Ein Stück Schweizer Filmgeschichte

tsch

5.1.2019

Wer sich für die nationale Filmgeschichte interessiert, sollte hier unbedingt einen Blick riskieren: Die Mundart-Komödie «Jä-soo!» aus den 30er-Jahren lohnt auch heute noch – aus gleich mehreren Gründen.

Immer Ärger mit dem Nachwuchs: Töchterchen Nelly (Elsie Attenhofer) hat sich in den extravaganten André (Fritz Ritter) verguckt und lebt nun mit ihm in Zürich – sehr zum Leidwesen ihrer besorgten Eltern Jakob (Emil Hegetschweiler) und Frieda Stäubli (Hedwig Keller). Doch die wollen ihre Tochter nicht kampflos aufgeben. Sie verkaufen ihren Laden und reisen Nelly hinterher. Bald schon müssen die Provinzler lernen, dass die Grossstadt so manche Tücke und Verführung für sie bereithält. Und auch der feine Herr, der das Herz ihrer Tochter erobert hat, scheint in Wahrheit nicht ganz so edel zu sein, wie er vorgibt. – Die Schwarz-Weiss-Komödie «Jä-soo!» ist ein echtes Schweizer Original. Aus diesem Grund wurde der turbulente Dialektfilm aus dem Jahr 1935 im vergangenen Sommer in Zusammenarbeit zwischen SRF, Cinémathèque suisse und Memoriav aufwendig digitalisiert und restauriert. Die Uraufführung des verbesserten Klassikers fand am 4. Oktober 2018 auf dem Zurich Film Festival statt, nun feiert «Jä-soo!» in neu erstrahltem Glanz seine TV-Premiere.

Abgrenzung zu Deutschland – mit sensationellem Erfolg

Mag sein, dass «Jä-soo!» in formaler Hinsicht schon damals etwas altbacken erschien. Und auch die Klischees des «gute Dörfler gegen böse Städter»-Schwanks muten ziemlich konservativ an. Dennoch muss man dem Film seinen Stellenwert in der Schweizer Filmhistorie zugutehalten. Denn das Werk der Praesens-Film markierte nach «Wie d'Warret würkt» (1933) den zweiten Dialektfilm und trug dazu bei, dieses Genre als originär schweizerisch zu etablieren. Mit dem identitätsstiftenden Film in Mundart wollte man sich von Deutschland und dem Hochdeutschen abgrenzen – mit sensationellem Erfolg. Das Publikum war begeistert von der Nummernrevue und verzieh der Komödie nahezu sämtliche filmische Schwächen.

Ausflug in die Anfänge der Schweizer Kinematografie

Als Regisseure fungierten der Österreicher Leopold Lindtberg und der Schweizer Walter Lesch. Lindtberg kam eigentlich vom Theater und war mit den Eigenheiten des Mediums Film noch nicht vertraut, als er «Jä-soo!» inszenierte. Dem Spass an dem charmanten Lustspiel tut dies allerdings kaum einen Abbruch. So nimmt das Drehbuch aus der Feder von Lesch und dem Kabarettisten Max Werner Lenz die Gegensätze zwischen Stadt und Land sowie die Wunder der Moderne mitunter auch sehr gelungen aufs Korn – über die zahlreichen Stereotype sollte man aber wohlwollend hinwegblicken können.

Erstaunlicherweise begeistert der Klamauk auch heute noch – und zwar vor allem aufgrund seiner Akteure. Denn die spielfreudigen Darsteller tragen massgeblich zur gelungenen Unterhaltung bei. Interessanterweise gehörten viele der Beteiligten vor und hinter der Kamera zum Team des «Cabaret Cornichon». Der Possen-Charakter des Films ist daher kaum verwunderlich. Wenngleich die eher biedere Komödie die Mittel ihres Mediums kaum ausschöpft: Zeitverschwendung ist der Ausflug in die Anfänge der Schweizer Kinematografie keineswegs.

«Jä-soo!» läuft am Samstag, 5. Januar, um 14 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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