Orchestrator des eigenen Mythos – Karl Lagerfeld ist tot

Markus Wanderl

19.2.2019 - 19:50

Er stand für die moderne Luxusmodeindustrie, enorme Produktivität, und er war – apropos Jogginghose – ein Sprücheklopfer: Nun ist Karl Lagerfeld 85-jährig gestorben.

Karl Lagerfeld ist tot. Wie sich das liest. Vor nicht allzu langer Zeit hatte man noch gedacht, der Mann müsse unsterblich sein, immer wieder tauchte er irgendwo auf, redete mit, landete einen Spruch. Doch dann die Bilder von zuletzt: Da war jemand nun doch sichtlich gealtert, der Boulevard lieferte neulich ohne Schamesröte ein Bild, das Lagerfeld ohne Gebiss zeigte: Zeichen des Verfalls. 

Als er am Montagabend in ein Krankenhaus in einem Pariser Vorort eingeliefert wurde, stand es schlecht um den Modezaren. So wird es heute kolportiert. Einher geht damit die Meldung vom Ableben des gebürtigen Hamburgers, über den die Chefredaktorin der Vogue, Anna Wintour, gesagt hat: «Mehr als jeder andere, den ich kenne, repräsentiert er die Seele der Mode: unruhig, zukunftsorientiert und aufmerksam unsere sich stets wandelnde Kultur beobachtend.»

Karl Lagerfeld im März 2018:

Bereits im Januar hatte es grosse Sorgen um Lagerfelds Gesundheitszustand gegeben, als er bei der Chanel-Modenschau in Paris nicht aufgetreten war, jenem Modehaus, für das er seit fast vier Jahrzehnten als Kreativdirektor gearbeitet hatte und das am Dienstagmittag seinen Tod bestätigt hat.

Wie er auflief!

Doch schon vor 1983, seinem Antrittsjahr bei Chanel, hatte Lagerfeld die Mode mitbestimmt, als er ab Mitte der Fünfzigerjahre in Paris grosse Couture-Häuser wie Balmain, Patou, Chloé oder Fendi exponierte. Er habe sich eben schon immer für Kleider interessiert, ohne zu wissen, dass man das Mode nenne – so hat es Lagerfeld einmal in der ihm eigenen Diktion formuliert.

Lagerfelds letzte Pariser Laufstegshow:

Und natürlich wie er sich kleidete, zurechtmachte, oder sollte man sagen: Wie er allerorten auflief und so weltweit bekannt wurde. Mit seiner dunklen Brille, dem akkuraten Pferdeschwanz, dem schwarzen Anzug, den fingerlosen Handschuhen, dem Chrome-Hearts-Schmuck – und lange sah man dem Besessenen auch den strikten Diät-Cola-Konsum an: Ein Strich in der Landschaft war Lagerfeld, aber als Modemensch die grosse Figur. Sein vielleicht bester Spruch: «Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.»

Jahrgang unbekannt – nicht nur Lagerfeld schummelte beim Alter:

Als er im April 2018 aufs Sterben angesprochen wurde, antwortete er: «Ein Check hat ergeben: alles in Ordnung.» Dem Fragesteller beschied er, doch in zehn Jahren noch einmal nachzufragen. Wie Lagerfeld selbst als Person, so waren auch seine Sätze manchmal wie eine Karikatur.

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