieht nach Zürich? Das wird den Baslern das Herz brechen.
Der Gedanke daran ist da, aber spruchreif ist es noch nicht. Meine Wohnung in Basel habe ich noch. Ich will niemandem wehtun. (lacht)

Was erhoffen Sie sich vom neuen Album? Enttäuscht, wenn es nicht für Platz 1 in den Charts reicht?
Ich bin im Herzen Sportler, ich will gewinnen. Ein Podest müsste es schon sein. Am liebsten ganz zuoberst.

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