Friedhof der Kuscheltiere

Gion Mathias Cavelty

14.11.2020 - 11:00

«Die armen Viecher können einem leid tun», seufzt TV-Experte Gion Mathias Cavelty.

Gestern Abend flimmerte die erste Folge von «The Masked Schwinger Switzerland», pardon: «The Masked Singer Switzerland» auf ProSieben Schweiz über die Bildschirme, und etwas habe ich von den vielen Krimis, die ich in meinem Leben schon gesehen habe, gelernt: Der Täter (in diesem Fall: Sänger) ist immer der, der's unmöglich sein kann (zum Beispiel der, der sich wegen eines Schusslochs im Bein nicht bewegen kann wie in «Tod auf dem Nil»).

Getreu diesem Motto (wer kommt am WENIGSTEN in Frage) möchte ich hier also meine persönlichen Tipps bekanntgeben.

Als erstes stieg die sogenannte Eule auf die Bühne. Dabei deutete sich schon an: Die Kostüme sehen wesentlich cheaper aus als die von «Masked Singer Germany» (und nach und nach stellte sich dann leider auch alles andere als cheaper heraus als beim grossen deutschen Bruder). Die arme Eule machte konkret den Eindruck, als hätte Harry Potter sie sich gerade aus dem Hintern gezaubert.

Anyway: Das Viech sang «Get this Party Started» von Pink. Es war kein Vergnügen. Das Rateteam (bestehend aus Steffi Buchli, Luca Hänni und Marc Sway, womit die Hälfte der Schweizer Promis schon weg war) tippte unter anderem auf Annina Frey, was natürlich vollkommen richtig ist, das hörte ja ein Tauber. Deshalb sage ich: Die Eule ist Daniel Koch. Daniel Koch ist immer und überall, vor allem, wenn Masken im Spiel sind.

Als Zweites gab das Murmeli «Swiss Lady» zum Besten. Kein Zweifel: Es war Claudio Zuccolini. Ich persönlich schwanke zwischen Erich von Däniken und Daniele Ganser.

So ging das dann weiter, und Spannung kam eigentlich keine auf, was gar nicht schlecht war. Das Pappkameraden-Publikum machte seine Sache ordentlich; das Rateteam fiel in seiner relativen Uninspiriertheit nicht gross auf; der eingespielte Applaus störte nicht. Man konnte daneben in Ruhe Socken sortieren. Genau das tat ich beim Duell zwischen dem besonders hässlich geratenen Bernhardiner (noch einmal Claudio Zuccolini; mein Tipp: Pierin Vincenz) und der sogenannten Gams (Xenia Tchoumitcheva; ich sage: Nella Martinetti – sie ist zwar schon lange wohlverdient im Himmel, aber eben: Es ist der/die, mit dem/der man am allerwenigsten rechnet).

Der Seegott, der als Fünfter auftrat: Hätte eigentlich mal ein ProSieben-Schweiz-Eigengewächs à la René Schudel sein müssen, denn das Unternehmen will natürlich auch seine eigenen Puppen tanzen lassen. Es war dann aber Pascal Zuberbühler. Respektive meiner Meinung nach: the one and only Globi (Stichwort blau)! Auf das kommt keiner – eine Kunstfigur, die in einer Kunstfigur steckt. Brillant! Agatha Christie wäre stolz auf mich.

Der Fuchs: zu 100 Prozent Tamy Glauser. Nach meiner Leseart: Bischof Wolfgang Haas (-> «wo sich Fuchs und Has' gute Nacht sagen»).

Die Bling-Bling-Kuh (eine groteske Verhöhnung aller Kühe): Piero Esteriore (wie wär's wieder mal mit einem Ausfährtchen im «oberkuhlen» Mercedes vom Mami, Piero?). Oder Andreas Glarner. Oder Peter Bichsel. Der Igel: General Henri Guisan (Stacheln -> Wehrhaftigkeit -> Landesverteidigung).

Am Schluss musste die Gams ihre Maske absetzen, weil sie zu wenige Zuschaueranrufe bekommen hatte – und wie von mir oben vollkommen richtig vorausgesagt, steckte Denise Biellmann im Kostüm, das heisst natürlich: Nella Martinetti in einem Denise-Biellmann-Kostüm. Eine Bitte: nie wieder singen! Das gilt übrigens auch für den ganzen Rest des Friedhofs der CH-Kuscheltiere. Danke/merci/grazie/grazia/faleminderit!

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