«Heer, Stahl und Sturm»: So ticken die Anwälte von Beate Zschäpe

11.7.2018 - 08:10, tsch

Wolfgang Stahl (links), Wolfgang Heer und Anja Sturm verteidigten Beate Zschäpe fünf Jahre.
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Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl wollten mit dem NSU-Prozess ihre Karriere vorantreiben.
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Seit 2013 vertraten die Anwälte Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl (von links) die Angeklagte im Prozess in München.
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Wer verteidigt Nazis? Die Anwälte Anja Sturm und Wolfgang Heer im Auto unterwegs.
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Als sie noch miteinander redeten: Beate Zschäpe mit ihren Anwälten am Anfang des Prozesses.
Bild: Joerg Koch - Pool / Getty Images

Sie heissen «Heer, Stahl und Sturm», seit 2013 verteidigten sie Beate Zschäpe im NSU-Prozess. Eine ARD-Doku hat die Anwälte über Jahre begleitet.

Mit der Urteilsverkündung am Mittwoch, 11. Juli, in einem der wichtigsten Prozesse der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte, geht auch für sie eine harte Zeit zu Ende: Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm fungierten seit über fünf Jahren als Strafverteidiger der mutmasslichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe, der die Beteiligung an den zehn Morden, zwei Bombenanschlägen und 15 Raubüberfällen des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) vorgeworfen wird.

Von allen Seiten unter Beschuss

Im Prozess in München, in dessen Verlauf Beate Zschäpe nun wegen zehnfachen Modes zu einer lebenslänglichen Strafe verurteilt wurde, erlebten die drei jungen Anwälte, die erst als Wahlverteidiger und später als Pflichtverteidiger auftraten, den Prozess ihrer Karriere. Wie vom Weltgeist verfügt, schien die Assoziation der drei Namen «Heer, Stahl und Sturm», nach denen auch die aktuelle TV-Doku benannt ist, die das Erste am Mittwoch, 11. Juli, 23.45 Uhr, ausstrahlt. Über fünf Jahre durfte Filmemacherin Eva Müller die Verteidiger exklusiv begleiten. Anfangs gab man sich noch positiv, sah die grosse Karrierechance: «Unser Rechtsstaat ist nur dann stark, wenn Menschen wie Beate Zschäpe bestmöglich verteidigt werden», liess damals Anja Sturm wissen.

Doch recht schnell wird klar, dass die Verteidigung nicht ohne öffentliche Kritik vonstatten gehen kann. «Anja Sturm verliert Job und Heimat. Flucht aus Berlin», titeln die Zeitungen schon 2013. Der Umzug nach Köln wird von der Doku bereits begleitet. Doch auch in der Domstadt müssen sie sich mit Drohungen auseinandersetzen - auch Kollegen und Medien urteilen, dass sie sich für die «falsche Seite» entschieden hätten. Zu zeigen, was passiert, wenn vermeintliche mörderische Feinde der offenen Gesellschaft innerhalb fairer Prozesse verteidigt werden müssen - auch das ist Anliegen des Films.

Erklärung für das Zerwürfnis mit der Mandantin

Der Blick hinter die Kulissen des NSU-Prozesses offenbart auch die Hintergründe der späteren Streits zwischen Zschäpe und ihren Verteidigern, die bis zum Schluss kein Wort mehr mit ihrer Mandantin wechselten. Aus dem Prozess aussteigen durften sie nicht. Gegen den Willen Zschäpes und auf Anordnung des Gerichts gab es dennoch Schlussplädoyers.

«Heer, Stahl und Sturm» läuft am Mittwoch, 11. Juli, um 23.45 Uhr auf ARD. Der Sender berichtete unter dem Titel «Urteil im NSU-Prozess» ab 9.55 Uhr live vom Prozess. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendungen bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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